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Kein blaues Wunder - trotz sechstem Kind
International 4 Min. 14.05.2019

Kein blaues Wunder - trotz sechstem Kind

Die einstige AfD-Frontfrau Frauke Petry hat nach ihrem spektakulären Abgang nach den Bundestagswahlen die Blaue Partei ins Leben gerufen.

Kein blaues Wunder - trotz sechstem Kind

Die einstige AfD-Frontfrau Frauke Petry hat nach ihrem spektakulären Abgang nach den Bundestagswahlen die Blaue Partei ins Leben gerufen.
Foto: AFP
International 4 Min. 14.05.2019

Kein blaues Wunder - trotz sechstem Kind

Mit der AfD wurde Frauke Petry zum Star - mit ihrer neuen Partei finden die Wähler sie nicht einmal mehr sympathisch.

Von LW-Korrespondentin Cornelie Barthelme (Berlin)

Erstmals seit langem wieder gute Nachrichten für die ehemalige AfD-Frontfrau Frauke Petry. Die Familie habe Tochter Pauline "gesund und quietschfidel im Leben" begrüßt, schrieb ihr Lebensgefährte Markus Pretzell - Europaabgeordneter und ebenfalls ehemaliger AfD-Politiker - am Dienstag auf  Twitter.

Petry war nach dem Einzug n den Bundestag 2017 aus der Partei ausgetreten. Dem Austritt waren interne Machtkämpfe vorangegangen. Zusammen mit Pretzell, ebenfalls ein ehemaliger AfD-Politiker, gründete sie kurz darauf die sogenannte Blaue Partei.

Fulminant geht anders

Ihren größten politischen Erfolg seit gut eineinhalb Jahren erzielte Frauke Petry  vor einem Monat. Ihre Partei wählte sie zur Spitzenkandidatin für die Landtagswahl in Sachsen im Spätsommer. 95,6 Prozent. 23 von 24 Delegierten stimmten für sie. Aber Petry selbst war damals gar nicht da. Sie erwartete ihr bereits sechstes Kind. Und die Partei ließ wissen, ihre Ärzte hätten zur Schonung geraten.


Leadership member of the hard-right party AfD (Alternative f�r Deutschland) Frauke Petry leaves a press conference of her party on the day after the German General elections on September 25, 2017 in Berlin, where she said she refused to join the AfD party's parliamentary group.  
 The election spelt a breakthrough for the anti-Islam Alternative for Germany (AfD), which with 13 percent became the third strongest party and vowed to "go after" Merkel over her migrant and refugee policy. / AFP PHOTO / John MACDOUGALL
Konflikt in AfD eskaliert nach Bundestagswahl
Paukenschlag unmittelbar nach der deutschen Bundestagswahl: Die erfolgreiche AfD macht ihre internen Spannungen für alle offensichtlich. Steht eine Spaltung der Partei bevor?

Keine zwei Jahre zurück hat Frauke Petry ihrer Partei den Knaller im deutschen Bundestagswahlkampf geliefert. Ein Foto mit Sohn Ferdinand, sie hielt dem Säugling lächelnd das Köpfchen, ein Madonnen-Motiv -rechts daneben stand: „Und was ist Ihr Grund, für Deutschland zu kämpfen?“ Und links: Frauke Petry, Vorsitzende der AfD.

Das Plakat ist gelaufen wie die Sau.

„Das Plakat ist gelaufen wie die Sau“, erzählte Dirk Driesang später. Er wollte wie Petry ein Mandat in Berlin - und schaffte es nicht einmal über die Liste. Sie dagegen direkt. Er war einer ihrer Getreuen im Kampf um die Macht in der AfD. Und er will sie gewarnt haben vor ihrem größten Auftritt. Am Tag nach der Bundestagswahl warf Petry der AfD die Brocken hin. Mit Aplomb. Als amtierende Vorsitzende erklärte sie in der Bundespressekonferenz ihren Austritt aus Partei und noch gar nicht richtig gebildeter Fraktion. „Dankeschön…“

„Du solltest wissen, dass Du alleine gehst“, will Driesang ihr gesagt haben. Es ist ziemlich genau so gekommen. Im Bundestag folgte ihr einer - von 93 Abgeordneten. In Sachsen vier von 14. Und die Partei, die sie jetzt in den Wahlkampf führt, hat dort gerade mal um die 100 Mitglieder. Jeder vierte muss in Grimma als Delegierter ran. Ihr Name ist „Die blaue Partei“.

