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Konflikt um Katalonien spitzt sich zu
International 23.09.2017 Aus unserem online-Archiv
Streit um Polizei

Konflikt um Katalonien spitzt sich zu

Die katalonische Regionalpolizei 'Mossos D'Esquadra' soll nun Madrid unterstehen.
Streit um Polizei

Konflikt um Katalonien spitzt sich zu

Die katalonische Regionalpolizei 'Mossos D'Esquadra' soll nun Madrid unterstehen.
AFP
International 23.09.2017 Aus unserem online-Archiv
Streit um Polizei

Konflikt um Katalonien spitzt sich zu

Am 1. Oktober wollen die Separatisten in Katalonien über die Abspaltung von Spanien abstimmen. Das „verbindliche Referendum“, das von der Justiz untersagt wurde, will Madrid aber mit allen Mitteln verhindern. Der Streit wird von Tag zu Tag brisanter.

(dpa) - Der Separatisten-Konflikt in Katalonien hat sich acht Tage vor einer umstrittenen Abstimmung über die Loslösung der Region von Spanien weiter zugespitzt. Die Madrider Zentralregierung gab am Samstag die Übernahme der Kontrolle über die katalanische Polizei bekannt. Der katalanische Innenminister Joaquim Forn entgegnete in Barcelona, die Regional-Polizei Mossos d'Esquadra werde die Entscheidung nicht akzeptieren.

Mit zahlreichen Aktionen versuchen Madrid und die spanische Justiz die von der Regionalregierung in Barcelona für den 1. Oktober ausgerufene, vom Verfassungsgericht aber verbotene Abstimmung zu verhindern. Bei Dutzenden von Razzien nahm die Guardia Civil in den vergangenen Tagen 14 separatistische Politiker und Beamte fest. Außerdem wurden knapp zehn Millionen Wahlzettel und rund 1,5 Millionen Wahlplakate beschlagnahmt. Zehntausende Katalanen gingen aus Protest gegen diese Aktionen auf die Straßen.

Bei der Zusammenarbeit mit der Guardia Civil war der katalanischen Polizei „mangelndes Engagement“ vorgeworfen worden. Die Mossos d'Esquadra sind nun nach Angaben des Madrider Innenministeriums ab sofort der paramilitärischen Polizeieinheit Guardia Civil unterstellt. Die Gründe für die Entscheidung wurden nicht bekannt.

Madrid entsendet weitere Polizeieinheiten

Die Mossos d'Esquadra reagierten unterdessen auf Twitter mit folgenden Zeilen: „Wir werden weiter wie bisher arbeiten. Wir werden unsere Befugnisse ausüben, um die Sicherheit und die öffentliche Ordnung zu gewährleisten und dem Bürger zu dienen.“

Madrid kündigte derweil die Entsendung weiterer Einheiten der Nationalpolizei und der Guardia Civil nach Katalonien im Nordosten des Landes an. Ministerpräsident Mariano Rajoy wiederholte am Samstag auf einem Regionaltreffen seiner konservativen Volkspartei (PP) in Palma de Mallorca: „Das Referendum wird nicht stattfinden.“

Vor dem Hotel, in dem das PP-Treffen stattfand, versammelten sich am Samstagnachmittag Hunderte von Menschen, um für das „Selbstbestimmungsrecht der Katalanen“ zu demonstrieren. An der Kundgebung nahmen zahlreiche Politiker linker Parteien teil. Sie kritisierten die „zunehmend repressiven Maßnahmen“ der Zentralregierung gegen die katalanischen Separatisten.

Ungeachtet aller Widerstände hält die Regionalregierung von Carles Puigdemont an der Abhaltung des Referendums fest. Die Wahllokale würden am 1. Oktober überall in Katalonien öffnen, versicherte deren Bildungsministerin Clara Ponsatí. „Die Urnen werden da sein. Die Menschen werden sie in der Nähe ihrer Wohnungen finden“, sagte sie.


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Spain enters uncharted and potentially perilous territory today as Madrid moves to take over the running of Catalonia in response to the rebellious region's parliament unilaterally declaring independence.

 / AFP PHOTO / Josep LAGO
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More than 5.3 million Catalans are called today to vote in a referendum on independence, surrounded by uncertainty over the intention of Spanish institutions to prevent this plebiscite banned by justice.
 / AFP PHOTO / Raymond ROIG
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More than 5.3 million Catalans are called today to vote in a referendum on independence, surrounded by uncertainty over the intention of Spanish institutions to prevent this plebiscite banned by justice.
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