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"Ida" hinterlässt eine Schneise der Zerstörung
International 4 Min. 30.08.2021
Hurrikan im Süden der USA

"Ida" hinterlässt eine Schneise der Zerstörung

Mit Windböen von bis zu 240 Stundenkilometer fegte Hurrikan "Ida" über die US-Golfküste hinweg.
Hurrikan im Süden der USA

"Ida" hinterlässt eine Schneise der Zerstörung

Mit Windböen von bis zu 240 Stundenkilometer fegte Hurrikan "Ida" über die US-Golfküste hinweg.
Foto: AFP
International 4 Min. 30.08.2021
Hurrikan im Süden der USA

"Ida" hinterlässt eine Schneise der Zerstörung

Am Jahrestag des Jahrhundertsturms "Katrina" trifft der Wirbelsturm auf Louisiana. Die hohe Zahl an Covid-Patienten ist ein Problem.

Von Thomas Spang (Washington)

Devin Sanville ließ es diesmal nicht darauf ankommen. Der Chefkoch des Traditionslokals „Antoines“ im French Quarter von New Orleans mietete sich mit seiner Familie in ein Zimmer auf der fünften Etage eines nahegelegenen Hotels ein. Hoch genug, um vor Wasserfluten sicher zu sein. Der 51-Jährige zieht damit eine Lehre aus den Erfahrungen von vor auf den Tag genau 16 Jahren, als sein Haus zwei Meter unter Wasser stand.

Um sich in Sicherheit zu bringen, flüchtete er damals in einen Hochhauskomplex in St. Bernard. Er habe den Eindruck, es sei genügend getan worden, die Stadt vor einer Überflutung zu schützen, sagte Danville einem Reporter der „New York Times“. „Die Infrastruktur ist besser“. Am Tag danach scheint es, als sei New Orleans mit einem blauen Auge davongekommen. Obwohl „Ida“ mit Windgeschwindigkeiten bis zu 240 Kilometer pro Stunde gegen ein Uhr Mitternacht (Ortszeit) bei Port Fourchon auf Land traf, hielten die Dämme weitgehend.

Das ist einer der stärksten Stürme, die in unserer Geschichte hier an Land gegangen sind.

John Bel Edwards, Gouverneur von Louisiana

„Das ist einer der stärksten Stürme, die in unserer Geschichte hier an Land gegangen sind“, erklärte der Gouverneur von Louisiana, John Bel Edwards. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die nach Katrina massiv verstärkte Infrastruktur „der Sturmflut standhalten wird“. Der Bruch der Schutzwälle hatte während des Jahrhundertsturms vor allem die Einwohner der ärmeren Nachbarschaften von New Orleans überrascht. 1.883 Menschen kamen seinerzeit ums Leben. Mithilfe der US-Regierung flossen rund 20 Milliarden Dollar in ein modernes Netz aus Dämmen, Flutmauern und Pumpen, das sich auf einer Länge von 563 Kilometern rund um den Großraum der Metropole zieht. „Das waren enorme Investitionen“, sagt der Gouverneur. „Und dies wird der bisher härteste Test für das Schutzsystem sein.“

Ein Feuerwehrmann versucht sich in Bourg im US-Bundesstaat Louisiana einen Weg durch den dichten Regen zu bahnen.
Ein Feuerwehrmann versucht sich in Bourg im US-Bundesstaat Louisiana einen Weg durch den dichten Regen zu bahnen.
Foto: AFP

Nach Stand der Dinge bei Redaktionsschluss hielten die Dämme im Stadtgebiet. Neben umgebrochenen Bäumen, Fassadenschäden und beschädigten Autos scheint das größte Problem in New Orleans der Stromausfall zu sein. Hunderttausende Kunden saßen im Dunkeln und haben bei den tropisch-feuchten Temperaturen keine Klimaanlage.

Stromausfall könnte Tage andauern

Der Energieversorger Entergy Louisiana warnte die Kunden davor, dass es „Tage dauern wird, das Ausmaß des Schadens an unserem Stromnetz zu bemessen“. Besorgt sind die Experten über den Sturz eines Umspann-Mastes in den Mississippi. Wie lange es dauern wird, die Energieversorgung wiederherzustellen, war noch nicht abzusehen.