Blaue Partei tritt nur in Sachsen an, nicht in Europa


The silouhette of the leadership member of the hard-right party AfD (Alternative f�r Deutschland) Frauke Petry is seen after a press conference in Dresden, eastern Germany, where she said she will leave the AfD party's parliamentary group, two days after the German General elections, on September 26, 2017.

 / AFP PHOTO / dpa / Monika Skolimowska / Germany OUT
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Die deutsche AfD-Chefin Frauke Petry und ihr Mann, Marcus Pretzell, werden aus ihrer Partei austreten. Nach internen Querellen ist es nun nach der Bundestagswahl am vergangenen Wochenende zum Showdown gekommen.

Du solltest wissen, dass du alleine gehst.

Sie hat eine Internet-Präsenz, ein Programm aus 58 Sätzen und Frauke Petry als Vorsitzende. Zur Europawahl wird sie nicht antreten, obwohl das fest geplant war. Im Winter hat Petrys Getreuester unter den Getreuen, Uwe Wurlitzer, gesagt, wenn die Blauen es nicht nach Brüssel schafften und wenn sie auch in Sachsen scheiterten, „dann müssen wir akzeptieren, dass es nicht funktioniert hat“.

Es sieht auch für Sachsen nicht gut aus. Und ganz besonders schlecht für Frauke Petry. Als die „Leipziger Volkszeitung“ Ende März die Wähler fragte, wie sympathisch ihnen die Spitzenkandidaten seien, landete Petry auf dem vorletzten Platz. Schulnote 4,9 - eine glatte Fünf also.

Es gab eine Zeit, da hätte Petry darüber geweint. Ihr Chemielehrer am Gymnasium erinnerte sich, wie sie im Leistungskurs Tränen vergoss wegen einer Zwei plus. „Weil sie nicht die Beste war.“

Jetzt kommt nur noch André Poggenburg auf einen schlechteren Wert. Auch er ist ein AfD-Renegat; er war lange der Verbündete von Björn Höcke, der den rechtsextrem-völkischen Flügel vertritt. Petry war Höckes Gegnerin. Es ging um die Ausrichtung, um mehr oder um weniger rechts. Sie wollte ihn aus der Partei werfen lassen.

Der einstige Star der AfD

Und lange schien es, als könnte sie das. Sie war der Star der AfD, sie hatte deren Gründer Bernd Lucke in die Bedeutungslosigkeit geschickt und die Partei selbst weiter nach rechts positioniert; es wirkte, als gebe es für die AfD und vor allem für sie keine Grenzen.

Im Winter 2017 traf sie die bekanntesten Rechtspopulisten Europas: den Niederländer Geert Wilders, die Französin Marine Le Pen, den Italiener Matteo Salvini - und den Österreicher Heinz Strache. Der träumte laut davon, „dass hoffentlich eine neue Kanzlerin namens Petry möglich wird“. Vor der Bühne thronte Petry und strahlte, rechts von ihr feierte sie Wilders, links ihr neuer Ehemann Marcus Pretzell, den sie in der AfD kennengelernt hatte.

Hoffentlich wird eine neue Kanzlerin namens Petry möglich.

Geringer Spielraum im Bundestag

Drei Frühlinge danach ist alles anders. Im Bundestag sitzt Petry ganz hinten und an ihrer Seite ist nur Mario Mieruch, der ihr aus der AfD zur Blauen Partei gefolgt ist. Wenn sie redet - und sie redet oft - hört kaum jemand zu und niemand applaudiert. Für die Provokation fühlen sich ihre einstigen Parteifreunde zuständig, für die parlamentarische Seriosität der große Rest. Für Petry bleibt da wenig Raum.

„Wir brauchen den Bundestag, um wirken zu können“, hat sie im Winter gesagt, für ein großes Fernseh-Porträt, das der WDR über sie drehte. Und nachgeschoben „…so lange er uns zur Verfügung steht“. Zukunftsfroh klang das nicht. Petrys Gegenwart gibt wenig Anlass dafür. Eine Anklage wegen Meineids vor einem Landtagsausschuss mündete jüngst in ein Urteil wegen fahrlässiger Falschaussage; 6.000 Euro Geldstrafe - und sie kann ihre beiden Mandate behalten. Vorerst. Sachsen wählt am 1. September.


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Und es müsste schon ein Wunder geben, ein blaues - wenn der phänomenale Aufstieg der Frauke Petry und ihr viel weniger phänomenaler Fall dann nicht ein Ende nähme. Ein erstes. Aber ein Ende.


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 / AFP PHOTO / dpa / Monika Skolimowska / Germany OUT