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Japanisches Medikament wirksam gegen Covid-19
International 4 Min. 19.03.2020

Japanisches Medikament wirksam gegen Covid-19

Der Wirkstoff Favipiravin des Herstellers Fujifilm Toyama Chemical könnte gut gegen SARS-CoV-2 wirken.

Japanisches Medikament wirksam gegen Covid-19

Der Wirkstoff Favipiravin des Herstellers Fujifilm Toyama Chemical könnte gut gegen SARS-CoV-2 wirken.
AFP
International 4 Min. 19.03.2020

Japanisches Medikament wirksam gegen Covid-19

Das Corona-Virus lähmt den Planeten. Bisher gab es weder Impfstoff noch Medikament - das könnte sich nun ändern.

(mth/dpa) - Die Welt stemmt sich gegen das neue Coronavirus. Mit Ausgangssperren, Grenzschließungen und Quarantänemaßnahmen. Ein zielgerichtetes Medikament gegen die von Sars-CoV-2 verursachte Lungenerkrankung Covid-19 gehört bislang nicht zum Arsenal im Kampf gegen die Pandemie. Doch die Forschung läuft auf Hochtouren. Experten setzen vor allem darauf, Medikamente einzusetzen, die bereits für andere Anwendungen erprobt sind. Diese müssten dann vor ihrer Zulassung nicht mehr so aufwendig getestet werden.

Vielversprechende Resultate mit "Favipiravir"

Wie der "Guardian" am Mittwoch meldete, könnte jedoch ein Arzneimittel, das bereits länger auf dem Markt ist, zum wirksamen Instrument gegen die globale Pandemie werden. Dabei handelt es sich um den Wirkstoff Favipiravir des Konzerns Fujifilm Toyama Chemical, ein Virostatikum, das bereits 2014 während der Ebola-Epidemie in Westafrika eingesetzt wurde und seitdem unter den Handelsnamen Avigan auf dem Markt ist.


Neben Moderna in den USA beteiligen sich weltweit Biotech-Firmen an dem globalen Wettlauf, einen Impfstoff gegen den Corona-Virus zu finden.
Erster Corona-Impfstoff getestet
US-Forscher versuchen, einen Impfstoff zu entwickeln. In Seattle erhielten die ersten Testpersonen eine Injektion mit dem im Eiltempo entwickelten Mittel.

Das Arzneimittel wurde in China bereits klinischen Tests an 340 Covid-19-Patienten unterzogen - mit vielversprechenden Ergebnissen, wie der Sprecher des chinesischen Forschungsministeriums Zhang Ximin am Dienstag Medienvertretern sagte: "Der Wirkstoff ist gut verträglich und zeigt eine klare Wirksamkeit". Bei Patienten, die mit dem Präparat behandelt wurden, war im Durchschnitt nach vier Tagen keine Infektion mehr feststellbar. Patienten ohne diese Behandlung waren im Schnitt erst nach elf Tagen geheilt. Bei 91 Prozent der Testkandidaten habe sich aufgrund der Behandlung die Lungenfunktion sofort verbessert.

In Japan wird der Wirkstoff ebenfalls getestet, ein Sprecher des Gesundheitsministeriums warnte jedoch vor übertriebenem Optimismus: "Wir haben Tests mit rund 80 Personen gemacht. Bei Patienten mit sehr schwerem Krankheitsbild ist die Wirksamkeit deutlich geringer".

Große Hoffnungen setzten Fachleute auch auf die Substanz Remdesivir, ebenfalls ein Virostatikum, das ursprünglich gegen Ebola-Infektionen entwickelt wurde. Die Substanz brachte aber in der klinischen Prüfung keine guten Ergebnisse. Eine gewisse Wirksamkeit zeigte sich gegen das Mers-Coronavirus, das 2012 entdeckt wurde. Nun wollen Mediziner prüfen, ob sich der Wirkstoff möglicherweise auch zur Behandlung von Covid-19 einsetzen lässt.

