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Italien schließt alle Schulen und Universitäten
International 1 3 Min. 05.03.2020 Aus unserem online-Archiv

Italien schließt alle Schulen und Universitäten

Die Krankenhäuser in Norditalien sind wegen der Ausbreitung des Coronavirus teilweise überlastet. In Cremona wurden Sanitätszelte vor dem Eingang errichtet, um den Patientenansturm zu bewältigen.

Italien schließt alle Schulen und Universitäten

Die Krankenhäuser in Norditalien sind wegen der Ausbreitung des Coronavirus teilweise überlastet. In Cremona wurden Sanitätszelte vor dem Eingang errichtet, um den Patientenansturm zu bewältigen.
Foto: AFP/Miguel Medina
International 1 3 Min. 05.03.2020 Aus unserem online-Archiv

Italien schließt alle Schulen und Universitäten

Italien ist wegen des Coronavirus sowieso schon am Boden. Nun kommt eine drastische Maßnahme hinzu, die Millionen Menschen direkt betrifft: Alle Schulen im ganzen Land machen dicht. Auch sollen neue Verhaltensregeln gelten - Küssen verboten.

(dpa) - Italien schließt wegen der Verbreitung des neuartigen Corona-Virus alle Schulen und Universitäten im Land. Sie blieben von Donnerstag an bis 15. März geschlossen, sagte Schulministerin Lucia Azzolina am Mittwoch. Bisher waren vor allem in Norditalien die Schulen geschlossen, weil das Virus dort besonders umgeht. Ein Regierungssprecher erklärte, dass auch die Unis geschlossen bleiben sollen.


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Italien ist in Europa das am schwersten von der Lungenkrankheit Covid-19 betroffene Land. Bis Mittwoch zählten die Behörden 107 Tote. Insgesamt haben sich fast 3100 Menschen mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert, teilte der Zivilschutz mit. Viele sind jedoch auch schon wieder genesen. Italien hat dennoch ganze Gebiete abgeriegelt.

Venedig, Mailand und Rom wie leer gefegt

Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind für viele Menschen fatal, der Tourismus ist komplett eingebrochen. Der Verband Confturismo sprach von Verlusten von 7,4 Milliarden Euro in den drei Monaten März bis Mai. „Leider zahlen wir für die Folgen einer medialen Kommunikation, die tödlicher ist als das Virus“, erklärte der Präsident des Verbandes Confturismo-Confcommercio, Luca Patanè. Städte wie Venedig und Mailand sind leer, selbst die Hauptstadt Rom - die bisher wenig Fallzahlen hat - ist wie leer gefegt. Auch die Architekturbiennale in Venedig wurde verschoben.

Um die Ausbreitung zu stoppen, sollen bald auch neue Verhaltensregeln gelten. Medien berichteten, dass das Expertenkomitee der Regierung eine Liste vorgeschlagen habe. Darunter sei der Verzicht auf „Baci“ - Küsse, Umarmungen und Händeschütteln, wenn man sich trifft. Stattdessen wird ein Meter Abstand empfohlen.

Außerdem riet das Gremium demnach, dass alle im Alter von über 75 Jahren möglichst zu Hause bleiben sollten. In der besonders stark von der neuen Lungenkrankheit betroffenen Region Lombardei sollten schon ältere Leute ab 65 nicht mehr rausgehen. Die Richtlinien sollten zunächst 30 Tage gelten, hieß es.

Elf Gemeinden im Norden, in der Lombardei und Venetien sind bereits die zweite Woche gesperrt. In der Lombardei, der Emilia-Romagna und in Venetien sind die Fallzahlen besonders hoch.


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In der Lombardei war in der Provinz Lodi am 21. Februar der erste Krankheitsfall dieses Ausbruchs bekannt geworden. Experten vermuten allerdings inzwischen, dass das Virus schon früher im Land vorkam, vermutlich schon im Januar.

Auch in Frankreich raten Behörden und Institutionen mittlerweile von der traditionellen Begrüßung mit einem oder mehreren Wangenküssen ab. „Küssen Sie sich nicht“, hieß es explizit in einer Anweisung des Europarats in Straßburg an Mitarbeiter am Mittwoch. Die Hauptstadt Paris erklärte ebenfalls, dass es besser sei, auf nahen Körperkontakt wie bei „la bise“ zu verzichten. Frankreichs Gesundheitsminister Olivier Véran sprach sich bereits am Wochenende für eine Begrüßung ohne Küsschen und Händeschütteln aus. 

"Höhepunkt der Ausbreitung noch nicht erreicht"

In China sind der Lungenkrankheit Covid-19 weitere 31 Menschen zum Opfer gefallen. Wie die Pekinger Gesundheitskommission am Donnerstag mitteilte, wurden alle neuen Opfer in der besonders schwer betroffenen Provinz Hubei registriert, wo das neuartige Coronavirus ursprünglich in der Millionenmetropole Wuhan ausgebrochen war. Zudem kamen 139 neu bestätigte Infektionen mit dem Erreger hinzu. Mehr als 3.000 Menschen sind auf dem chinesischen Festland bislang an dem Virus gestorben. Von insgesamt 80 409 Infizierten wurden nach offiziellen Angaben bislang 52 045 geheilt. Weltweit sind mittlerweile über Infektionen bestätigt.

In Deutschland setzt die Politik weiter auf eine Eindämmung der Erkrankung. Man müsse sich auf weiter steigende Fallzahlen einstellen, betonte Gesundheitsminister Jens Spahn. „Der Höhepunkt der Ausbreitung ist noch nicht erreicht.“ Der Erreger Sars-CoV-2 ist mittlerweile in allen deutschen Bundesländern außer in Sachsen-Anhalt nachgewiesen worden. Bis Mittwochnachmittag zählte das Robert Koch-Institut (RKI) 262 nachgewiesene Infektionen.


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