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Kevin Strickland saß 43 Jahre unschuldig in Haft
International 1 2 Min. 24.11.2021
US-Gericht hebt Urteil auf

Kevin Strickland saß 43 Jahre unschuldig in Haft

Nach 43 Jahren kassierte ein Berufungsgericht in Missouri das Urteil gegen Kevin Strickland - heute 62, damals 18.
US-Gericht hebt Urteil auf

Kevin Strickland saß 43 Jahre unschuldig in Haft

Nach 43 Jahren kassierte ein Berufungsgericht in Missouri das Urteil gegen Kevin Strickland - heute 62, damals 18.
Foto: TNS/ABACA via Reuters Connect
International 1 2 Min. 24.11.2021
US-Gericht hebt Urteil auf

Kevin Strickland saß 43 Jahre unschuldig in Haft

Es ist eine der längsten unrechtmäßigen Inhaftierungen in der US-Geschichte. Der 62-Jährige saß wegen eines Mordes, mit dem er nichts zu tun hatte. Von seiner bevorstehenden Freilassung erfuhr er aus dem Fernsehen.

(dpa) - Er saß rund 43 Jahre lang unschuldig in den USA hinter Gittern - nun hat ein Berufungsgericht im Bundesstaat Missouri die Verurteilung eines heute 62-jährigen Afroamerikaners aufgehoben. Es gebe klare und überzeugende Beweise, um den Schuldspruch zu annullieren, befand Richter James Welsh Medienberichten zufolge am Dienstag (Ortszeit). Er ordnete die sofortige Freilassung des Mannes an, der 1979 wegen einer Gewalttat mit drei Toten zu lebenslanger Haft ohne Möglichkeit auf Bewährung verurteilt worden war.

Es gebe keine Beweise, dass er tatsächlich am Tatort gewesen sei, zudem habe die damalige Hauptzeugin ihre Aussage widerrufen, erklärte der Richter. Staatsanwältin Jean Peters Baker, die sich für die Freilassung eingesetzt hatte, feierte die Entscheidung: „Endlich wird einem Mann Gerechtigkeit zuteil, der wegen eines Fehlurteils auf tragische Weise so sehr gelitten hat.“


PRODUKTION - 14.09.2021, Hessen, Frankfurt/Main: Jens Söring steht im Palmengarten in Frankfurt und hält sein Buch «Rückkehr ins Leben» in der Hand. Der Sohn eines deutschen Diplomaten war in den USA wegen Doppelmordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden und erst 2019 nach 33 Jahren hinter Gittern nach Deutschland abgeschoben worden. Hier versucht er jetzt, sich eine neue Existenz aufzubauen. (zu dpa «Nach mehr als 33 Jahren Haft: Jens Sörings erste Monate in Freiheit») Foto: Boris Roessler/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
„Ich habe Derek und Nancy nicht umgebracht“
Ein verurteilter Doppelmörder auf freiem Fuß: Jens Söring über das Verbrechen, das ihn ins Gefängnis brachte, und seinen Neuanfang nach der Haft.

Der 62-jährige Kevin Strickland hatte stets seine Unschuld beteuert. „Ich kann es noch nicht glauben. Ich hätte nicht gedacht, dass dieser Tag kommen würde“, sagte er Reportern, als er das Gefängnis in der Ortschaft Cameron in einem Rollstuhl verließ. „Ich bin nicht unbedingt wütend. Es ist viel zu verarbeiten. (…) Freude, Kummer, Angst. Ich versuche herauszufinden, wie ich das zusammenbringen kann.“ 

Er habe von seiner Freilassung aus dem Fernsehen erfahren, so Strickland weiter: „Ich habe eine Seifenoper geschaut, als mein Name und mein Foto eingeblendet wurden.“ Daraufhin sei lauter Jubel unter seinen Mithäftlingen ausgebrochen.  

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Strickland war 1979 von einer nur aus Weißen bestehenden Jury verurteilt worden. Ihm wurde zur Last gelegt, 1978 als damals 18-Jähriger an einer Gewalttat in Kansas City beteiligt gewesen zu sein, bei der vier Menschen angeschossen worden waren. Die einzige Überlebende sagte seinerzeit gegen ihn aus. Später widerrief sie die Aussage und setzte sich, bis zu ihrem Tod 2015, für die Freilassung des Inhaftierten ein. Sie sei damals von einem Polizisten unter Druck gesetzt worden, sagte sie. Auch zwei ebenfalls als Täter verurteilte Männer sagten, er sei nicht beteiligt gewesen.


Centre Pénitentiaire, Schrassig,Gefängnis,Haftanstalt,Prison. Foto:Gerry Huberty
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In Luxemburg verbüßen aktuell neun Personen eine lebenslange Haftstrafe. Doch muss das nicht heißen, dass sie nie wieder auf freien Fuß kommen.

Stricklands ungerechtfertigte Haft ist die längste in der Geschichte Missouris und eine der längsten in der US-Geschichte. Auf eine Entschädigung habe der Mann indes keinen Anspruch, hieß es. Dies wäre nur möglich gewesen, wenn das Urteil aufgrund eines DNA-Beweises aufgehoben worden wäre. Nun läuft eine Kampagne, um Geld für ihn zu sammeln. Er wolle das Meer einmal sehen und das Grab seiner Mutter besuchen, hatte Strickland nur wenige Tage vor seiner Entlastung der „Washington Post“ gesagt.  


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