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Neue Corona-Variante bereits in Europa angekommen
International 6 Min. 26.11.2021
Supermutation aus Südafrika

Neue Corona-Variante bereits in Europa angekommen

Die neue, möglicherweise gefährlichere Corona-Variante sorgt weltweit für Beschränkungen im Luftverkehr.
Supermutation aus Südafrika

Neue Corona-Variante bereits in Europa angekommen

Die neue, möglicherweise gefährlichere Corona-Variante sorgt weltweit für Beschränkungen im Luftverkehr.
Foto: Boris Roessler/dpa
International 6 Min. 26.11.2021
Supermutation aus Südafrika

Neue Corona-Variante bereits in Europa angekommen

In Südafrika haben Forscher eine neue, gefährliche Corona-Variante entdeckt. Der Flugverkehr nach Afrika wird eingestellt, in Belgien wurde ein erster Fall registriert.

Dieser Artikel wird fortlaufend ergänzt.

(dpa/jwi/jt) - Die Ausbreitung einer neuen möglicherweise sehr gefährlichen Variante des Coronavirus' im südlichen Afrika hat international Besorgnis ausgelöst. Experten befürchten, dass die Variante B.1.1.529 wegen ungewöhnlich vieler Mutationen nicht nur hoch ansteckend sei, sondern auch den Schutzschild der Impfstoffe leichter durchdringen könnte

... die schlimmste Variante, die bisher gesehen wurde.

Experte der britischen Behörde

Das südafrikanische Institut für Ansteckende Krankheiten NICD teilte am Donnerstag mit, es seien in Südafrika erste 22 Fälle der neuen Variante B.1.1.529 nachgewiesen worden. Mit mehr Fällen sei im Zuge der laufenden Genomanalysen zu rechnen. „Obwohl die Datenlage noch beschränkt ist, machen unsere Experten mit allen Überwachungssystemen Überstunden, um die neue Variante und die damit möglicherweise verbundenen Implikationen zu verstehen.“.

Die Nachrichtenagentur PA zitierte einen Experten der britischen Behörde für Sicherheit im Gesundheitswesen mit der Einschätzung, bei B.1.1.529 handele es sich um „die schlimmste Variante“, die bisher gesehen wurde.

Drosten eher zurückhaltend

Bei der Einschätzung  gibt es dem Berliner Virologen Christian Drosten zufolge noch viele offene Fragen. So sei unklar, ob die Variante tatsächlich ansteckender ist oder ob ein anderer Faktor Grund für die momentan beobachtete Ausbreitung ist. „Für eine veränderte Krankheitsschwere gibt es derzeit keine Hinweise“, teilte Drosten am Freitag der Nachrichtenagentur dpa mit.

Die Genom-Veränderungen bei dem Erreger wiesen darauf hin, dass die Virusvariante sich der Immunabwehr entziehen könnte. „Veränderungen im Genom sind aber allein nicht ausreichend, um von einer besorgniserregenden Situation zu sprechen“, erklärte der Virologe von der Berliner Charité. Zusätzlich müsse klar sein, dass das Virus sich schneller verbreite oder andere veränderte Eigenschaften habe, beispielsweise einen schwereren Krankheitsverlauf. Die Bewertung der Variante sei noch nicht abgeschlossen.    

Der südafrikanische Gesundheitsminister Joe Phaahla erklärte, die neue Variante bestätige die „Tatsache, dass dieser unsichtbare Feind sehr unvorhersehbar ist“. Er rief die Südafrikaner auf, Masken zu tragen, Abstand zu halten und insbesondere sich impfen zu lassen. „Wir haben auch das zusätzliche Mittel der Impfungen, das uns helfen wird, schwere Erkrankungen zu vermeiden, einschließlich, dass wir in der Klinik enden oder sogar dem Virus zum Opfer fallen“, sagte er.

