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Jacques Chirac ist tot
International 7 2 2 Min. 26.09.2019 Aus unserem online-Archiv

Jacques Chirac ist tot

Chirac im Februar 2007, wenige Monate vor seinem Rückzug aus dem Präsidentenamt.

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Chirac im Februar 2007, wenige Monate vor seinem Rückzug aus dem Präsidentenamt.
Foto: AFP/Patrick Kovarik
International 7 2 2 Min. 26.09.2019 Aus unserem online-Archiv

Jacques Chirac ist tot

Der frühere französische Präsident Jacques Chirac ist tot. Zwölf Jahre lang war Chirac Hausherr im Pariser Élyséepalast – mit vielen Höhen und Tiefen.

(AFP/dpa/jt) - Der ehemalige französische Präsident Jacques Chirac ist tot. Das teilte sein Schwiegersohn Frédéric Salat-Baroux am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP mit. "Präsident Jacques Chirac ist heute Morgen im Kreise seiner Familie gestorben. Friedlich", sagte Salat-Baroux, Ehemann von Claude Chirac. Chirac war zwischen 1995 und 2007 Staatsoberhaupt im Nachbarstaat.  

In der französischen Nationalversammlung – sie ist das Unterhaus des Parlaments – kündigte Präsident Richard Ferrand den Tod Chiracs an. Danach gab es eine Schweigeminute. 

 "Europa verliert heute eine seiner führenden Persönlichkeiten, Frankreich einen großen Staatsmann und ich einen treuen Freund", schrieb EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker auf Twitter. "Chirac war ein Mann mit starken Überzeugungen, jenen der humanistischen Werte der Brüderlichkeit und der Achtung der Toleranz."

Luxemburgs Premierminister Xavier Bettel behält Chirac als "überzeugten Verfechter der europäischen Integration und Freund unseres Landes" in Erinnerung..

Chirac prägte die französische Politik über vier Jahrzehnte mit und zog von 1995 bis 2007 als Staatschef die Fäden im Élyséepalast. 

Der konservative Politiker litt seit längerer Zeit unter schweren Gedächtnisproblemen und trat kaum noch in der Öffentlichkeit auf. Noch während seiner Amtszeit hatte er 2005 einen Schlaganfall. 

Atombombentests und Verurteilung wegen Untreue

Chirac war für seine Leutseligkeit bekannt, galt zugleich aber als harter Machtpolitiker. Als frisch gewählter Staatschef erntete Chirac im Jahr 1995 scharfe Kritik für die Wiederaufnahme von Atomtests im südpazifischen Mururoa-Atoll. Im Januar 1996 wurden die Versuche wieder eingestellt. 

International blieb er auch mit seinem Protest gegen den amerikanischen Irakkrieg in Erinnerung. An der Seite des deutschen Bundeskanzlers Gerhard Schröder stemmte er sich gegen die Angriffspläne von US-Präsident George W. Bush. 

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Als erster französischer Staatschef erkannte Chirac die Mitschuld seines Landes an der Verfolgung der Juden während der deutschen Besatzungszeit an. 

Front-National-Chef Jean-Marie Le Pen bescherte ihm 2002 eine Wiederwahl mit 82 Prozent der Stimmen – weil der Rechtsextreme zum Schock vieler Franzosen in die Stichwahl um das Präsidentenamt einzog, stimmten auch Linke zähneknirschend für Chirac. 

Zu den Tiefpunkten seiner Karriere gehörte das Nein der Franzosen im Referendum über die geplante EU-Verfassung 2005.  

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Der 1932 in Paris geborene Chirac absolvierte die Elite-Hochschule ENA und kämpfte im Algerien-Krieg. Seine innenpolitische Karriere begann er an der Seite des früheren Staatspräsidenten Georges Pompidou. Später wurde er zweimal Premierminister, zudem lenkte er als Bürgermeister von Paris 18 Jahre lang die Geschicke der Hauptstadt. 


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iese Zeit holte ihn nach seinen Jahren im Élyséepalast ein: Als erster französischer Ex-Präsident nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er strafrechtlich verurteilt, zu zwei Jahren Haft auf Bewährung wegen Untreue und Unterschlagung öffentlicher Gelder. Vom Rathaus bezahlte Mitarbeiter hatten in Wahrheit für Chiracs Partei gearbeitet. 


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