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Jetzt wird an der Côte d'Azur aufgeräumt
International 29 1 3 Min. 05.10.2015 Aus unserem online-Archiv
Vier Vermisste nach Unwetter

Jetzt wird an der Côte d'Azur aufgeräumt

International 29 1 3 Min. 05.10.2015 Aus unserem online-Archiv
Vier Vermisste nach Unwetter

Jetzt wird an der Côte d'Azur aufgeräumt

Nach den schweren Überschwemmungen in Südfrankreich, die 18 Menschen das Leben kosteten, laufen die Aufräumarbeiten. Vier Menschen werden weiterhin vermisst. Laut Außenministerium befinden sich keine Luxemburger unter den Opfern.

(dpa) - Helfer und Rettungskräfte suchen nach den schweren Überschwemmungen in Südfrankreich weiter nach vier Vermissten. In heftigen Unwettern waren am Wochenende in einem rund 30 Kilometer langen Abschnitt der Côte-d'Azur 18 Menschen ums Leben gekommen. Am Montag wurden auch die Aufräumarbeiten in der teils verwüsteten Region fortgesetzt.

In rund 20 Schulen fiel der Unterricht nach Angaben von Präfektur und Stadtverwaltungen aus. Die französische Eisenbahngesellschaft SNCF wollte zunächst den Pendlerverkehr in Städten wie Nizza und Cannes wieder einrichten. Angesichts der Schäden an Gebäuden und in Wohnungen sicherte der französische Versicherungsverband Afa eine rasche Regulierung zu.

Ein Chaos aus Schlamm und Wasser

„Apokalypse“, „Desaster“, „Katastrophe“. In den Orten entlang der Côte d'Azur suchten die Menschen am Sonntag Worte für die heftigen Zerstörungen infolge von Überschwemmungen und Sturmböen.

Stunden nach den heftigen Regenfällen strahlte das Wetter schon wieder, aber die Sonne schien auf eine streckenweise verwüstete Küstenregion: umgestürzte Bäume, übereinandergeschobene Autos, weggespülte Erdmassen, überflutete Felder, vollgelaufene Keller, Garagen, Verbindungstunnel. Wenige Stunden intensivster Regenfälle verwandelten über Nacht eine der beliebtesten französischen Ferienregionen in ein Chaos aus Schlamm und Wasser.

Antibes, Cannes, Nizza - aus vielen Teilen des Départements Alpes-Maritimes an der Grenze zu Italien kamen Bilder der Verwüstung. Wassermassen und Sturmböen machten Straßen unpassierbar, legten Zugverbindungen lahm, unterbrachen die Stromversorgung für Tausende Haushalte.

Ein Fotograf der Zeitung "Nice Matin" überflog die Region im Helikopter. Seine Fotos zeigen die Schäden am Morgen nach der Katastrophennacht.

In der Region sind extreme Wetterlagen keine Seltenheit. Nach Angaben von Meteorologen waren die Niederschläge jedoch in ihrer Heftigkeit nicht ausreichend früh vorhersehbar. Grund für die Unwetter war der Zustrom warmer Luft über das Mittelmeer in Richtung Pyrenäen, Küste und Alpen. Gegen diese Front schob sich zwischen den beiden Gebirgsketten im Südosten und im Südwesten kühlere Luft aus dem Norden des Landes.

Bis zu zwei Meter hohe Wellen

Diese Konstellation barg die katastrophalen Folgen in sich. Bereits am Samstag baute sich nahe Marseille kurzfristig ein unheilverkündender Tornado auf. In der Nacht zu Sonntag fiel dann in einigen Bereichen der Region innerhalb von Stunden mehr Niederschlag als sonst in zwei Monaten. In Cannes etwa wurden 195 Millimeter Regen in 24 Stunden gemessen, allein 107 Millimeter davon in nur zwei Stunden.

Die Wassermassen verursachten bis zu zwei Meter hohe Wellen, denen viele Menschen hilflos ausgesetzt waren. Im kleinen Biot überflutete das Wasser das Gelände eines Alterssitzes. In den kleinen, einzeln stehenden Gebäuden wurden die Einwohner überrascht. Drei Menschen kamen ums Leben, andere Bewohner konnten gerettet werden. Sie wurden am Sonntag medizinisch versorgt und von Psychologen betreut.

Anderen wurde ihr Auto zum Verhängnis. In Mandelieu-la-Napoule starben sieben Menschen, die ihre Fahrzeuge aus einer Tiefgarage in Sicherheit bringen wollten, für drei Insassen eines Autos wurde ein überfluteter Tunnel in Vallauris Golfe-Juan bei Cannes zur tödlichen Falle.

Die zahlreichen Campingplätze der Urlaubsgegend waren den Wassermassen schutzlos ausgeliefert. In Antibes starb ein Mensch auf einem Campingplatz. Feuerwehr und Einsatzkräfte retteten andere Urlauber mit Hilfe von Helikoptern aus der Luft. Sie hatten sich auf das Dach ihrer Camper gerettet. Mehrere Hundert Einsatzkräfte kämpften gegen die schlimmsten Folgen.

In Biot wurde ein Wohnwagen 500 Meter von den Wassermassen weggeschleift. Anderenorts fand sich ein Auto auf dem Dach liegend in einem Bachbett wieder. Ein kanalisierter Fluss drückte die Wassermassen durch den Straßenbelag eines Platzes mitten in Vallauris. Zahlreiche Nebenstraßen und Bahnstrecken bleiben vorerst unpassierbar.

Die Croisette in Cannes und die Promenade des Anglais in Nizza verwandelten sich in der Dunkelheit von Prachtstraßen an der Mittelmeerküste in gefährliche Wasserstrecken. Im Fußballstadion von Nizza kam der Abpfiff des Erstligaspiels gegen Nantes früher als sonst: In der 46. Minute wurde das Spiel wegen der heftigen Regenfälle abgebrochen.

Präsident François Hollande und Innenminister Bernard Cazeneuve versprachen den Menschen am Sonntag bei einem Besuch an verschiedenen Orten in der Region nach den Rettungsarbeiten auch finanziell rasche Hilfe.

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