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Johnson: Briten müssen sich auf "harten" Brexit einstellen
International 2 Min. 16.10.2020

Johnson: Briten müssen sich auf "harten" Brexit einstellen

Großbritannien steuert laut Boris Johnson auf einen harten Bruch mit der Europäischen Union zu.

Johnson: Briten müssen sich auf "harten" Brexit einstellen

Großbritannien steuert laut Boris Johnson auf einen harten Bruch mit der Europäischen Union zu.
Foto: AFP/Jessica Taylor
International 2 Min. 16.10.2020

Johnson: Briten müssen sich auf "harten" Brexit einstellen

Rund viereinhalb Jahre dauert die Scheidung Großbritanniens von der EU bereits - und immer wieder ging es hin und her. Nun scheint der britische Premier aufs Ganze gehen zu wollen. Doch es bleibt eine Hintertür.

(dpa/jt) - Im Brexit-Streit erwartet der britische Premierminister Boris Johnson nach eigenen Worten nun einen harten Bruch ohne Vertrag mit der Europäischen Union am 1. Januar. Die EU habe offenkundig kein Interesse an einem von Großbritannien gewünschten Freihandelsabkommen wie mit Kanada, sagte Johnson am Freitag in London. Dementsprechend erwarte man nun eine Beziehung wie mit Australien, also ohne Vertrag.

Gleichwohl ließ sich Johnson eine Hintertür offen, doch noch weiter mit der EU über einen Handelspakt zu verhandeln. Dafür müsse die EU allerdings ihre Haltung ändern, sagte der Premier in einem im Fernsehen übertragenen Statement.

Johnson hatte eigentlich eine Einigung bis zum EU-Gipfel am 15. Oktober verlangt, was nicht gelang. Danach erwog Johnson den Abbruch der Verhandlungen. Eine glasklare Entscheidung verkündete er nun aber nicht, sondern kündigte die Vorbereitung auf einen Bruch ohne Deal an.

Die EU hatte Johnson hingegen nochmals intensivierte Verhandlungen für die nächsten zwei bis drei Wochen angeboten, mit dem Ziel, bis Ende Oktober oder Anfang November eine Einigung zu erzielen. Gleichzeitig verlangte der EU-Gipfel aber Zugeständnisse von London, worauf die britische Regierung enttäuscht reagiert hatte.

Von der Leyen: „Arbeiten weiter auf Deal hin“

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zeigte sich von Johnsons Mitteilung am Freitag zunächst unbeeindruckt. „Die EU arbeitet weiter auf einen Deal hin, aber nicht um jeden Preis“, schrieb von der Leyen auf Twitter. Ein Verhandlungsteam werde sich wie geplant nächste Woche nach London begeben, um die Verhandlungen zu intensivieren.

Bei den Verhandlungen geht um einen umfassenden Handelsvertrag ab 2021. Großbritannien hatte die Staatengemeinschaft Ende Januar verlassen, ist aber während einer Übergangszeit bis zum Jahresende noch Mitglied im EU-Binnenmarkt und in der Zollunion. Erst danach kommt der wirtschaftliche Bruch. Ohne Vertrag drohen Zölle und hohe Handelshürden. Die Wirtschaft auf beiden Seiten warnte vor erheblichen Verwerfungen. Einbußen sind bereits jetzt zu spüren.


European Commission's Head of Task Force for Relations with the United Kingdom Michel Barnier (L) and President of the European Council Charles Michel (R) give a press conference on the first day of the face-to-face European Union (EU) summit at the European Council Building in Brussels, on October 15, 2020. - European leaders meet to re-examine the post-Brexit talks under pressure from English Prime Minister to give ground or see Britain walk away with no trade deal. (Photo by KENZO TRIBOUILLARD / POOL / AFP)
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In den seit Monaten laufenden Verhandlungen gab es lange Zeit fast keine Bewegung. Hauptstreitpunkte waren von Anfang an der Zugang von EU-Fischern zu britischen Gewässern sowie die Forderung der Staatengemeinschaft nach gleichen Wettbewerbsbedingungen für die Wirtschaft, also gleiche Umwelt-, Sozial- und Subventionsstandards. Im Gegenzug soll Großbritannien Waren ohne Zoll und Mengenbeschränkung in den EU-Binnenmarkt liefern können.

Dritter wichtiger Punkt für die EU sind Regeln zur Schlichtung für den Fall, dass eine Seite gegen das Abkommen verstößt. Das rückte zuletzt in den Vordergrund, weil ein britisches Gesetz Teile des bereits gültigen EU-Austrittsvertrags aushebeln soll. Dabei geht es um Sonderregeln für den britischen Landesteil Nordirland. Brüssel reagierte empört auf das sogenannte Binnenmarktgesetz.

Die britischen Wähler hatten 2016 mit knapper Mehrheit für den EU-Austritt gestimmt. Johnson gewann 2019 die Parlamentswahl unter anderem mit der Ansage, den Brexit tatsächlich durchzuziehen. 

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