Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Kämpfe um Berg-Karabach dauern an - Dutzende Tote
International 5 2 Min. 28.09.2020

Kämpfe um Berg-Karabach dauern an - Dutzende Tote

Standbild aus einem Video des Verteidigungsministeriums von Aserbaidschan, das den Start von Artillerieraketen zeigt.

Kämpfe um Berg-Karabach dauern an - Dutzende Tote

Standbild aus einem Video des Verteidigungsministeriums von Aserbaidschan, das den Start von Artillerieraketen zeigt.
Foto: AFP
International 5 2 Min. 28.09.2020

Kämpfe um Berg-Karabach dauern an - Dutzende Tote

In der Konfliktregion Berg-Karabach gibt es nach neuen Gefechten viele Verletzte und auch Tote. Der Kriegszustand gilt.

(dpa) - Bei neuen Gefechten in der Unruheregion Berg-Karabach zwischen den verfeindeten Nachbarn Armenien und Aserbaidschan sind mehrere Dutzend Menschen getötet worden. Die Zahl der Toten auf armenischer Seite sei auf 58 gestiegen, bestätigte das Verteidigungsministerium in Eriwan am Montag. Demnach starben am zweiten Tag der Gefechte 42 Armenier. 

Das armenische Militär sprach zudem von Dutzenden Toten auf aserbaidschanischer Seite. Eine Bestätigung aus Baku gab es zunächst nicht.

Der seit Jahrzehnten dauernde Konflikt zwischen den beiden ehemaligen Sowjetrepubliken war am Sonntag wieder aufgeflammt. Beide Seiten berichteten von Beschuss und schwerem Artilleriefeuer. Es handelt sich um die schwerste Eskalation seit Jahren. Das verarmte Armenien und das reiche Aserbaidschan geben sich gegenseitig die Schuld an der neuen Eskalation. In beiden Ländern gilt nun das Kriegsrecht. Russland bot seine Vermittlung an. Unter den Opfern sind auch Zivilisten.

Bereits mehr als 20 Tote

Aserbaidschans Militär teilte am Montag mit, dass Armenien die Stadt Terter an der Grenze zu Berg-Karabach beschossen habe. Dabei habe es ein Todesopfer gegeben. Das Militär habe dann zwei Panzer des Nachbarlands zerstört. Baku warnte vor „angemessenen Gegenmaßnahmen“. Eriwan teilte mit, dass die gegnerische Seite schweres Gerät eingesetzt habe. In Berg-Karabach wurden nach offiziellen Angaben am Sonntag 16 Soldaten durch Beschuss getötet und mehr als 100 verletzt. Auf aserbaidschanischer Seite gab es sechs Tote und 26 Verletzte.


An image grab taken from a video made available on the official web site of the Armenian Defence Ministry on September 27, 2020, allegedly shows destroying of Azeri military vehicles during clashes between Armenian separatists and Azerbaijan in the breakaway region of Nagorno-Karabakh. (Photo by Handout / various sources / AFP) / RESTRICTED TO EDITORIAL USE - MANDATORY CREDIT "AFP PHOTO / Armenian Defence Ministry" - NO MARKETING NO ADVERTISING CAMPAIGNS - DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS --- NO ARCHIVE ---
Aserbaidschan führt Kriegszustand für einige Regionen ein
Die Lage in Berg-Karabach ist eskaliert. Aserbaidschan hat den Kriegszustand in einigen Teilen des Landes verhängt.

Die von Armenien kontrollierte Region mit geschätzt 145.000 Einwohnern gehört völkerrechtlich zum islamisch geprägten Aserbaidschan. Zu Sowjetzeiten hatte Berg-Karabach den Status einer autonomen Region. Baku hatte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in einem Krieg mit 30.000 Toten die Kontrolle über das Gebiet verloren. Seit 1994 gilt in der von christlichen Karabach-Armeniern bewohnten Region eine Waffenruhe. 2016 starben bei Gefechten mehr als 120 Menschen.

Das völlig verarmte Armenien setzt auf Russland als militärische Schutzmacht, das dort Tausende Soldaten und Waffen stationiert hat. Das öl- und gasreiche Aserbaidschan hat die Türkei als Verbündeten. Türkische Truppen sollen nach armenischen Angaben in den aktuellen Gefechten hinzugezogen worden sein. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es nicht.  

Aserbaidschans Präsident Ilham Aliyev sprach von einer militärischen Gegenoffensive, nachdem er Armenien vorgeworfen hatte, mit dem Angriff begonnen zu haben.
Aserbaidschans Präsident Ilham Aliyev sprach von einer militärischen Gegenoffensive, nachdem er Armenien vorgeworfen hatte, mit dem Angriff begonnen zu haben.
AFP

Aserbaidschans autoritär regierender Staatschef Ilham Aliyev ordnete am Montag eine Teilmobilmachung der Bevölkerung an. Damit würden Wehrpflichtige zum Kriegsdienst eingezogen, hieß es. In Aserbaidschan gibt es in einigen Regionen Ausgangssperren am Abend, auch der Flugverkehr wurde eingestellt.

Russland kündigte unterdessen an, vermitteln zu wollen. „Russland hat die Möglichkeit, seinen Einfluss und die traditionell guten Beziehungen zu beiden Ländern für eine Lösung dieses Konflikts zu nutzen“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow in Moskau. Die Situation müsse bei sofotiger Beendigung der Kämpfe auf diplomatischem Weg gelöst werden. Das sei jetzt wichtiger, „als darüber zu streiten, wer Recht und wer Schuld hat“. Auch die EU forderte Armenien und Aserbaidschan zu einer sofortigen Waffenruhe auf.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Schwere Gefechte in Berg-Karabach
In Berg-Karabach gibt es nach neuen Gefechten viele Verletzte und auch Tote. Um die Region streiten sich Armenien und Aserbaidschan seit Jahren.
An image grab taken from a video made available on the official web site of the Armenian Defence Ministry on September 27, 2020, allegedly shows destroying of Azeri tanks and servicemen during clashes between Armenian separatists and Azerbaijan. (Photo by Handout / Armenian Defence Ministry / AFP) / RESTRICTED TO EDITORIAL USE - MANDATORY CREDIT "AFP PHOTO / Armenian Defence Ministry" - NO MARKETING NO ADVERTISING CAMPAIGNS - DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS --- NO ARCHIVE ---