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Im Indianerreservat Standing Rock: Pipeline-Gegner müssen weichen
Raymond Kingfisher vom Stamm der Northern Cheyenne bei einer Demonstration am Tag der Räumung.

Im Indianerreservat Standing Rock: Pipeline-Gegner müssen weichen

Foto: REUTERS
Raymond Kingfisher vom Stamm der Northern Cheyenne bei einer Demonstration am Tag der Räumung.
International 9 2 Min. 23.02.2017

Im Indianerreservat Standing Rock: Pipeline-Gegner müssen weichen

Tom RUEDELL
Tom RUEDELL
Nach fast einem Jahr des erfolgreichen Protests gegen die Dakota Access Pipeline müssen die Standing Rock Sioux ihr Blockade-Lager aufgeben. Die Regierung hat wegen drohender Fluten die Räumung befohlen.

(AFP/tom) -Fast ein Jahr lang hatten sie die Baustelle der North Dakota Access Pipeline an der Grenze des Indianerreservat Standing Rock blockiert - jetzt haben die meisten Aktivisten am Mittwochnachmittag das Zeltlager verlassen. Die Behörden hatten wegen Überflutungsgefahr eine Räumung des  Camps angeordnet. Einige Demonstranten, die der Aufforderung bis zur Deadline um 14 Uhr Ortszeit nicht verlassen hatten, wurden verhaftet.

Die Evakuierung lief überwiegend friedlich ab. Die Indianer und ihre Unterstützer verließen das Lager mit Gesang und traditionellem Trommeln. Einige zündeten vorher ihre Zelte und Hütten an - eine Geste, die nach Angaben der Aktivisten ein  traditionelles Reinigungsritual ist, aber sicher auch als Protest verstanden werden kann. Ganz harmlos war das indes nicht - nach Angaben der Behörden mussten ein siebenjähriger Junge und eine 17-Jährige nach zwei Explosionen mit Brandwunden im Krankenhaus behandelt werden.

Seit April 2016 hatten die Standing Rock Sioux und ihre Unterstützer hier das Land besetzt gehalten, um gegen den Bau der Ölpipeline zu protestieren. In Spitzenzeiten war das Camp von rund 5.000 Protestierern besetzt. Für Aufsehen sorgte eine Abordnung von 2.000 aus den ganzen USA angereisten Veteranen, die sich mit den Standing Rock Sioux solidarisierten, um den Pipeline-Bau zu verhindern.

Die unterirdische Pipeline ist insgesamt 1.886 Kilometer lang und soll nach Fertigstellung bis zu 75.000 Liter Rohöl täglich von North Dakota durch vier Bundesstaaten nach Illinois transportieren. In North Dakota führt sie nur 500 Meter von der Grenze des Standing Rock Reservats vorbei und soll auf Höhe des Cannon Ball Creek unter dem Missouri River hindurchgeführt werden. Die Gegner des Projekts fürchten, dass im Falle eines Lecks die Trinkwasserversorgung der Standing Rock Sioux aus dem Missouri River gefährdet sei. Die Betreiberfirma entgegnet, das sei ausgeschlossen.

US-Präsident Trump hatte Ende Januar per Präsidialerlass verfügt, dass die Bauarbeiten wieder aufgenommen werden sollten. Die Tatsache, dass er Aktien der Betreiberfirma hält, habe darauf keinen Einfluss gehabt, so der Präsident. Trumps Vorgänger Barack Obama hatte als eine seiner letzten Amtshandlungen einen Baustopp verfügt, um alternative Routen für die Pipeline auskundschaften zu können. Die jetzige Route am Indianerreservat vorbei stellt bereits eine Alternative zum ursprünglich geplanten Weg dar. Ursprünglich sollte sie an North Dakotas Hauptstadt Bismarck vorbeiführen, dort war aber ebenfalls dagegen protestiert worden.

Die Standing Rock Sioux wollen jetzt den Rechtsweg beschreiten. Der Stamm hat in der vergangenen Woche einen Antrag auf Baustopp beim Bundesgericht gestellt, bis eine vollumfängliche Umweltstudie erstellt wurde.

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