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„Ich will mein Leben zurück“
International 04.07.2016 Aus unserem online-Archiv
Ukip-Chef Farage tritt zurück

„Ich will mein Leben zurück“

Nigel Farage tritt offiziell wegen zu großer Arbeitsbelastung zurück.
Ukip-Chef Farage tritt zurück

„Ich will mein Leben zurück“

Nigel Farage tritt offiziell wegen zu großer Arbeitsbelastung zurück.
Foto: REUTERS
International 04.07.2016 Aus unserem online-Archiv
Ukip-Chef Farage tritt zurück

„Ich will mein Leben zurück“

Volker BINGENHEIMER
Volker BINGENHEIMER
Es ist die zweite große Überraschung nach dem Brexit. Erst wirft Boris Johnson das Handtuch - jetzt tritt Ukip-Parteichef Nigel Farage zurück. Die britische Parteienlandschaft wird durcheinandergewirbelt.

(dpa) - Der Chef der rechtspopulistischen britischen Ukip-Partei, Nigel Farage, tritt völlig überraschend zurück. „Ich will mein Leben zurückhaben“, sagte der Wortführer für einen Austritt Großbritanniens aus der EU (Brexit) am Montag in London. Er habe politisch alles erreicht, was er sich vorgenommen habe, sagte er mit Blick auf den Brexit-Sieg beim EU-Referendum am 23. Juni. „Es ist richtig, wenn ich jetzt beiseite trete.“

Farage war neben dem Ex-Londoner Bürgermeister Boris Johnson der wichtigste Wortführer des Austritts-Lagers. Er werde aber der Partei weiter angehören und deren politischen Kampf unterstützen, betonte er. „Ich bin kein Karrierepolitiker“, sagte der 52-Jährige weiter.

„Ohne Ukip hätte es kein Referendum gegeben“, meinte der Europaabgeordnete Farage, der seit Jahrzehnten für den EU-Austritt Großbritanniens kämpft.

Farages Rückzug ist die zweite große Überraschung nach dem Referendum. Erst vor wenigen Tagen hatte Johnson seinen Verzicht auf eine Kandidatur für das Amt des Premierministers angekündigt. Premier David Cameron, der für den Verbleib in der EU gekämpft hatte, kündigte nach dem Votum seinen Rücktritt für die nächsten Monate an.

Kritik an Rückzug

„Die Zündler schleichen sich davon. Das Nicht-Antreten Boris Johnsons und der Rücktritt Nigel Farages zeigen die Verantwortungslosigkeit und Planlosigkeit der Brexit-Befürworter“, kritisierte der EU-Parlamentarier der konservativen ÖVP, Othmar Karas.

Farage stand seit 2010 an der Spitze der Partei, bereits zuvor war er von 2006 bis 2009 Parteichef. Er gilt als Hardliner, der vor allem Migration zu einem Hauptthema des Brexit-Wahlkampfs gemacht hatte. Kritiker warfen ihm vor, er sei demagogisch und schüre in der Bevölkerung Ängste gegen Ausländer.

Auf Ablehnung und Abscheu auch im Brexit-Lager stieß etwa ein Ukip-Wahlplakat, auf dem eine sehr lange Menschenschlange und das Wort Breaking Point (Bruchstelle) zu sehen war.  


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UK Independence Party (UKIP) leader Nigel Farage (L) talks with EU Commission President Jean-Claude Juncker before a plenary session at the EU headquarters in Brussels on June 28, 2016. 
European Commission chief Jean-Claude Juncker called on June 28 on Prime Minister David Cameron to clarify quickly when Britain intends to leave the EU, saying there can be no negotiation on future ties before London formally applies to exit. / AFP PHOTO / JOHN THYS
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