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Kardinal Hollerich fordert Umsiedlung der Flüchtlinge von Moria
International 2 Min. 09.09.2020 Aus unserem online-Archiv

Kardinal Hollerich fordert Umsiedlung der Flüchtlinge von Moria

Kardinal Jean-Claude Hollerich.

Kardinal Hollerich fordert Umsiedlung der Flüchtlinge von Moria

Kardinal Jean-Claude Hollerich.
Foto: Lex Kleren
International 2 Min. 09.09.2020 Aus unserem online-Archiv

Kardinal Hollerich fordert Umsiedlung der Flüchtlinge von Moria

Der Luxemburger Kardinal fordert alle Länder, die zugesagt haben, Kinder und Kranke aufzunehmen, auf, dies nun endlich zu tun.

(KNA) - Der Präsident der katholischen EU-Bischofskommission COMECE, Kardinal Jean-Claude Hollerich, hat die EU-Staaten aufgefordert, ihrer Verantwortung für die Flüchtlinge und Migranten auf den Mittelmeerinseln nachzukommen.

„Alle Länder, die zugesagt haben, Kinder und Kranke aufzunehmen, sollen das jetzt endlich tun“, sagte Hollerich im Interview mit Radio Vatikan (Mittwoch). Er zeigte sich bestürzt über den Großbrand im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos.


TOPSHOT - Migrants sit inside the burnt Moria Camp on the Greek island of Lesbos on September 9, 2020, after a major fire. - Thousands of asylum seekers on the Greek island of Lesbos fled for their lives early September 9, as a huge fire ripped through the camp of Moria, the country's largest and most notorious migrant facility. Over 12,000 men, women and children ran in panic out of containers and tents and into adjoining olive groves and fields as the fire destroyed most of the overcrowded, squalid camp. The blaze started just hours after the migration ministry said that 35 people had tested positive at the camp. (Photo by Anthi PAZIANOU / AFP)
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In Moria habe nicht nur das Camp der Flüchtlinge gebrannt; auch „die Hoffnung der Leute ist weggebrannt“, so Hollerich. „Die Menschlichkeit Europas, die Tradition des Humanismus, des Christentums, ist nicht mehr vorhanden“, fügte er hinzu. „Ich denke, viele Regierungen hören auf die radikale Rechte, die keine Flüchtlinge will“, so der Kardinal: „Das führt Europa in die Unmenschlichkeit; wir verlieren den Sinn für Menschlichkeit.“ 

Der COMECE-Präsident zeigte sich zwar dankbar, dass die EU in einer ersten Reaktion auf den Brand in Moria der griechischen Regierung Hilfe für die betroffenen Menschen zugesichert habe, etwa in Form einer Umsiedlung. „Aber ich glaube, das genügt nicht mehr. Wir müssen unsere Verantwortung als Mitmenschen übernehmen“, so Hollerich. Es gelte, vom Reden ins Handeln zu kommen.


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Alle Staaten, die eine Aufnahme von Flüchtlingen aus Moria in den vergangenen Wochen und Monaten zugesagt haben, sollten dies nun „endlich“ umsetzen. Auch die Kirche nahm der Kardinal in die Pflicht. Er verwies auf das Beispiel der Gemeinschaft Sant'Egidio, die in Einvernehmen mit der Regierung in Rom Menschen über sogenannte humanitäre Korridore nach Italien gebracht hat.

„Wenn das arme Italien noch all diese Leute aufnehmen kann, verstehe ich nicht, wieso Länder, die von der Corona-Krise weit weniger gebeutelt sind, nicht auch ihren Beitrag leisten können“, mahnte Hollerich.


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