Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Kalifornien: Ehepaar hält seine 13 Kinder gefangen
International 2 Min. 16.01.2018 Aus unserem online-Archiv

Kalifornien: Ehepaar hält seine 13 Kinder gefangen

Ein weiteres Foto zeigt die Kinder der Familie in durchnummerierten T-Shirts, auf denen sie als "Thing #1", "Thing #2" etc. bezeichnet werden - das ist allerdings eine Anspielung auf das in den USA beliebte Kinderbuch "The Cat in the Hat".

Kalifornien: Ehepaar hält seine 13 Kinder gefangen

Ein weiteres Foto zeigt die Kinder der Familie in durchnummerierten T-Shirts, auf denen sie als "Thing #1", "Thing #2" etc. bezeichnet werden - das ist allerdings eine Anspielung auf das in den USA beliebte Kinderbuch "The Cat in the Hat".
Foto: Screenshot Facebook / LW
International 2 Min. 16.01.2018 Aus unserem online-Archiv

Kalifornien: Ehepaar hält seine 13 Kinder gefangen

Tom RÜDELL
Tom RÜDELL
Eine 17-Jährige ruft die Polizei: Sie und ihre zwölf Geschwister werden gefangen gehalten - von den eigenen Eltern. Der Polizei bieten sich erschütternde Bilder. Die Geschwister hatten kaum zu essen oder zu trinken, einige wurden ans Bett gekettet.

(dpa) - Ein Ehepaar in Kalifornien hat seine 13 Kinder unter grausamen Bedingungen gefangen gehalten. Wie das Büro des Bezirkssheriffs in Riverside am Montag (Ortszeit) berichtete, konnte sich eine 17-Jährige am Sonntag befreien und die Polizei informieren. Wie lange die Kinder gefangen gehalten wurden, blieb zunächst unklar.

Das Mädchen hatte in dem Haus ein Mobiltelefon gefunden und die Polizei in der Stadt Perris südöstlich von Los Angeles gerufen, hieß es in der Mitteilung. Den Beamten boten sich demnach erschütternde Bilder. Einige der Geschwister seien mit Ketten und Vorhängeschlössern an ihre Betten gefesselt gewesen - sie seien unterernährt und sehr schmutzig gewesen. Ihre Umgebung beschreibt die Mitteilung als dunkel und faulig riechend. Vater (57) und Mutter (49) hätten nicht erklären können, warum sie ihre Kinder festhielten, heißt es in dem Bericht.

Gefangen im eigenen Elternhaus - weitere Fälle:

  • Fast zwei Jahre lang hausen drei Schwestern in Tucson (USA) im eigenen Elternhaus wie in einem Kerker - von einem Alarmsystem überwacht. Als ihnen im November 2013 die Flucht gelingt, sind die Mädchen zwischen 12 und 17 unterernährt und verwahrlost.

  • Mehr als vier Jahre muss ein Junge in Oklahoma City (USA) in einem Wandschrank verbringen - eingesperrt und misshandelt von seiner Mutter und deren Lebensgefährten. Ausgemergelt und kaum bekleidet kann der 14-Jährige 2009 fliehen.

  • Josef Fritzl sperrt seine gerade volljährige Tochter 24 Jahre lang in ein Verlies und missbraucht sie dort. Im Keller unter seinem Haus kommen sieben Kinder zur Welt. Als Fritzl die erkrankte Tochter in ein Krankenhaus bringt, kommt der Fall 2008 ans Licht.

Die 13 Geschwister sind zwischen 2 und 29 Jahre alt, berichtete der Sheriff. Es handle sich um sechs Kinder und sieben Erwachsene. Die Beamten hielten zunächst alle Opfer für Minderjährige, da diese so schlecht ernährt seien. Die geflüchtete 17-Jährige habe ausgesehen wie ein zehnjähriges Mädchen. Die Polizeibeamten seien schockiert gewesen, als sie erkannten, dass sieben der Opfer Erwachsene waren.  

