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Johnson über Brexit-Aufschub: "Lieber tot im Graben"
International 1 2 Min. 05.09.2019

Johnson über Brexit-Aufschub: "Lieber tot im Graben"

Keine allzu sonnigen Aussichten: Boris Johnson am Donnerstag in einer Polizeischule in West Yorkshire.

Johnson über Brexit-Aufschub: "Lieber tot im Graben"

Keine allzu sonnigen Aussichten: Boris Johnson am Donnerstag in einer Polizeischule in West Yorkshire.
Foto: AFP/Danny Lawson
International 1 2 Min. 05.09.2019

Johnson über Brexit-Aufschub: "Lieber tot im Graben"

Eine neuerliche Verschiebung des EU-Austritts kommt für den konservativen britischen Premier nicht infrage. Bei Johnsons Rede an einer Polizeischule kommt es zu einigen Pannen.

(jt/dpa/AFP) - Nur über seine Leiche: Premierminister Boris Johnson will eine neuerliche Verschiebung des britischen EU-Austritts mit aller Macht verhindern. „Ich würde lieber tot im Graben liegen“, antwortete Johnson am Donnerstag auf die Frage einer Journalistin, ob er ausschließen könne, in Brüssel um einen weiteren Brexit-Aufschub zu bitten. Die britische EU-Mitgliedschaft endet – laut aktuellem Stand – am 31. Oktober. 

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Der Auftritt des Tory-Chefs am Donnerstag in einer Polizeischule im Norden Englands war von einigen Pannen begleitet. Während der Rede von Johnson, der mit einstündiger Verspätung vor Ort eingetroffen war, erlitt eine Polizeischülerin einen Schwächeanfall. Der Redner drehte sich um und fragte die Frau, ob es ihr gut gehe. "Es tut mir leid. Ich denke, das ist ein Zeichen an mich, dass ich schnell fertig werden soll", scherzte Johnson. Dann sprach der Premier ohne zu zögern weiter, während die Polizeischülerin hinter ihm in die Knie ging.  

Wenige Augenblicke später stand die Polizistin wieder aufrecht, bevor der Regierungschef seine Ansprache zu Ende brachte. 


ARCHIV - 05.09.2019, Großbritannien, London: KOMBO - Diese Kombo zeigt Boris Johnson (l), Premierminister von Großbritannien, und seinen Bruder Jo Johnson, ebenfalls Politiker. Jo Johnson hat sein Amt als Staatssekretär und auch sein Mandat als Parlamentsabgeordneter für die Konservativen niedergelegt. Premierminister Johnson gerät wegen seines kompromisslosen Brexit-Kurses immer stärker unter Druck aus den eigenen Reihen. Foto: Pa/PA Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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"Er sah, was passierte und er hat es ignoriert. Das sagt alles über diesen Mann – und darüber, wie wichtig ihm die Polizei ist", kritisierte die innenpolitische Sprecherin der oppositionellen Labour-Partei, Diane Abbott. 

Während der Rede hatte sich Johnson zudem beim Versuch verhaspelt, die polizeiliche Rechtsbelehrung zu erklären.

Andere Abgeordnete warfen dem Regierungschef vor, dass er die Polizeischule in Wakefield als Kulisse für eine politische Brandrede missbraucht habe. Journalisten bombardierten Boris Johnson zudem mit Fragen zum Rücktritt seines Bruders Jo. 

"Wir müssen die EU am 31. Oktober verlassen", bekräftigte der konservative Politiker bei der Rede in West Yorkshire. "Es gibt nur einen einzigen Weg für unser Land", erklärte Johnson im Hinblick auf sein Vorhaben, am Montag erneut einen Antrag auf Neuwahlen im Unterhaus einzubringen. Beim ersten Versuch am Mittwoch war der Regierungschef noch krachend gescheitert.  

Neuwahlen: Labour könnte noch umschwenken

Um Neuwahlen einzuleiten, braucht Johnson eine Zweidrittelmehrheit im Unterhaus. Die größte Oppositionspartei Labour hat Neuwahlen noch am Mittwoch abgelehnt. Die Haltung der Partei von Jeremy Corbyn könnte sich jedoch noch ändern: Nämlich dann, wenn das britische Oberhaus am Freitag wie erwartet das Gesetz gegen einen ungeregelten EU-Austritt Großbritanniens am 31. Oktober verabschiedet. Sollten die Lords Veränderungen an dem Gesetzentwurf vornehmen, müsste er am Montag nochmal ins Unterhaus gehen, bevor das Gesetz Königin Elizabeth II. zur Unterschrift vorgelegt werden kann.


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Der Gesetzentwurf hatte am Mittwoch gegen den Willen von Premierminister Boris Johnson alle drei Lesungen im Unterhaus passiert. Er sieht vor, dass der Premierminister einen Antrag auf eine dreimonatige Verlängerung der am 31. Oktober auslaufenden Brexit-Frist stellen muss, sollte bis zum 19. Oktober kein EU-Austrittsabkommen ratifiziert sein.







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