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Papst ruft Ungarn zu Offenheit auf - und vermeidet Streit
International 4 3 Min. 12.09.2021
Katholische Kirche

Papst ruft Ungarn zu Offenheit auf - und vermeidet Streit

Zehntausende Menschen begrüßen Papst Franziskus auf seinem Weg zum Heldenplatz in Budapest, wo ein großer Freiluftgottesdienst stattfindet.
Katholische Kirche

Papst ruft Ungarn zu Offenheit auf - und vermeidet Streit

Zehntausende Menschen begrüßen Papst Franziskus auf seinem Weg zum Heldenplatz in Budapest, wo ein großer Freiluftgottesdienst stattfindet.
Foto: AFP
International 4 3 Min. 12.09.2021
Katholische Kirche

Papst ruft Ungarn zu Offenheit auf - und vermeidet Streit

Bei seiner Reise nach Ungarn und Slowenien feierte Franziskus eine Messe mit 100.000 Gläubigen und traf Regierungschef Viktor Orbán

Papst Franziskus hat die Gläubigen in Ungarn zu Respekt und Offenheit aufgefordert. „Mein Wunsch ist, dass ihr so sein möget: gefestigt und offen, verwurzelt und respektvoll“, sagte das katholische Kirchenoberhaupt am Sonntag auf dem Heldenplatz in der ungarischen Hauptstadt Budapest. Ungarn stehe treu zu seinen Wurzeln, aber das „Kreuz“ lade auch dazu ein, die Arme auszubreiten und sich nicht zu verschanzen, erklärte er weiter. 


09.04.2014 SCH, Batiment Robert Schuman, Kirchberg, 2, place de l'europe, (Foto: Romain Schanck)
Papst will Robert Schuman selig sprechen
Der in Luxemburg geborene ehemalige deutsche Staatsbürger, dann französische Außenminister und Ministerpräsident gab den Anstoß für die europäische Versöhnung.

An dem Gottesdienst, dem Höhepunkt seines Ungarn-Besuchs, nahmen annähernd 100.000 Menschen teil. Es war zugleich die Abschlussmesse des 52. Internationalen Eucharistischen Kongresses, zu dem auch Erzbischof Kardinal Jean-Claude Hollerich angereist war. 

Streitthema ausgeklammert

Zuvor traf Franziskus Ungarns Staatspräsident János Áder sowie Ministerpräsident Viktor Orbán. Auch wegen der gegensätzlichen Positionen Franziskus' und Orbáns zur Migrationspolitik war das Treffen mit Spannung erwartet worden.

Auch Viktor Orbán und seine Frau Aniko Levai nahmen an der Messe teil.
Auch Viktor Orbán und seine Frau Aniko Levai nahmen an der Messe teil.
Foto: AFP

Das etwa 40-minütige Treffen in der Hauptstadt Budapest fand hinter verschlossenen Türen statt. Orbán ließ anschließend auf Facebook ein Foto veröffentlichen. Der Termin war mit Spannung erwartet worden, weil der Papst und der konservative Regierungschef gerade beim Thema Migration gegensätzliche Positionen vertreten. Franziskus fordert immer wieder Hilfe für Flüchtlinge. Ungarn fährt dagegen eine Anti-Migrationspolitik. 

Das Streitthema Migration wurde jedoch ausgeklammert. Nach Angaben des Vatikans ging es in dem Gespräch unter anderem um die Rolle der Kirche in Ungarn und Umweltschutz. Franziskus hatte noch vor kurzem in einem Radiointerview gesagt, er wisse nicht, ob es überhaupt zu einem Treffen mit Orbán komme. Eigentlich sind solche Begegnungen bei Auslandsreisen des Papstes üblich. 

Scharfe Kritik an Judenhass

Bei einem Treffen mit Vertretern der jüdischen Gemeinde von Budapest verurteilte der Papst den Antisemitismus. Dieser schwele immer noch in Europa, sagte das Kirchenoberhaupt: „Das ist eine Lunte, die gelöscht werden muss.“ Der beste Weg, sie unschädlich zu machen, bestehe darin, positiv zusammenzuarbeiten und die Geschwisterlichkeit zu fördern. Sowohl die hebräische als auch die christliche Kultur müssten wissen, dass alle Kulturen interagierten, sagte ein Vertreter der Jüdischen Gemeinde. In den vergangenen Jahrzehnten hätten Juden und Christen viel getan, um die Mauern, die beide trennten, einzureißen.

Das ist eine Lunte, die gelöscht werden muss.  

Papst Franziskus über Antisemitismus

Das Internationale Auschwitz Komitee würdigte den Besuch des Papstes. Weltweit verfolgen Überlebende des Holocaust die Reise nach Ungarn und in die Slowakei mit großer Anerkennung. „Gerade in Zeiten von wachsender antisemitischer Gewalt und Hass und Ausgrenzung gegenüber Roma-Familien in Europa, ist die Zuwendung und die klare Haltung des Papstes für Überlebende des Holocaust ein ermutigendes Signal“, sagte der Exekutiv-Vizepräsident des Komitees, Christoph Heubner.

Weiter nach Bratislava

Während seiner insgesamt viertägigen Reise sind für Franziskus Treffen mit Überlebenden des Holocaust ebenso wie mit Familien der stigmatisierten Roma-Minderheit vorgesehen. 


Ein Bild aus Kamloops in British Columbia, wo Ende Mai 215 tote Kinder auf dem Gelände eines ehemaligen katholischen Internats gefunden worden waren. Die neuen Funde liegen weiter östlich in der Provinz Saskatchewan.
"Der Papst muss sich entschuldigen"
Wieder sind auf dem Gelände einer ehemaligen katholischen "residential school" Gräber entdeckt worden. Die Betroffenen fordern eine Reaktion der Kirche.

Das Komitee würdigte die Hochachtung des Papstes vor den Erinnerungen der Betroffenen und ihren ermordeten Angehörigen und seine „deutliche Haltung gegenüber rassistischem und populistischem Getöse in Politik und Gesellschaft“. Mit dem Papa-Mobil fuhr Franziskus an jubelnden Gläubigen vorbei durch die Straßen Budapests.

Er besuchte Ungarn nur für wenige Stunden; noch am Sonntag reiste er weiter in die slowakische Hauptstadt Bratislava. Am dortigen Flughafen wurde er von Präsidentin Zuzana Caputova sowie örtlichen Kirchenvertretern begrüßt.

Präsidentin Zuzana Caputova begrüßte Papst Franziskus in Slowenien.
Präsidentin Zuzana Caputova begrüßte Papst Franziskus in Slowenien.
Foto: AFP

Nach der Begrüßung begab er sich zunächst in die Nuntiatur. Dort ist eine weitere ökumenische Begegnung mit Vertretern anderer Kirchen vorgesehen. Diesem schließt sich ein privates Treffen des Papstes mit Mitgliedern des Jesuitenordens an. KNA/dpa/mer

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