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Jamal Khashoggi - der Mann, den Riad fürchtete
International 2 Min. 23.10.2018

Jamal Khashoggi - der Mann, den Riad fürchtete

Khashoggi galt als kritischer Kommentator des saudischen Königshauses, was ihn letztlich das Leben kostete. Dabei hatte er dem Königshaus zeitweise durchaus nahe gestanden.

Jamal Khashoggi - der Mann, den Riad fürchtete

Khashoggi galt als kritischer Kommentator des saudischen Königshauses, was ihn letztlich das Leben kostete. Dabei hatte er dem Königshaus zeitweise durchaus nahe gestanden.
AFP
International 2 Min. 23.10.2018

Jamal Khashoggi - der Mann, den Riad fürchtete

Als sachlicher Kritiker verschaffte sich der getötete Journalist Jamal Khashoggi Respekt und Ansehen wie kaum jemand in Saudi-Arabien. Über einen vielschichtigen Mann, der Elite, Islamisten und Demokratie nahe stand.

 (dpa) - Im vergangenen Jahr verließ Jamal Khashoggi ein Land, dessen Wandel ihn immer mehr einengte. Der Journalist durfte nicht mehr schreiben und um ihn herum wurden immer mehr Freunde und Bekannte festgenommen, sagte er der Deutschen Presse-Agentur im Juni. Unter der Führung von Kronprinz Mohammed bin Salman sah der kritische Kommentator keine Zukunft für sich, nur noch wachsende Gefahr.

Er sei zwar ein Unterstützer des Reformkurses, aber „jetzt im Exil, weil ich nicht im Gefängnis landen will“, sagte er damals. Er floh in die USA, wo er fortan lebte. An die Möglichkeit, im Ausland getötet werden zu können, dachte Khashoggi offenbar nicht, als er das saudische Konsulat Anfang Oktober in Istanbul betrat. In der Nacht zum Samstag wurde Gewissheit, was viele schon seit Tagen ahnten: der 60-Jährige wurde in der Auslandsvertretung getötet.


Demonstranten erinnern vor dem saudischen Konsulat in Istanbul an Jamal Kashoggi.
Was über die Tötung Khashoggis bekannt ist
Jamal Khashoggi ging am 2. Oktober ins Konsulat von Saudi-Arabien in Istanbul und kam nicht mehr lebend heraus. Das Königshaus hat nach langen Diskussionen seinen Tod zugegeben. Was genau geschah, weiß bislang niemand.

Khashoggi stammte aus einer namhaften saudischen Familie in Medina. Sein Großvater war Arzt und behandelte den König, sein Onkel Adnan war ein bekannter Waffenhändler. In seinen frühen Jahren ging er zum Studieren in die Vereinigten Staaten, schätzt aber nicht nur demokratische Werte, sondern auch islamistische. So soll er den Muslimbrüdern zumindest nahe gestanden und bis in die Gegenwart persönliche Kontakte mit Mitgliedern gepflegt haben.

Konservativ und kritisch

Als Reporter erlangte Khashoggi erstmals Aufmerksamkeit als früher Wegbegleiter Osama bin Ladens, als dieser Truppen im Widerstandskampf gegen die sowjetischen Besatzer in Afghanistan führte. Er selbst gilt als konservativ und teilweise auch kritisch gegenüber dem Westen, lehnte dagegen aber die Radikalisierung bin Ladens ab und sagte sich von dem Terrorfürsten los.

In Saudi-Arabien machte er journalistische Karriere bei mehreren Zeitungen und als Korrespondent in verschiedenen Ländern. Seine schon familiär bedingt starke soziale Stellung baute er mit guten Kontakten zu mächtigen Mitgliedern der weitverzweigten Königsfamilie aus. Zwischenzeitlich arbeitete Khashoggi sogar als Berater und inoffizieller Sprecher des Königshauses.


US President Donald Trump speaks during a meeting about cutting business regulations in the Oval Office of the White House in Washington, DC, October 17, 2018. (Photo by SAUL LOEB / AFP)
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Seine kritische Art brachte ihm dabei als Journalist immer wieder Probleme mit der autokratischen Staatsmacht: Kolumnen wurden eingestellt, 2003 und 2010 wurde er als Chefredakteur der Zeitung „Al-Watan“ gefeuert. Doch bedrohlich wurde Saudi-Arabien für den groß gewachsenen Mann erst während des Aufstiegs von Mohammed bin Salman zum Thronfolger und mächtigsten Mann im Staat ab 2015.

Deutliche Worte in der "Washington Post"

Kronprinz Mohammed zerschlug die auf Ausgleich bedachten Strukturen in den höchsten saudischen Machtzirkeln und riss mehr und mehr Macht an sich. Widerspruch duldet er nicht, was Jamal Khashoggi dazu bewog, ins Exil zu gehen. Vor allem als Kolumnist der „Washington Post“ kritisierte er den politischen Kurs Riads danach deutlich.

Dem Herrscher Saudi-Arabiens war der Dissident mit Kolumne in Washington und 1,7 Millionen Abonnenten auf Twitter zunehmend ein Dorn im Auge. Khashoggi selbst konnte diese Unsicherheit des jungen Thronfolgers nie verstehen: „Mohammed bin Salman hat keinen Grund, besorgt zu sein. Es gibt keine Opposition im Land“, sagte er im Juni.


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