Die Variante ist auch schon in Europa angekommen. In Belgien wurde ein erster Fall von B.1.1.529 registriert. Das gab der belgische Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke bei einer Pressekonferenz am Freitag bekannt. Der belgische Premierminister Alexander De Croo kündigte zudem Reisebeschränkungen für Einreisende aus Ländern im südlichen Afrika an. Es sei Vorsicht erforderlich, aber keine Panik, sagte Vandenbroucke.  

Biontech leitet Untersuchungen ein

Der deutsche Impfstoffhersteller Biontech schaut sich die im südlichen Afrika festgestellte neue Variante des Coronavirus in Tests an und rechnet spätestens in zwei Wochen mit Erkenntnissen.

„Wir können die Besorgnis von Experten nachvollziehen und haben unverzüglich Untersuchungen zur Variante B.1.1.529 eingeleitet“, teilte das Unternehmen in Mainz am Freitag auf Anfrage mit. Die Variante unterscheide sich deutlich von bisher beobachteten Varianten, da sie zusätzliche Mutationen am Spike-Protein habe. Die Daten aus nun laufenden Labortests würden Aufschluss geben, ob eine Anpassung des Impfstoffs erforderlich werde, wenn sich diese Variante international verbreite.

Biontech teilte weiter mit, gemeinsam mit dem US-Partner Pfizer habe man schon vor Monaten Vorbereitungen getroffen, um im Fall einer sogenannten Escape-Variante des Virus den Impfstoff innerhalb von sechs Wochen anzupassen und erste Chargen innerhalb von 100 Tagen auszuliefern. Dafür seien klinische Studien mit „variantenspezifischen Impfstoffen“ gestartet worden, um Daten zur Sicherheit und Verträglichkeit zu erheben. Diese könnten im Fall einer Anpassung bei den Behörden als Musterdaten vorgelegt werden.

Als Escape-Variante bezeichnet man eine Virusvariante, die sich der Wirkung der derzeit verfügbaren Impfstoffe entzieht.

EU und Großbritannien machen dicht, erste Fälle in Israel

Auch in Israel wurde am Freitag eine Person identifiziert, die sich mit der neuen Variante des Coronavirus infiziert hat. Zwei weitere Personen seien Verdachtsfälle, die noch auf ihre Testergebnisse warteten, teilte das Gesundheitsministerium am Freitag mit. Sie befänden sich in Quarantäne. Eine Sprecherin der Behörde zur Corona-Bekämpfung bestätigte, dass es sich um die Variante B.1.1.529 handelt, die aus dem südlichen Afrika stammt. Die infizierte Person sei aus Malawi nach Israel zurückgekehrt, hieß es weiter vom Ministerium.

Israel stufte die Länder Südafrika, Lesotho, Botswana, Simbabwe, Mosambik, Namibia und Eswatini als „rote Länder“ ein. Ausländer dürften aus diesen Ländern nicht mehr nach Israel einreisen, teilte das Büro des Ministerpräsidenten Naftali Bennett mit. 

Die Ausbreitung einer neuen möglicherweise sehr gefährlichen Variante des Coronavirus' im südlichen Afrika hat international Besorgnis ausgelöst. Die EU schränkt deswegen vorsorglich den Flugverkehr in die Staaten der Region ein.
Die Ausbreitung einer neuen möglicherweise sehr gefährlichen Variante des Coronavirus' im südlichen Afrika hat international Besorgnis ausgelöst. Die EU schränkt deswegen vorsorglich den Flugverkehr in die Staaten der Region ein.
Foto: dpa

Wegen der Ausbreitung will die EU-Kommission Reisen aus dem südlichen Afrika in die EU auf ein absolutes Minimum beschränken. Die Brüsseler Behörde werde den EU-Staaten vorschlagen, die dafür vorgesehene Notbremse auszulösen um den Luftverkehr auszusetzen, teilte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf Twitter mit.  

