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Kalifornien: Zehntausende fliehen vor Bränden
International 9 3 Min. 25.10.2019 Aus unserem online-Archiv

Kalifornien: Zehntausende fliehen vor Bränden

Feuerwehrleute löschen einen Brand, der ein Haus erfasst hat. Das sogenannte «Tick»-Feuer bedrohte nach Angaben der Behörden in Südkalifornien eine dicht besiedelte Region mit rund 10.000 Gebäuden.

Kalifornien: Zehntausende fliehen vor Bränden

Feuerwehrleute löschen einen Brand, der ein Haus erfasst hat. Das sogenannte «Tick»-Feuer bedrohte nach Angaben der Behörden in Südkalifornien eine dicht besiedelte Region mit rund 10.000 Gebäuden.
Foto: David Crane/Orange County Regist
International 9 3 Min. 25.10.2019 Aus unserem online-Archiv

Kalifornien: Zehntausende fliehen vor Bränden

Erneut bedroht ein Feuer die nordkalifornischen Weinbauregionen. Erst vor zwei Jahren hatten heftige Waldbrände hier schwere Schäden angerichtet.

(dpa) - Gefährliche Waldbrände haben im US-Bundesstaat Kalifornien Zehntausende Menschen in die Flucht getrieben. Über Tausend Feuerwehrleute kämpften im Weinbaugebiet Sonoma County und bei Santa Clarita nahe Los Angeles gegen die beiden größten Feuer an, wie die Brandschutzbehörden mitteilten.

Um die Gefahr weiterer Brände durch beschädigte Leitungen zu bannen, schalteten Energieversorger mancherorts den Strom ab. Betroffen waren rund 200.000 Haushalte. Der Wetterdienst warnte am Freitag, starke Winde könnten manche Feuer am Wochenende weiter anfachen.

Santa Clarita bei Los Angeles

Das sogenannte "Tick"-Feuer, rund 50 Kilometer nördlich von Los Angeles, bedrohte nach Angaben der Behörden in Südkalifornien eine dicht besiedelte Region mit rund 10.000 Gebäuden. Rund 40.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Die Flammen breiteten sich demnach bislang auf einer Fläche von knapp 18 Quadratkilometern aus. Nach Angaben der Feuerwehr wurden mindestens sechs Häuser zerstört. Es wird befürchtet, dass noch mehr Gebäude abgebrannt sind.

Am Freitagmorgen (Ortszeit) waren dort etwa 600 Brandbekämpfer im Einsatz. "Die erratischen Winde heute sind eine Herausforderung für unsere Feuerwehrleute, weil sie die Richtung wechseln und zunehmen könnten", erklärte die Feuerwehr in Los Angeles. Das könne ein größeres Risiko für die Häuser in dem Gebiet bedeuten. Die Ursache des Brandes war zunächst nicht bekannt.

Der Versorger Southern California Edison (SCE) schnitt nach eigenen Angaben gut 20.000 Kunden vom Strom ab. Damit soll verhindert werden, dass der Wind Leitungen abreißt oder herabfallende Äste diese beschädigen und dadurch Brände verursachen.

Sonoma County im Norden Kaliforniens

Wegen erhöhter Waldbrandgefahr hatte auch der Energieversorger Pacific Gas & Electric (PG&E) seit Mittwoch in Teilen Nordkaliforniens den Strom abgeschaltet, auch im Bezirk Sonoma. Bis zu 179.000 Kunden waren zeitweise von den Blackouts betroffen. Nach Angaben des Unternehmens sollte bis Freitagabend die Versorgung wieder hergestellt werden.

In Sonoma County hätten sich die Flammen auf eine Fläche von mehr als 88 Quadratkilometern ausgebreitet, teilte die Feuerwehr am Freitag mit. Mindestens 49 Gebäude wurden zerstört. Rund 1300 Helfer waren in dem Brandgebiet im Einsatz. Das Feuer hatte sich wegen starker Winde von bis zu 96 Stundenkilometern rasch ausgebreitet.

Der Brand tobte in der Nähe des Ortes Geyserville, eines beliebten Ausflugsziels rund 120 Kilometer nördlich von San Francisco. In dem Sonoma-Bezirk, bekannt vor allem als Weinanbaugebiet, hatte die Polizei rund 2000 Einwohner aufgefordert, die Gefahrenzone rasch zu verlassen. Berichte über Verletzte, Tote oder vermisste Anwohner gab es zunächst nicht. Warum es brannte, war bisher unklar.

Bei warmen Temperaturen und extremer Trockenheit fraß sich das sogenannte "Kincade"-Feuer durch hügeliges, schwer zugängliches Hinterland. Es bedrohte aber auch die Ortschaft Geyserville und andere Siedlungen, darunter viele Weingüter. Die Besitzerin der Kellerei "Jackson Family Wines" habe ihr Haus verloren, berichtete die Zeitung "San Francisco Chronicle". Der US-Regisseur und Weingutbetreiber Francis Ford Coppola teilte mit, sein Weingut in Geyserville sei nicht akut gefährdet.

"Das ist die neue Normalität, in der wir leben", beklagte der Bürgermeister der nahe gelegenen Ortschaft Healdsburg, David Hagele, mit Blick auf die schweren Brände der vergangenen Jahre in der Gegend. "Es ist entmutigend und für viele Menschen beängstigend, weil es viele Erinnerungen an die Ereignisse vor ein paar Jahren weckt."


dpatopbilder - 13.11.2018, USA, Paradise: David Castro (29) und sein dreijähriger Sohn Harlan, die mit dem sogenannten «Camp»-Feuer ihr Haus verloren haben und jetzt teilweise im Auto von Freunden oder in Notunterkünften leben. (zu dpa "Paradise als Hölle auf Erden - «Werden eine neue Gemeinde schaffen» vom 14.11.2018) Foto: Barbara Munker/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Paradise als Hölle auf Erden: Mittlerweile 56 Tote
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Der Waldbrand in der nordkalifornischen Ortschaft Paradise, der im November vergangenen Jahres 85 Menschen in den Tod riss, soll durch defekte Stromleitungen ausgelöst worden sein. Starker Wind und eine trockene Vegetation trugen dazu bei, dass sich das Feuer extrem schnell ausbreitete. Auch 2017 war für Nordkalifornien wegen andauernder Trockenheit ein besonders schlimmes Waldbrandjahr gewesen. In den Weinregionen um Sonoma und Napa wurden damals fast 6000 Gebäude zerstört. 44 Menschen starben, zeitweise waren 100 000 Anwohner vor den Flammen auf der Flucht.


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