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Islamistengruppe verantwortlich für Terroranschläge in Sri Lanka - Zahl der Toten steigt an
Nach den Attacken herrscht in Sri Lanka ein Bild der Verwüstung.

Islamistengruppe verantwortlich für Terroranschläge in Sri Lanka - Zahl der Toten steigt an

Foto: AFP
Nach den Attacken herrscht in Sri Lanka ein Bild der Verwüstung.
International 24 3 Min. 22.04.2019

Islamistengruppe verantwortlich für Terroranschläge in Sri Lanka - Zahl der Toten steigt an

Nach den Terroranschlägen in Sri Lanka steigt die Zahl der Toten weiter an. Die Regierung macht nun eine Islamistengruppe für den Anschlag verantwortlich.

(dpa/rc) - Die sechs Anschläge auf katholische Kirchen und Luxushotels in Sri Lanka am Sonntag sollen von Selbstmordattentätern ausgeführt worden sein. Das teilte ein Forensiker des Verteidigungsministeriums Sri Lankas am Montag mit. 

Lauit spiegel.online hat die Regierung von Sri Lanka eine einheimische Islamistengruppe für die Anschlägen verantwortlich gemacht. Regierungssprecher Rajitha Senaratne sagte, hinter den Angriffen stecke die Gruppe National Thowheeth Jama'ath (NTJ). Sri Lankas Behörden überprüfen seinen Angaben zufolge auch, ob die Gruppe "internationale Unterstützung" hatte.

Es handelte sich demnach um die nahezu zeitgleichen Explosionen in drei katholischen Kirchen und drei Luxushotels am Sonntagvormittag (Ortszeit). Insgesamt fanden acht Anschläge statt.

Die Zahl der Opfer steigt stetig an: Mittlerweile seien 290 Tote und mehr als 450 Verletzte registriert worden, sagte ein Polizeisprecher am Montag. Die Ausgangssperre wurde derweil am Morgen aufgehoben. Schulen und Universitäten allerdings blieben zunächst weiter geschlossen.

Ersten Informationen zufolge sind unter den Opfern keine Luxemburger, das teilte das Luxemburger Außenministerium mit. Nach Angaben der Tourismusbehörde stammen die toten Ausländer aus acht Staaten: Dazu gehören Bürger Indiens, der USA, Großbritanniens, Portugals, Chinas, der Niederlande, Belgiens und der Türkei.

Nach Polizeiangaben gab es 24 Festnahmen, es bekannte sich jedoch zunächst niemand zu den Angriffen. Alle Festgenommenen waren demnach Einheimische.

Laut Premierminister Ranil Wickremesinghe lagen Sri Lankas Geheimdienst Hinweise auf einen möglichen Anschlag vor. Es müsse untersucht werden, warum keine entsprechenden Maßnahmen ergriffen worden seien, sagte Wickremesinghe.

Hier einige Handyfotos, die von einem örtlichen Touristen-Guide an das LW gesendet wurden: 

Sieben Verdächtige festgenommen

Die Verantwortlichen für die Anschlagsserie sind nach Angaben des Verteidigungsministers Ruwan Wijewardene identifiziert worden. Er sprach bei einer Pressekonferenz am Sonntag von einem „terroristischen Vorfall“ und von „extremistischen Gruppen“.

Auch der Papst äußerte sich im Rahmen der Ostermesse zu den Anschlägen. 

Die Regierung sperrte am Sonntagnachmittag vorübergehend den Zugang zu sozialen Medien, um die Verbreitung von falschen Informationen zu verhindern, wie Vize-Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene bei einer Pressekonferenz in der Hauptstadt Colombo erklärte. Auch er sprach von einem „terroristischen Vorfall“ und sagte, die Regierung werde künftig verhindern, dass religiöse Extremisten in Sri Lanka agierten. Er verhängte eine landesweite Ausgangssperre, die bis zum frühen Montagmorgen gelten sollte. Die Schulen sollten für zwei Tage geschlossen bleiben, die Universitäten zunächst unbefristet.

Die Oberbefehlshaber der Streitkräfte hielten mit mehreren Ministern eine Krisensitzung ab, wie der Minister für Wirtschaftsreform, Harsha de Silva, auf Twitter schrieb. Er habe in einer Kirche in Colombo „schreckliche Szenen“ erlebt. Diese sei mit Körperteilen übersät gewesen. Er rief dazu auf, die Ruhe zu bewahren und zu Hause zu bleiben.

 Wir sind bereit zu helfen.  

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker hat bestürzt auf die Serie von Anschlägen in Sri Lanka reagiert. Mit Entsetzen und Trauer habe er von der Tat erfahren. „Ich spreche den Familien der Opfer, die sich zu einem friedlichen Gottesdienst versammelt hatten oder kamen, um dieses wunderschöne Land zu besuchen, mein Beileid aus“, schrieb Juncker am Sonntag auf Twitter. „Wir sind bereit zu helfen.“

Die deutsche Botschaft in Colombo riet dringend dazu, öffentliche Orte in Sri Lanka zu vermeiden. Die Bundesregierung reagierte tief betroffen. Der Sprecher von Kanzlerin Angela Merkel, Steffen Seibert, schrieb auf Twitter: „Wir trauern und beten für die Verletzten und Familien. Terrorismus, religiöser Hass und Intoleranz dürfen nicht siegen.“   

Aber auch Israels Staatspräsident hat die Angriffe auf  Kirchen und Hotels in Sri Lanka mit mehr als 130 Toten als „abscheuliches Verbrechen“ verurteilt. Sie hätten auch jenen gegolten, die am Ostersonntag beteten, schrieb Reuven Rivlin auf Twitter. „Wir sind alle Kinder Gottes; eine Attacke auf eine Religion ist eine Attacke auf uns alle.“ Das israelische Außenministerium teilte mit, bislang gebe es keine Informationen zu israelischen Opfern bei den Attacken.

 Viele Einwohner Sri Lankas begeben sich nun in Krankenhäuser, um Blut zu spenden.


Der südasiatische Inselstaat ist ein beliebtes Touristenziel, auch für Europäer. Nur etwa sieben Prozent der Bevölkerung sind Christen. Die Mehrheit sind Buddhisten. Sri Lankas Bürgerkrieg war 2009 nach 26 Jahren zu Ende gegangen. Die Rebellengruppe Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) hatte für einen unabhängigen tamilischen Staat im Norden des Landes gekämpft. Die Armee ging gegen die Aufständischen mit aller Härte vor und besiegte sie schließlich. Die UN werfen beiden Seiten Kriegsverbrechen vor.



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