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Kinderzimmerradikalisierung
International 2 Min. 11.09.2016 Aus unserem online-Archiv
Frauen im Bann des IS

Kinderzimmerradikalisierung

In Europa nimmt die Zahl radikalisierter Frauen zu.
Frauen im Bann des IS

Kinderzimmerradikalisierung

In Europa nimmt die Zahl radikalisierter Frauen zu.
Foto: Reuters
International 2 Min. 11.09.2016 Aus unserem online-Archiv
Frauen im Bann des IS

Kinderzimmerradikalisierung

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Nicht nur Männer werden zu Islamisten, offenbar radikalisieren sich auch in Deutschland zunehmend junge Frauen. Die Mädchen wandeln sich im Stillen, Experten warnen vor einer „Kinderzimmerradikalisierung“. Doch Gefahr droht auch aus dem Ausland.

(dpa) - In Deutschland radikalisieren sich offensichtlich immer mehr muslimische junge Frauen. Die Beratungsstelle Radikalisierung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge verzeichne einen starken Anstieg der Beratungen, in denen es um die religiöse Radikalisierung von Mädchen gehe, berichtete die „Neue Osnabrücker Zeitung“. Waren in der Vergangenheit in etwas mehr als einem Viertel der Beratungsfälle Mädchen betroffen, seien es 2015 bereits knapp die Hälfte aller Fälle gewesen.

Der Trend setze sich in diesem Jahr fort. Seit der Freischaltung ihrer Hotline 2012 gingen bei der Beratungsstelle mehr als 2.500 Anrufe ein. Nach Angaben von Michael Kiefer vom Institut für Islamische Theologie der Universität Osnabrück sind „bereits 13-Jährige unter den Mädchen, die sich radikalisieren“. Die Altersgrenze verschiebe sich immer weiter nach unten.

Anders als bei Jungen, die häufig provozierten und konfrontativ seien, vollziehe sich die Radikalisierung von Mädchen im Stillen, sagte Kiefer. „Wir sprechen von einer Kinderzimmerradikalisierung.“

Unterdessen stellen sich Sicherheitsbehörden auf eine zunehmende Zahl an Dschihad-Rückkehrern aus Syrien und dem Irak ein. Wegen der Verluste der Terrormiliz Islamischer Staat kommen immer mehr ausländische Kämpfer nach Europa zurück. „Vielfach sind sie extrem radikalisiert, militärisch geschult und durch Kriegs- und Kampferfahrungen verroht“, sagte der Chef des Bundeskriminalamts, Holger Münch, der „Welt am Sonntag“. Er forderte einen verstärkten Datenaustausch zwischen den Sicherheitsbehörden.

Rund 6.000 Dschihadisten aus Europa hätten sich zeitweise in der Kriegsregion aufgehalten, bis zu einem Drittel soll wieder in der Heimat sein. Nach Angaben des Verfassungsschutzes haben sich mehr als 70 nach Deutschland Zurückgekehrte aktiv an Kämpfen in Syrien oder im Irak beteiligt oder dafür eine Ausbildung absolviert.

Münch warnte vor europäischen Terrornetzwerken: „Dschihadisten lernen sich in Syrien oder im Irak in den Kriegsgebieten kennen und unterhalten enge Kontakte und Beziehungen.“ So bildeten sich islamistische Netzwerke, die die Kämpfer auch nach ihrer Rückkehr weiter aufrechterhielten.

Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) warnte in der „Bild“-Zeitung vor einer hohen Zahl islamistischer Gefährder in Deutschland, denen Gewalttaten von erheblicher Bedeutung zugetraut werden. Ihre Zahl sei mit über 520 Personen so hoch wie nie zuvor. Neben den Gefährdern stufen die Länder laut de Maizière noch rund 360 Personen als potenzielle Unterstützer ein. Die Terrorgefahr gehe sowohl von Anschlagskommandos als auch von fanatischen Einzeltätern aus, sagte de Maizière.


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