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Ischgl: Klagewelle bahnt sich an, Après-Ski gestrichen
International 26.08.2020 Aus unserem online-Archiv

Ischgl: Klagewelle bahnt sich an, Après-Ski gestrichen

In Ischgl wird es dieses Jahr kein Après-Ski geben.

Ischgl: Klagewelle bahnt sich an, Après-Ski gestrichen

In Ischgl wird es dieses Jahr kein Après-Ski geben.
Foto: AFP
International 26.08.2020 Aus unserem online-Archiv

Ischgl: Klagewelle bahnt sich an, Après-Ski gestrichen

Zur Rolle des österreichischen Touristenorts Ischgl bei der Verbreitung des Corona-Virus zeichnen sich erste Muster-Prozesse ab.

(dpa) - Der österreichische Verbraucherschützer Peter Kolba kündigte an, er werde Ende September erste Klagen von Opfern auf Schadenersatz und Anerkennung von Folgeschäden beim Landgericht Wien einbringen. Darunter seien auch Fälle von Deutschen, die entweder durch die Erkrankung gestorben seien oder wie im Fall eines Mannes aus dem Rheinland nach langem Aufenthalt auf der Intensivstation mit Folgeschäden zu kämpfen hätten.

„In einzelnen Fällen geht es um 100.000 Euro“, sagte Kolba der Deutschen Presse-Agentur. Nach seiner Darstellung haben die Verantwortlichen zu spät und nicht umfassend genug auf den Ausbruch der Corona-Krise reagiert. Von dem für seine Après-Ski-Szene bekannten Ischgl aus sei das Virus in 45 Staaten getragen worden.


ARCHIV - 13.03.2020, Österreich, Ischgl: Ein Ortsschild mit durchgezogener roter Linie steht am Ende der Ortschaft Ischgl und zeigt an, das die Ortschaft an der Stelle endet. Viele Menschen zusammen an einem Ort und massenhaft Infektionen mit dem Coronavirus: Trotz dieser Gemeinsamkeit halten Experten einen Vergleich des Corona-Ausbruchs im Tönnis-Schlachbetrieb in Gütersloh und dem Geschehen im Tiroler Wintersportort Ischgl Anfang März für nicht haltbar. (zu dpa «Gütersloh und Ischgl - ein schwieriger Vergleich») Foto: Jakob Gruber/APA/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Corona-Virus: 42 Prozent der Einwohner von Ischgl waren infiziert
Erstmals liegen Zahlen über das Ausmaß des Corona-Ausbruchs in der österreichischen Wintersportgemeinde vor. Vier von zehn Bewohnern von Ischgl trugen das Virus in sich - und viele bekamen davon gar nichts mit.

Mehr als 6.000 Tirol-Urlauber, davon viele Deutsche, haben sich inzwischen bei Kolba als Geschädigte gemeldet. Rund 1.000 Menschen haben sich laut dem Verein bereits dazu entschlossen, sich dem Strafverfahren als Privatbeteiligte anzuschließen. Als Indiz dafür, dass es für eine Ansteckung ausreichte, sich mit Geschäftspartnern auf ein Essen zu treffen, wertet Kolba den Fall eines in München lebenden Italieners, der den Ort am 12. März nur für eine berufliche Stippvisite besucht hatte. Am 13. März wurde das Paznauntal mit den Orten Ischgl und Galtür unter Quarantäne gestellt. Auch die teils chaotischen Umstände der Abreise der Touristen würden Teil des Verfahrens, so Kolba.

Sicherheitsvorkehrungen für die Wintersaison

Unterdessen trifft Ischgl Maßnahmen gegen eine abermalige Virus-Verbreitung in der Wintersaison. So sollen alle Tourismus-Mitarbeiter mit einem negativen Corona-Test anreisen oder vor Ort getestet werden. Während der Saison würden den Mitarbeitern dann laufend Testmöglichkeiten angeboten.


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Auch den Gästen wird empfohlen bereits beim Check-in in den Hotels ein negatives Testergebnis vorzuweisen. Ansonsten könnten sie sich vor Ort testen lassen. Darüber hinaus soll das Abwasser auf der Suche nach dem Virus analysiert werden. Die Seilbahnkabinen sollen laufend mittels Kaltvernebelungsgeräten desinfiziert werden. Dieselbe Methode wird auch in den Skibussen sowie in Sportshops, Skidepots, WC-Anlagen, Aufzugskabinen und den Ersten-Hilfe-Stationen täglich angewendet. Après-Ski soll es in der bisherigen Form nicht mehr geben.


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