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Iran bereitet sich auf hohe Corona-Opferzahlen vor
International 15.03.2020

Iran bereitet sich auf hohe Corona-Opferzahlen vor

Vor einer Metrostation in Teheran werden Pakete mit Hinweisen zu Vorsichtsmaßnahmen verteilt.

Iran bereitet sich auf hohe Corona-Opferzahlen vor

Vor einer Metrostation in Teheran werden Pakete mit Hinweisen zu Vorsichtsmaßnahmen verteilt.
Foto: AFP
International 15.03.2020

Iran bereitet sich auf hohe Corona-Opferzahlen vor

Lange wurde das Corona-Virus vertuscht. Jetzt ist das wahre Ausmaß der Corona-Pandemie in der Islamischen Republik nicht mehr zu leugnen. Das Regime lässt vorsichtshalber Gräber ausheben.

Von LW-Korrespondent Michael Wrase (Limassol)

Im Iran haben am letzten Freitag Einheiten der regulären Streitkräfte und Revolutionsgardisten damit begonnen, den Kampf gegen die sich dramatisch ausbreitende Corona-Epidemie zu unterstützen. Nach einem ersten Screening von 7,5 von insgesamt 82 Millionen Iranern wurden nach Angaben des Teheraner Gesundheitsministeriums 175 000 Menschen „mit Symptomen“ entdeckt.

Ein älterer Mann und eine Frau mit Schutzmaske in Teheran.
Ein älterer Mann und eine Frau mit Schutzmaske in Teheran.
Foto: AFP

Man dürfe sich keine Illusionen machen, sagte der stellvertretende iranische Gesundheitsminister Reza Malekzadeh am Wochenende in einem Fernsehinterview. 70 Prozent der Bevölkerung würden von dem Corona-Virus infiziert werden. Ähnliche Zahlen hatten auch prominente Virologen in Europa genannt. Malekzadeh hatte auch den Mut, der Verschwörungstheorie von Revolutionsführer Ali Khamenei, wonach das Virus eine „biologische Attacke“ sei, zu widersprechen.

Wir hätten von Anfang an viel aufmerksamer sein müssen. 

Der stellvertretende iranische Gesundheitsminister Reza Malekzadeh

„Es ist falsch, von biologischer Kriegsführung zu sprechen“, betonte der Minister. „Wir hätten von Anfang an viel aufmerksamer sein müssen“, kritisierte er die versuchte Vertuschung der Pandemie durch Teile der regierenden Geistlichkeit vor den iranischen Parlamentswahlen Mitte Februar.


TOPSHOT - A residents uses pot lids to play cymbals as she takes part in a music flash mob called "Look out from the window, Rome mine !" (Affacciati alla Finestra, Roma Mia !) aimed at liven up the city's silence during the new coronavirus lockdown, from her balcony in Rome on March 13, 2020. (Photo by Andreas SOLARO / AFP)
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Dass sich der Iran auf extrem hohe Opferzahlen vorbereitet, könnten auch von der Washington Post analysierte Satellitenbilder des Süd-Teheraner Friedhofs Beheschte – Zahra beweisen. Auf einer Fläche mehrerer Fußballfelder wurden dort lange Reihen mit neuen Gräbern ausgehoben. Es könnte sich um eine präventive Maßnahme handeln, glauben westliche Diplomaten in der iranischen Hauptstadt.


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Das iranische Gesundheitsministerium hatte am Sonntag 113 weitere Opfer innerhalb von 24 Stunden gemeldet. Damit sei die Gesamtzahl der Toten auf 724, die der Infizierten um 1.209 auf 13.938 gestiegen. Zur besseren Versorgung der Infizierten haben die Revolutionsgardisten unterdessen sechs Feldlazarette eingerichtet.

Auch in Parkhäusern wurden Spitalbetten aufgestellt. Das iranische Außenministerium ließ allen ausländischen Botschaften eine Liste mit den zur Bekämpfung des Corona-Virus benötigten medizinischen Gütern zukommen. Genannt wurden u.a. 100 Millionen Einweghandschuhe, 500 000 Sets OP-Kleidung sowie 4 000 Infrarotthermometer.

Bereits am Donnerstag hatte die Teheraner Zentralbank den internationalen Währungsfonds um einen Nothilfekredit von fünf Milliarden US-Dollar gebeten.


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