Deutschland forscht mit Hochdruck

Mediziner aus dem deutschen Tübingen wollen das Medikament Chloroquin im Kampf gegen Corona-Erkrankungen testen. Bereits in der kommenden Woche soll mit einer Studie an Menschen begonnen werden. Chloroquin ist eigentlich ein Medikament gegen Malaria. Es wirke aber auch gegen viele Viren, sagen die Forscher. Auch gegen Sars-CoV-2, wie zumindest Versuche im Reagenzglas zeigten.


European Commission President Ursula von der Leyen speaks during a joint press conference after a G7 Leaders' videoconference on COVID-19 at the EU headquarters in Brussels on March 16, 2020. - Ursula von der Leyen on March 16 proposed that the EU close its borders to non-essential travel, as Europe scrambles to fight the spread of the coronavirus disease. Charles Michel will official propose the measure at an EU leaders summit on March 17 that will be held by videoconference. That meeting will come one day after the G7 holds a similar high-level videoconference. (Photo by Kenzo TRIBOUILLARD / AFP)
Von der Leyen hofft auf Covid-19-Impfstoff vor Herbst
Zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie hofft EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen noch vor Herbst auf einen wirksamen Impfstoff gegen die Krankheit Covid-19.

Die meisten Menschen, die sich mit Sars-CoV-2 anstecken, benötigen keine Medikamente. Etwa 80 Prozent der Infizierten erholen sich nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO ohne besondere Behandlung. Doch es kann auch zu einem schweren Krankheitsverlauf mit Atemproblemen kommen. Meist sind das Menschen aus Risikogruppen wie Krebskranke in Chemotherapie, ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen.

„Sie werden behandelt wie ein Patient, der eine schwere Lungenentzündung hat - nur dass wir eben kein Antibiotikum haben wie bei einer bakteriellen Infektion“, erläutert Susanne Herold, die an der Justus-Liebig-Universität Gießen eine Professur für Infektionskrankheiten der Lunge hat. Die Patienten würden etwa mit Sauerstoff versorgt oder künstlich beatmet.

Impfstoff als absolute Waffe, nur wann?

Bislang gibt es keinen Impfstoff, der eine Ansteckung unterbindet. Ein spezifisch wirkendes Medikament könnte helfen, schwere Verläufe abzumildern oder gar zu verhindern. Schaut man bei ClinicalTrials.gov, der größten Datenbank zu klinischen Studien, nach Studien zu Covid-19, die in Vorbereitung sind oder bereits Teilnehmer aufnehmen, landet man derzeit bei deutlich mehr als 50 Treffern.

In zahlreichen dieser Untersuchungen werden Medikamente oder Wirkstoffe getestet, die bereits im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen entwickelt und untersucht wurden - darunter neben Chloroquin das Hepatitis-Präparat Ribavirin und ein Mittel gegen Multiple Sklerose (Fingolimod).

„Repurposing“ nennen Fachleute diese Herangehensweise, bei denen bereits für einen bestimmten Zweck getestete Mittel für einen anderen Zweck umgewidmet werden. Die meisten der klinischen Studien laufen in China, weil es dort die größte Anzahl an Patienten gibt, die daran teilnehmen können.

Viele Monate bis zu Verfügbarkeit

Bereits erforschte Wirkstoffe können also unter Umständen schneller in die Phase der klinischen Prüfung eintreten, in der das Mittel an größeren Patientengruppen getestet wird - und dann bei erfolgreicher Testung auch schneller zugelassen werden.


Corona-Virus: Luxemburg nun offiziell im Ausnahmezustand
Seit Mittwoch gelten in Luxemburg weitgehende Ausgangsbeschränkungen. Die entsprechende Notverordnung wurde im Mémorial veröffentlicht.

Bis ein offiziell zugelassenes Medikament - egal mit welchem Wirkstoff - verfügbar ist, dürften aber noch viele Monate vergehen.

Bis dahin werden Schutzmaßnahmen wie die soziale Isolation, Lockdowns und Reisebeschränkungen weiterhin die einzigen und wirksamsten Mittel zu Eindämmung der Pandemie bleiben.


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