In den angrenzenden Gemeinden außerhalb von New Orleans gab es mehr Probleme. Im südöstlich gelegenen Bezirk „Plaquemines Parish“ überfluteten Wassermassen den Highway 23, nachdem am Montagmorgen dort ein Damm brach. 


Barack und Michelle Obama besuchen bei strömendem Regen eines der Bauprojekte in New Orleans.
Hurrikan „Katrina“ - fünf Jahre danach
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„Ich habe noch nie so viel Wasser in meinem Leben gesehen“, sagt der Bürgermeister von Jean Lafitte südlich von New Orleans, Tim Kerner. Der Sturm habe seine Stadt „in der schlechtest denkbaren Weise getroffen“. Viele Einwohner hatten sich vor den Wassermassen auf die Dächer gerettet. Ebenso in La Place im Westen der Metropole, wo eine Rettungseinheit der  Louisiana Cajun Navy im Einsatz ist. „Es könnten Hunderte in Häusern festsitzen“, erklärte ein lokaler Einsatzführer.

Unterstützung für Louisiana

Experten wiesen darauf hin, dass in die Infrastruktur in den von „Ida“ betroffenen Gebieten weniger investiert worden sei als in die von New Orleans. US-Präsident Joe Biden erklärte Louisiana zu einem Katastrophengebiet. Damit machte er Ressourcen der Bundesregierung frei, dem Staat zu helfen. Mehr als ein Dutzend Bundesstaaten - darunter Kalifornien, Massachusetts, New York und Oklahoma - entsandten Rettungsteams in die betroffenen Gebiete.

Ich habe noch nie so viel Wasser in meinem Leben gesehen.

Tim Kerner, Bürgermeister von Jean Lafitte

Im Vergleich zu „Katrina“ fallen die Opferzahlen bisher deutlich geringer aus. Am Montagmorgen hatten die Behörden zunächst nur einen Toten vermeldet. Es wird erwartet, dass die Zahl steigt, sobald sich die Katastrophenhelfer einen besseren Überblick von der Situation gemacht haben.  

Verkompliziert wird die Situation in Louisiana durch die mit Covid-19-Patienten überfüllten Krankenhäuser. Der Südstaat gehört, wegen der hohen Zahl an Impfverweigerern, zu den am härtesten von der Delta-Variante betroffenen Gebieten der USA. Die Zahl der Covid-19-Toten hatte bei Eintreffen „Idas“ gerade den Höchststand während der gesamten Pandemie erreicht.

Satellitenaufnahmen offenbaren das ganze Ausmaß des Hurrikans, der über die US-Golfküste hinwegfegte.
Satellitenaufnahmen offenbaren das ganze Ausmaß des Hurrikans, der über die US-Golfküste hinwegfegte.
Foto: AFP

„Ida“ überraschte die Behörden, weil sich der Sturm binnen weniger Tage von einem tropischen Tiefdruckgebiet in einen Hurrikan der Kategorie 4 verwandelt hatte. Den Anwohnern der Küste blieb wenig Zeit, sich auf den  Sturm vorzubereiten. „Man hätte sich kaum Umstände ausdenken können, die das rapide Anwachsen Idas mehr begünstigt hätten“, erklärte der Klimaexperte Robert Henson. Dazu gehören die hohen Wassertemperaturen im Golf von Mexiko und der Pfad des Sturms.


A Haitian woman cries as she passes a  destroyed house in Les Cayes on August 15, 2021, after a 7.2-magnitude earthquake struck the southwest peninsula of the country. - Hunched on benches, curled up in chairs or even lying the floor, those injured in the powerful earthquake that wreaked havoc on Haiti on Saturday crowded an overburdened hospital near the epicenter. The emergency room in Les Cayes, in southwestern Haiti, which was devastated by the 7.2-magnitude quake on Saturday morning that killed at least 724 people, is expecting reinforcements to help treat some of the thousands of injured. (Photo by Reginald LOUISSAINT JR / AFP)
Zahl der Toten nach Erdbeben auf Haiti steigt auf fast 1300
Rettungskräfte in Haiti arbeiten nach dem Beben mit mindestens 1297 Toten und Tausenden Verletzten unter schwierigen Bedingungen.

Der Nationale Wetterdienst stufte „Ida“ zu einem tropischen Sturm herunter, der nun über Mississippi und Tennessee Richtung West Virginia zieht. Die Behörden warnten wegen des Starkregens mehr als 50 Millionen Menschen vor Sturzfluten und Überschwemmungen.    

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