Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Johnson-Berater hat Lockdown-Regeln mehrmals missachtet
International 2 Min. 24.05.2020 Aus unserem online-Archiv

Johnson-Berater hat Lockdown-Regeln mehrmals missachtet

Bislang steht Premierminister Johnson hinter Cummings.

Johnson-Berater hat Lockdown-Regeln mehrmals missachtet

Bislang steht Premierminister Johnson hinter Cummings.
Foto: AFP
International 2 Min. 24.05.2020 Aus unserem online-Archiv

Johnson-Berater hat Lockdown-Regeln mehrmals missachtet

Sollten die neuen Vorwürfe sich erhärten, dürfte das Eis für Dominic Cummings dünn werden. Bislang hatte sich die Regierung geschlossen hinter den Wahlkampfstrategen und Brexit-Vorkämpfer gestellt.

(dpa) - Der wegen eines angeblichen Lockdown-Verstoßes in die Kritik geratene Johnson-Berater Dominic Cummings soll Berichten zufolge weitere Male die Regeln der britischen Regierung missachtet haben. Das berichteten der „Sunday Mirror“ und der „Observer“ am Samstagabend unter Berufung auf Augenzeugen. Premierminister Boris Johnson hatte seinem wichtigsten Berater noch am frühen Abend seine „volle Unterstützung“ zugesagt. Der Fraktionschef der Schottischen Nationalpartei SNP, Ian Blackford, forderte hingegen den Rauswurf Cummings. „Es ist klar, dass Boris Johnson Dominic Cummings feuern muss“, schrieb er auf Twitter.

Die Debatte, ob Cummings mit einer rund 430 Kilometer weiten Reise Ende März gegen die britischen Lockdown-Regeln zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie verstoßen hatte, dominierte am Samstag das Nachrichtengeschehen in dem Land. Der Wahlkampfstratege und Brexit-Vorkämpfer war mit seiner an Covid-19 erkrankten Frau und seinem vier Jahre alten Sohn von London in die nordostenglische Grafschaft Durham zu seinen Eltern gefahren. Angeblich, weil er die Betreuung für seinen Sohn sicherstellen wollte. Er selbst erkrankte nach eigener Darstellung kurz danach. Gemäß den Richtlinien der Regierung waren zu diesem Zeitpunkt Reisen nur aus unverzichtbaren Gründen erlaubt. Trotzdem verteidigte die Regierung das Vorgehen Cummings' als gerechtfertigt. Es sei um das Wohl des Kindes gegangen.

Wiederholungstäter


23.05.2020, Großbritannien, London: Dominic Cummings, Hauptberater des britischen Premierministers Johnson, verlässt sein Haus. Trotz des Lockdowns soll Cummings mehr als 400 Kilometer zu seinen Eltern gereist sein, als er an Covid-19-Symptomen litt. Nun wächst der Druck auf Premierminister Johnson, ihn zu entlassen. Foto: Aaron Chown/PA Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Rufe nach Rauswurf von Johnson-Berater
Dominic Cummings soll die Regeln des Lockdowns missachtet haben. Er soll trotz Covid-19-Symptomen seine Eltern besucht haben.

Den jüngsten Zeitungsberichten nach soll Cummings aber auch am 19. April in Durham gesehen worden sein. Zu diesem Zeitpunkt hatte er seine Arbeit in London nach überstandener Covid-19-Erkrankung bereits wieder aufgenommen. Auch am 12. April wurde er angeblich von einem Passanten erkannt, dieses Mal bei einem beliebten Ausflugsziel, knapp 50 Kilometer von Durham entfernt. Sollte sich die Berichte als wahr erweisen, müsste Cummings mindestens ein zweites Mal während des Lockdowns nach Durham gefahren sein.

Eine Regierungssprecherin wies die Vorwürfe am Abend als „falsch“ zurück. Bereits die Berichte vom Vortag seien nicht richtig gewesen, sagte sie. „Wir werden unsere Zeit nicht damit verschwenden, einen Strom falscher Behauptungen über Mr. Cummings von politisch motivierten Zeitungen zu beantworten.“ Was genau an den Berichten vom Freitag nicht gestimmt haben soll, sagte die Sprecherin nicht. Die Regierung hatte zugegeben, dass Cummings mit seiner Familie nach Durham gefahren war.

Bestritten hatte Cummings, dass seine Familie während des Aufenthalts in Durham von der Polizei kontaktiert worden sei. Dieser Darstellung widersprach jedoch die Polizei am Samstagabend. In einer Mitteilung hieß es, Cummings Vater sei von einem Polizeibeamten am 1. April wegen der Anwesenheit seines Sohnes kontaktiert worden, nachdem ein entsprechender Hinweis eingegangen sei.      

Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter und Instagram und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Großbritanniens Premier hält an seinem führenden Berater Dominic Cummings fest - und das, obwohl der die Corona-Ausgangssperre mehrfach gebrochen hat.
A handout image released by 10 Downing Street, shows Britain's Prime Minister Boris Johnson standing in front of the government's newest slogan "Stay Alert, Control the Virus, Save Lives" as he speaks during a remote press conference to update the nation on the COVID-19 pandemic, inside 10 Downing Street in central London on May 25, 2020. - British Prime Minister Boris Johnson's top aide Dominic Cummings defied calls to resign on Monday over allegations that he broke coronavirus rules and undermined the government's response to the health crisis. Cummings told reporters that he acted "reasonably and legally" when he drove across the country with his wife while she was suffering from the virus, despite official advice to stay at home. (Photo by Andrew PARSONS / 10 Downing Street / AFP) / RESTRICTED TO EDITORIAL USE - MANDATORY CREDIT "AFP PHOTO / 10 DOWNING STREET / Andrew Parsons " - NO MARKETING - NO ADVERTISING CAMPAIGNS - DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS
Rücktritt? Das kommt für den britischen Chefberater Dominic Cummings nicht infrage. Er weist Kritik an seinem Handeln während der Pandemie zurück.
25.05.2020, Großbritannien, London: Dominic Cummings, Sonderberater des britischen Premierministers Johnson, gibt ein Statement in der 10 Downing Street. Trotz des Lockdowns soll Cummings mehr als 400 Kilometer zu seinen Eltern gereist sein, als er an Covid-19-Symptomen litt. Premierminister Johnson hatte sich schützend vor den Chefberater gestellt, doch war er dadurch selbst in die Kritik geraten. Forderungen nach Cummings' Rücktritt wurden immer lauter. Foto: Jonathan Brady/PA Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Der britische Premierminister will die Affäre um die angeblichen Lockdown-Verstöße seines Chefberaters möglichst schnell vom Tisch haben. Doch die Wogen sind noch längst nicht geglättet.
TOPSHOT - A handout image released by 10 Downing Street, shows Britain's Prime Minister Boris Johnson speaking during a remote press conference to update the nation on the COVID-19 pandemic, inside 10 Downing Street in central London on May 24, 2020. - British Prime Minister Boris Johnson on Sunday backed top aide Dominic Cummings despite mounting pressure from within his own party to sack him over claims he broke coronavirus lockdown regulations. "He has acted responsibly and legally and with integrity," Johnson said of Cummings, who is accused of flouting self-isolation rules by driving across the country with his wife after she contracted the disease. (Photo by Andrew PARSONS / 10 Downing Street / AFP) / RESTRICTED TO EDITORIAL USE - MANDATORY CREDIT "AFP PHOTO / 10 DOWNING STREET / Andrew Parsons " - NO MARKETING - NO ADVERTISING CAMPAIGNS - DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS