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Die Flutkatastrophe könnte zum Superspreader-Event werden
International 2 Min. 20.07.2021
Impfbus unterwegs

Die Flutkatastrophe könnte zum Superspreader-Event werden

Menschen räumen in Bad Münstereifel Schutt beiseite. Die Aufräumarbeiten könnten die Ausbreitung des Corona-Virus in den betroffenen Regionen begünstigen.
Impfbus unterwegs

Die Flutkatastrophe könnte zum Superspreader-Event werden

Menschen räumen in Bad Münstereifel Schutt beiseite. Die Aufräumarbeiten könnten die Ausbreitung des Corona-Virus in den betroffenen Regionen begünstigen.
Foto: Oliver Berg/dpa
International 2 Min. 20.07.2021
Impfbus unterwegs

Die Flutkatastrophe könnte zum Superspreader-Event werden

Nach dem Hochwasser droht sich in den Krisengebieten nun das Corona-Virus breitzumachen. In einigen Regionen werden daher nun Impf- und Testbusse eingesetzt.

(dpa) - Nach der Flutkatastrophe sehen die betroffenen Bundesländer erhöhte Corona-Risiken, weil sich Menschen bei Hilfsaktionen oder in Notunterkünften anstecken könnten. „Derzeit kommen viele Menschen auf engstem Raum zusammen, um die Krise gemeinsam zu bewältigen. Wir müssen jetzt aufpassen, dass die Bewältigung der Katastrophe nicht zu einem Superspreader-Event wird“, sagte David Freichel vom Corona-Kommunikationsstab der Staatskanzlei in Rheinland-Pfalz dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Dienstag).

Aus Sorge vor einer Ausbreitung der Pandemie im rheinland-pfälzischen Katastrophengebiet starteten Landesregierung und Kreisverwaltung im Ahrtal einen Impfbus. Ohne Anmeldung können sich Bewohner der Region dort impfen lassen, wie das Gesundheitsministerium in Mainz mitteilte. In dem Bus gibt es auch die Möglichkeit zu Schnelltests. Impfen und Testen seien die wichtigsten Vorkehrungen gegen eine Zunahme von Infektionen, sagte ein Sprecher. „Angesichts einer Infrastruktur, die so schwer beschädigt ist, ist die Gefahr da.“

Ein mobiler Impfbus, wie hier in Köln, könnte die Situation vor Ort entschärfen.
Ein mobiler Impfbus, wie hier in Köln, könnte die Situation vor Ort entschärfen.
Foto: Thomas Banneyer/dpa

Eine Sonderimpfaktion wie in Rheinland-Pfalz sei vonseiten des Landes Nordrhein-Westfalen derzeit nicht geplant, sagte dort ein Sprecher zur Deutschen Presse-Agentur und verwies auf die Zuständigkeit der Behörden vor Ort. Das NRW-Gesundheitsministerium stelle den vom Hochwasser betroffenen Gebieten aber zusätzliche Impfkontingente zur Verfügung. „Insbesondere bei der gemeinschaftlichen Unterbringung in Notunterkünften besteht ein erhöhtes Risiko für die Ausbreitung von SARS-CoV-2-Infektionen“, heißt es aus dem Ministerium in Düsseldorf. Sofern die lokalen Impfstrukturen aufgrund der Folgen des Hochwassers nicht ausreichen, bietet das Ministerium Unterstützung zum Beispiel durch Personal an.


"Das Wasser ist immer weiter gestiegen"
Vier Einwohner schildern ihre Eindrücke vom Hochwasser in der Our-Gemeinde.

„Die Menschen in den Katastrophengebieten haben derzeit ganz sicher andere Sorgen als das Corona-Virus, das verstehe ich. Wenn sich die Menschen nun aber insbesondere in den Notunterkünften gegenseitig anstecken, belastet das die angespannten Strukturen vor Ort zusätzlich“, sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). „Daher geben wir so viel Impfstoff wie gebraucht wird, in diese Regionen.“

Inzidenzzahlen aktuell noch niedrig

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte davor, Flutopfer in Sammelunterkünften unterzubringen. „Massenunterkünfte sind eine Gefahr für die Menschen, denn dort herrscht ein hohes Corona-Ansteckungsrisiko“, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Stattdessen sollten Flutopfer in Einzelunterkünften und Hotels untergebracht werden. „Es wäre fatal, wenn die ohnehin dramatische Situation in den Hochwasserregionen durch massenhafte Infektionen mit der Delta-Variante zusätzlich erschwert würde.“ Er sprach sich für mobile Impfteams in den Katastrophenregionen aus.

An ihm führt in deutschen Medien derzeit kein Weg vorbei. Corona-Krisen-Experte Karl Lauterbach.
An ihm führt in deutschen Medien derzeit kein Weg vorbei. Corona-Krisen-Experte Karl Lauterbach.
Foto: Getty Images

Währenddessen lag die Sieben-Tage-Inzidenz in den von der Unwetterkatastrophe in NRW besonders betroffenen Gegenden bei den niedrigen Werten von 3,8 im Rhein-Erft-Kreis und 3,6 im Kreis Euskirchen. NRW-weit lag dieser Wert am Dienstag bei 13,0. Verstärkte Ansteckungen mit dem Corona-Virus zum Beispiel in Notunterkünften können sich aber erst mit einer zeitlichen Verzögerung abbilden.


TOPSHOT - A rescue boat patrols next to submerged vehicles on the federal highway B265 in Erftstadt, western Germany, on July 17, 2021. - Devastating floods in Germany and other parts of western Europe have been described as a "catastrophe", a "war zone" and "unprecedented", with more than 150 people dead and the toll still climbing on July 17, 2021 (Photo by SEBASTIEN BOZON / AFP)
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In Rheinland-Pfalz sagte Staatssekretär Denis Alt (SPD), in der Katastrophenhilfe werde „notwendigerweise Hand in Hand“ gearbeitet, „oftmals ohne Corona-Schutzmaßnahmen umfänglich einhalten zu können“. „Mit Impfungen und Schnelltests wollen wir den Betroffenen und den zahlreichen Helferinnen und Helfern ein unbürokratisches Schutzangebot machen, um so die Pandemie im Katastrophengebiet im Griff zu behalten.“

Auch im Landkreis Ahrweiler lag die Sieben-Tage-Inzidenz - also die innerhalb einer Woche registrierte Zahl der Neuansteckungen pro 100.000 Menschen - am Montag beim recht niedrigen Wert von 3,8. In Rheinland-Pfalz waren bis Montag 46,4 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft.


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