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Jubiläum im April
International 3 Min. 19.04.2017 Aus unserem online-Archiv
Zum 90. Geburtstag von Papst Benedikt XVI.

Jubiläum im April

Ein bis dahin nie da gewesenes Bild: zwei Päpste treffen sich in Castelgandolfo am 23. März 2013.
Zum 90. Geburtstag von Papst Benedikt XVI.

Jubiläum im April

Ein bis dahin nie da gewesenes Bild: zwei Päpste treffen sich in Castelgandolfo am 23. März 2013.
Foto: AP Photo/Osservatore Romano
International 3 Min. 19.04.2017 Aus unserem online-Archiv
Zum 90. Geburtstag von Papst Benedikt XVI.

Jubiläum im April

Anne CHEVALIER
Anne CHEVALIER
Am Ostersonntag wurde Papst emeritus Benedikt XVI. 90 Jahre alt und am 19. April 2005 wurde er als Papst inthronisiert. Aus diesem Anlass haben wir mit dem Journalisten Peter Seewald gesprochen, der dieses Pontifikat begleitet hat.

(AC) – Am Ostersonntag wurde Papst emeritus Benedikt XVI. 90 Jahre alt und am 19. April 2005 wurde er als Papst inthronisiert. Aus diesem Anlass haben wir mit dem Journalisten Peter Seewald gesprochen, der dieses Pontifikat  (2005-2013) begleitet hat.

Wie geht es dem Papst?

Dem Alter entsprechend gut: Er geht schwerer, spricht langsamer, aber ansonsten ist er ganz klar im Kopf. Er verbringt seinen Geburtstag in seinem Kloster, in den Vatikanischen Gärten, und er will auch kein großes Aufsehen um diesen Tag machen. Ich glaube, er ist froh, wenn das Ganze vorüber ist. Benedikt XVI. will vor allem für die Kirche da sein, im Gebet. Er ist ja auch inzwischen ein halber Italiener, und wird auch nicht mehr nach Deutschland zurückkehren. Er hat viel Besuch, viele Leute schreiben ihm, wollen mit ihm sprechen – das geht durch alle Schichten, durch alle Kreise – ; ich sehe ihn erst im Mai wieder.

Was ist Ihr Bild von Papst Benedikt XVI.?

So einen Pontifex wie ihn wird es, glaube ich, nicht mehr geben. Er hat als Gelehrter eine Ausbildung erhalten, wie es sie ebenfalls so nicht mehr gibt. Joseph Ratzinger ist nicht nur ein Wissenschaftler, sondern auch ein Theologe des Volkes, der seinen Intellekt ins allgemein Verständliche übersetzen kann. Benedikt XVI. hat die Botschaft des Konzils mit in sein Pontifikat eingebracht, das er als junger Geistlicher mit gestaltet hat. Man kann auch nicht sagen, dass er ein einsamer Mann im Vatikan war, und in den ersten vier Jahren seiner Amtszeit kam ja seine große Ausstrahlung zum Ausdruck, seine Enzykliken sind in Millionenauflagen erschienen, und alles hat sich um ihn gerissen, auch ein Großteil der Presse, die ihn später so stark kritisiert hat. Dann wurde das Positive sowie Entscheidungen, die in der Öffentlichkeit gut angekommen wären, unter den Tisch gekehrt.

Ab wann hat sich für Sie das Blatt gewendet?

Mit der Williamsonaffäre, die ganz bewusst von „Ratzinger-nicht-Freunden“, negativ benutzt wurde. Ab diesem Moment ist das Pontifikat in eine andere Sphäre eingetreten. Benedikt XVI. ist sehr leidensfähig, er hat viel auf die eigene Kappe genommen, hat sich immer vor seine Leute gestellt, und er hatte zuvor schon einige viele Pfeile abgefangen, die eigentlich seinem Vorgänger gegolten hätten. Und als Papst musste er ja viel aus diesem Pontifikat aufarbeiten, was liegen geblieben war. Joseph Ratzinger ist auch nicht jemand, der sich beklagt.

Ich bin davon überzeugt, dass man ihn als Glaubenslehrer für das 21. Jahrhundert und Kirchenlehrer der Moderne erkennen wird."

Wie ist das Verhältnis zu Papst Franziskus und zu den Änderungen in der Kirche, für die er eintritt?

Benedikt XVI. war von der Wahl überrascht, er kannte Bergoglio als Kardinal, aber auch nicht näher, er hat auch gesagt, dass ihm die Art und Weise, wie Papst Franziskus das macht, gefällt. Das heißt nicht unbedingt, dass er mit allem einverstanden ist, aber er würde Franziskus niemals kritisieren. Papst Benedikt hat ähnlich wie sein Nachfolger jetzt auch nicht die ganz große Unterstützung seitens der Kurie erfahren, die er benötigt hätte, gerade angesichts großer Krisen und Herausforderungen wie es der Missbrauchsskandal war. Es hat an der Unterstützung gefehlt, die dazu geholfen hätte, diesen Papst und dieses Pontifikat ganz zur Geltung zu bringen. Aber dass die Aussagen oder Maßnahmen eines Papstes seitens der Kirche kritisiert werden, das ist tatsächlich neu.

Sie sprachen vom Theologen des Volkes, wie sehen Sie die Schriften des Gelehrten?

Benedikt XVI. zeichnet sich anders als andere Päpste, unabhängig von seinem Pontifikat, durch sein Werk aus und er hat auch als Papst ganz andere Menschen angesprochen als beispielsweise sein Vorgänger. Joseph Ratzinger hat die richtigen Fragen, was den Glauben anbelangt, gestellt. Der Sinn seines Pontifikats, war es, den ganzen Christus zu zeigen, eine gewisse Glaubenserneuerung zu bewirken. Er hat beispielsweise hervorgehoben, dass sich eine Gesellschaft, in der Gott abwesend ist, selbst zerstört. Ich bin davon überzeugt, dass man ihn als Glaubenslehrer für das 21. Jahrhundert und Kirchenlehrer der Moderne erkennen wird.















Peter Seewald hat mit Papst Benedikt XVI. mehrere Gesprächsbände herausgegeben, auch schon zu dessen Zeit als Präfekt der Glaubenskongregation. Zu diesem 90. Geburtstag ist die Festschrift „Cooperatores Veritatis“ (Mitarbeiter der Wahrheit) erschienen. Benedikt XVI. ist 2013 von seinem Amt als Papst zurückgetreten.


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