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Japan: Naruhito besteigt den Kaiserthron
International 13 1 2 Min. 22.10.2019

Japan: Naruhito besteigt den Kaiserthron

Kaiser Naruhito während der Zeremonie zu seiner Thronbesteigung in Tokio.

Japan: Naruhito besteigt den Kaiserthron

Kaiser Naruhito während der Zeremonie zu seiner Thronbesteigung in Tokio.
Foto: AFP/Issei Kate
International 13 1 2 Min. 22.10.2019

Japan: Naruhito besteigt den Kaiserthron

Uralte Tradition im Herzen des hochmodernen Tokio: Mit einer aufwendigen Zeremonie hat Japan im Beisein von zahlreichen ausländischen Gästen die Inthronisierung des neuen Kaisers Naruhito begangen.

(dpa) - Japans neuer Kaiser Naruhito hat im Beisein von rund 2000 Würdenträgern aus aller Welt in einer Zeremonie nach uralter Tradition seine Inthronisierung verkündet. 

Er versichere, im Einklang mit der Verfassung seine Verantwortung als Symbol des Staates und der Einheit des japanischen Volkes zu erfüllen, sagte der 59-Jährige am Dienstag vom 6,5 Meter hohen, überdachten Thron seines Palastes herab. Der Monarch trug dabei eine braun-orangene Robe in jahrhundertealtem Design. Die 30 Minute dauernde Zeremonie namens „Sokuirei Seiden no gi“ (Zeremonie zur Thronbesteigung des Kaisers) entspricht den Krönungsfeierlichkeiten in anderen Ländern.

Die Zeremonie war Höhepunkt einer Reihe von Thronfolge-Ritualen, die im Mai begannen, als Naruhito die Nachfolge seines Vaters Akihito antrat. Akihito war seit rund 200 Jahren der erste Kaiser Japans, der noch zu seinen Lebzeiten den Thron für seinen Nachfolger freimachte. Wegen Regens musste das eigentlich auf dem Hof des Palastes geplante farbenprächtige Arrangement aus Bogen- und Schwertträgern, Trommlern und Gong-Spielern in die Innenräume des Palastes verlegt werden. Nur hohe festliche Fahnen waren draußen aufgereiht.

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Der Kaiser entzog sich den Blicken zunächst hinter einem Vorhang seines imposanten, achteckigen Takamikura-Throns, auf dem auch sein Vater Akihito einst seine 30-jährige Regentschaft angetreten hatte. Seine in einem prachtvollen, aus zwölf Lagen bestehenden Kimono gekleidete Gemahlin, Kaiserin Masako, nahm auf ihrem daneben stehenden Michodai-Thron Platz, ebenfalls hinter einem Vorhang.

Nachfahren der Sonnengöttin

Beamte des Haushofamtes legten zwei der kaiserlichen Throninsignien neben dem Thron des Kaisers ab: ein Schwert sowie die sogenannten Krummjuwelen, die das Kaiserhaus der Sage nach von der Sonnengöttin Amaterasu Omikami erhalten hat. Den Mythen zufolge sind Japans Kaiser unmittelbare Nachfahren der Sonnengöttin Amaterasu. Niemand, selbst der Kaiser nicht, darf einen Blick auf die Throninsignien werfen, die sich in Schutzhüllen befinden. Ihr Inhalt ist dazu zu heilig.

Dann wurden die Vorhänge geöffnet und das Kaiserpaar erhob sich. In der Hand hielt der Monarch einen Zeremonialstab. Ein Hofbeamter nahm ihm den Stab ab, und der Oberhofmarschall überreichte dem Kaiser einen Redetext. Naruhito öffnete den Text und verlas seine Rede. Kurz darauf hielt der rechtskonservative Ministerpräsident Shinzo Abe vor dem erhöhten Thron des Kaisers eine kurze Rede. Am Ende ließ er den Kaiser mit einem dreimaligen „Banzai“ (Zehntausende Jahre) hochleben. Die Anwesenden stimmten ein. 

Würdenträger aus mehr als 170 Länder verfolgten die Zeremonie von Räumen und Gängen des Palastes aus auf Bildschirmen. Auch der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der britische Kronprinz Charles und Luxemburgs Großherzog Henri waren in den Palast in Tokio geladen. Am Ende der Zeremonie wurde der Vorhang des kaiserlichen Throns geschlossen, womit die Zeremonie endete. Später folgen noch Bankette.

Bei strömendem Regen hatte der Monarch am Morgen (Ortszeit) zunächst die Schreine „Kashikodokoro“, „Koreiden“ und „Shinden“ aufgesucht. Bei der religiösen Zeremonie teilte er den Gottheiten mit, dass er am Nachmittag den Würdenträgern aus dem In- und Ausland den Antritt seiner Regentschaft verkünden werde. Die Regentschaft von Kaiser Naruhito trägt die Devise „Reiwa“. Offiziell wird dies mit „schöner Harmonie“ übersetzt. Der Kaiser ist laut der pazifistischen Nachkriegsverfassung auf die Rolle als Symbol des Staates beschränkt. Zu politischen Fragen darf er sich nicht äußern.


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