Die britische Regierung schränkte am Donnerstag wegen der neuen Virusvariante den Flugverkehr aus Südafrika, Lesotho, Botsuana, Simbabwe, Eswatini und Namibia ein. Zudem gelte für Ankommende eine strenge Pflicht zur Hotelquarantäne, sagte der britische Gesundheitsminister Sajid Javid. 

Auch Deutschland kappte die Flugverbindungen aus Südafrika. Das Land gelte ab der Nacht zu Samstag als Virusvariantengebiet, teilte das deutsche Gesundheitsministerium mit. Nur deutsche Staatsbürger dürfen dann noch einreisen und müssten dann in Quarantäne, heißt es. Auch andere Länder wie Österreich, Tschechien, Malta, Niederlanden und Italien ziehen am Freitag nach und verbieten die Einreise aus Südafrika. 

Frankreich verhängt indes wegen des Aufkommens der neuen Corona-Variante in Landeverbot für Flüge aus dem südlichen Afrika. Dieses gelte ab sofort für wenigstens 48 Stunden, teilte Premierminister Jean Castex am Freitag in Paris mit. Reisende aus Südafrika, Lesotho, Botsuana Simbabwe, Mosambik, Namibia und Eswatini dürften unabhängig von ihrem Impfstatus für wenigstens 48 Stunden nicht nach Frankreich einreisen.

Wer innerhalb der letzten 14 Tage aus einem dieser Länder in Frankreich eingetroffen sei, solle sich bei den Gesundheitsbehörden melden und schnellstens einen PCR-Test machen. Geplante Reisen in diese Länder sollten abgesagt werden. Das weitere Vorgehen werde in den nächsten Stunden auf EU-Ebene beraten.

WHO untersucht - Ölpreise und Dax geben nach

Die Weltgesundheitsorganisation WHO untersucht derzeit, ob die neue Corona-Variante B.1.1.529 als besorgniserregend eingestuft werden muss. Das sagte WHO-Expertin Maria van Kerkhove am Donnerstag in einem Briefing. Es werde dabei auch untersucht, inwieweit die Variante auch Folgen für die Diagnostik, Therapien und die Impfkampagnen habe. „Es wird ein paar Wochen dauern, bis wir verstehen, welchen Einfluss diese Variante hat“, sagte Kerkhove.  

Die Ölpreise haben am Freitag im frühen Handel bereits kräftig nachgegeben. Marktbeobachter nannten die Unsicherheit wegen einer neuen Variante des Coronavirus als Grund. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 80,17 US-Dollar. Das waren 2,05 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte WTI fiel um 2,49 Dollar auf 75,90 Dollar.


ARCHIV - 23.08.2013, Südafrika, Port Elizabeth: Eine südafrikanische Flagge weht in Port Elizabeth, Südafrika. Deutschland wird Südafrika wegen der neu auftretenden Coronavirus-Variante B.1.1.529 zum Virusvariantengebiet erklären. Die Regelung trete Freitagnacht (26.11.2021) in Kraft, Fluggesellschaften dürften dann nur noch deutsche Staatsbürger nach Deutschland befördern, teilte Bundesgesundheitsminister Spahn (CDU) mit. Foto: picture alliance / dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Die neue Corona-Mutation ist eine politische Variante
Nach der Entdeckung einer neuen Corona-Mutation in Südafrika reagieren viele Staaten mit Einreiseverboten. Im Land selbst ist man irritiert.

Auch der Dax rutschte gleich in den ersten Handelsminuten um 3,15 Prozent auf 15 416,93 Punkte ab und landete so auf dem tiefsten Stand seit Ende Oktober. Zuvor hatte bereits in Asien die Virusmutation den letzten Handelstag der Woche verdorben und für teils hohe Kursverluste gesorgt.  

Die Zahl der täglich gemeldeten Infektionen in Südafrika stieg am Mittwoch auf mehr als 1.200. Anfang des Monats waren es noch rund 100 Neuansteckungen.   


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