Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Konservative Partei in Johnson-Frage zerrissen
International 06.07.2022
Rücktritt von zwei Ministern

Konservative Partei in Johnson-Frage zerrissen

Finanzminister Sunak (M.) und Gesundheitsminister Javid (l.) kündigten am Abend ihren Rückzug an und kritisierten Premierminister Johnson scharf.
Rücktritt von zwei Ministern

Konservative Partei in Johnson-Frage zerrissen

Finanzminister Sunak (M.) und Gesundheitsminister Javid (l.) kündigten am Abend ihren Rückzug an und kritisierten Premierminister Johnson scharf.
Foto: DPA
International 06.07.2022
Rücktritt von zwei Ministern

Konservative Partei in Johnson-Frage zerrissen

Teddy JAANS
Teddy JAANS
Politologe Mark Garnett von der Uni Lancaster erwartet, dass die Fraktion schon bald gegen den Premierminister vorgehen wird.

(dpa) – Nach dem Rücktritt von zwei Ministern stehen die Zeichen in der Konservativen Partei des britischen Premierministers Boris Johnson nach Ansicht eines Politologen auf Sturm. „Konservative Abgeordnete haben endgültig die Geduld mit ihrem Anführer verloren, der für die Wähler immer schnell zu einer verachtenswerten Figur wird“, sagte Mark Garnett von der Universität Lancaster der Deutschen Presse-Agentur in London. Johnson werde aber nicht aufgeben.

Wenn der 58-jährige Premier inmitten einer schweren Wirtschaftskrise und angesichts drängender Fragen zu seiner persönlichen Integrität hinwerfe, werde er als einer der schlechtesten Regierungschefs der Geschichte gelten, sagte der Experte. „Das macht es sehr unwahrscheinlich, dass er zurücktritt. Seine Partei wird ihn aus der Downing Street herauszerren müssen.“

Skandal auf Skandal

Zuvor waren sowohl Finanzminister Rishi Sunak und Gesundheitsminister Sajid Javid zurückgetreten. Beide kritisierten Johnson scharf und warfen ihm vor, das Ansehen der Konservativen Partei zerstört zu haben. Auch weitere Tory-Abgeordnete traten aus Protest gegen Johnson von Regierungsämtern zurück. Der Premierminister hatte zuvor eingeräumt, dass er von Vorwürfen der sexuellen Belästigung gegen einen Parteifreund gewusst habe, den er dennoch in ein wichtiges Fraktionsamt gehievt hatte.


Britain's Prime Minister Boris Johnson speaks as he chairs a Cabinet meeting at 10 Downing Street, in London, on June 7, 2022. - British Prime Minister Boris Johnson survived on June 6 a vote of no confidence from his own Conservative MPs but with his position weakened after a sizeable number refused to back him. The Brexit figurehead called the 211-148 split a "convincing result, a decisive result". (Photo by Leon Neal / POOL / AFP)
Premierminister auf Abruf
Trotz überstandenem Misstrauensvotum ist das politische Schicksal des britischen Premierministers Boris Johnson besiegelt.

Garnett erwartet, dass die Fraktion schon bald gegen Johnson vorgehen wird. So stehen in der kommenden Woche Wahlen zu einem einflussreichen Komitee an, das über ein parteiinternes Misstrauensvotum entscheidet. Johnsons Gegner würden vermutlich hier die Kontrolle übernehmen und die Regeln so ändern, dass bald eine weitere Abstimmung über den Premier möglich sei, sagte der Politologe. Zugleich wies er darauf hin, dass kein potenzieller Nachfolger in Sicht sei.    

Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter und Instagram und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Nach der gewonnenen Vertrauensabstimmung behauptet Boris Johnson, die „Partygate“-Affäre sei vorüber. Aber so einfach ist es nicht.
Britain's Prime Minister Boris Johnson speaks during a Cabinet meeting at 10 Downing Street, in London, on June 7, 2022. - British Prime Minister Boris Johnson survived on June 6 a vote of no confidence from his own Conservative MPs but with his position weakened after a sizeable number refused to back him. The Brexit figurehead called the 211-148 split a "convincing result, a decisive result". (Photo by Leon Neal / POOL / AFP)