Neun Millionen Dollar Kaution

Die 13 Geschwister wurden auf der Polizeiwache mit Getränken und Lebensmitteln versorgt, ehe sie zur Behandlung in umliegende Krankenhäuser gebracht wurden. Die Eltern wurden festgenommen. Sie erwartet eine Anklage wegen schweren Missbrauchs und der Gefährdung Schutzbefohlener. Für Vater und Mutter wurde eine hohe Kaution von jeweils neun Millionen US-Dollar festgesetzt.

Wie die „New York Times“ berichtete, hatte der Vater vom Staat Kalifornien die Genehmigung erhalten, in seinem Haus eine Privatschule zu betreiben. Demnach seien sechs Schüler registriert gewesen. Die Familie war vor einigen Jahren von Texas nach Kalifornien gezogen, die Eltern hatten zweimal Konkurs angemeldet, schrieb die „LA Times“.

Auf dem Facebook-Profil des Ehepaares fand sich dieses Hochzeitsfoto von 2016.
Auf dem Facebook-Profil des Ehepaares fand sich dieses Hochzeitsfoto von 2016.
Foto: Screenshot Facebook / LW

Die Eltern des festgenommenen Vaters sagten dem Sender ABC News, sie seien „überrascht und schockiert“ von den Vorwürfen. Die Großeltern, die im Bundesstaat West Virginia leben, hatten demnach ihren Sohn und seine Familie zum letzten Mal vor vier oder fünf Jahren besucht. Sie sagten, ihr Sohn und seine Frau seien streng religiös. Gott habe sie dazu aufgerufen, so viele Kinder zu haben.


dpatopbilder - 15.10.2019, Niederlande, Ruinerwold: Polizisten stehen vor Polizeiabsperrungen neben einer Brücke. Total isoliert von der Außenwelt haben ein Mann und sechs junge Menschen gut neun Jahre lang in einem Keller eines Bauernhofes in den Niederlanden gehaust. Die Polizei entdeckte die Gruppe auf einem abgelegenen Bauernhof. Foto: Wilbert Bijzitter/ANP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Gefangen auf Bauernhof: Polizei weitet Untersuchung aus
Eine Familie soll neun Jahre lang in einem isolierten Raum auf einem Bauernhof in den Niederlanden gehaust haben. Der Fall stellt die Polizei vor viele ungelöste Fragen.

Nachbarn berichteten US-Medien, sie hätten die Kinder nur selten oder gar nicht gesehen. Sie habe nur ab und zu Kinder in ein Auto steigen sehen, sagte Kimberly Milligan, eine Nachbarin, der „LA Times“. Sie habe sich gewundert, weil diese so blass seien, fügte sie hinzu. „Ich dachte, diese Kinder werden zu Hause unterrichtet. Man weiß, irgendetwas ist komisch, aber man will nichts Schlechtes von anderen Leuten denken.“


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Vor zehn Jahren geflohen
Natascha Kampusch ist heute 28 Jahre alt. Ein Drittel ihres bisherigen Lebens war sie ihrer Freiheit beraubt. Ihre Selbstbefreiung im Jahr 2006 empfindet sie als schön, doch richtig frei fühlt sie sich zehn Jahre später noch nicht.
Former Austrian kidnap victim Natascha Kampusch poses during the presentation of her book "10 Jahre Freiheit" ("10 Years Freedom") marking the 10th anniversary of her escape from her captor Wolfgang Priklopil on August 17, 2016, in Vienna. / AFP PHOTO / APA / HERBERT PFARRHOFER / Austria OUT
Der Inzesttäter Josef Fritzl muss lebenslang ins Gefängnis. Das hat am Donnerstag das Schwurgericht im niederösterreichischen St. Pölten einstimmig entschieden.
Josef Fritzl hat seine Tochter Elisabeth 24 Jahre in einem fensterlosen Kellerverlies seines Hauses gefangen gehalten.