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"Ich erkenne mein Brüssel nicht mehr"
International 20 3 Min. 21.11.2015 Aus unserem online-Archiv
Terrorangst in Belgien

"Ich erkenne mein Brüssel nicht mehr"

International 20 3 Min. 21.11.2015 Aus unserem online-Archiv
Terrorangst in Belgien

"Ich erkenne mein Brüssel nicht mehr"

In Belgien gab es konkrete Hinweise auf einen geplanten Anschlag von Terroristen mit Waffen und Sprengstoff. Das sagte der belgische Premierminister Charles Michel am Samstag. In den sozialen Medien zeigen sich Bürger zutiefst erschrocken.

(dpa/BB/ks) - In Belgien gab es konkrete Hinweise auf einen geplanten Anschlag von Terroristen mit Waffen und Sprengstoff. Das sagte der belgische Premierminister Charles Michel am Samstag. Diese Informationen über eine unmittelbare Gefahr seien der Grund dafür gewesen, die Terrorwarnstufe für die Hauptstadt Brüssel auf das höchste Niveau vier anzuheben.

Brüssel steht an diesem Samstag denn auch still: Wegen der Terrorgefahr kommt das öffentliche Leben in Brüssel mehr und mehr zum Erliegen. Öffentliche Gebäude, Einkaufszentren und Märkte schließen. Sportereignisse werden abgesagt. In der Brüsseler Innenstadt ließen viele große Geschäfte am Mittag die Rollläden herunter, die Einkaufsstraßen leerten sich.

Die U-Bahn fährt bereits seit dem frühen Morgen nicht mehr und wird bis Sonntagnachmittag stillstehen. Das teilte der Verkehrsbetreiber Stib auf seiner Webseite mit und sprach von einer „Vorsichtsmaßnahme“. Vervoort sagte: „Ein Risiko von Null gibt es nicht, aber wir können alles tun, was in unserer Macht steht, um die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten.“ In der Innenstadt patrouillieren währenddessen schwer bewaffnete Soldaten.

Konzerte werden abgesagt

Das Atomium, Wahrzeichen der Stadt, blieb ebenfalls gesperrt. Das Musikfestival Sound/Check, bei dem 130 Musiker in einer Konzerthalle auftreten sollten, wurde abgesagt, ebenso ein Konzert des Sängers Johnny Hallyday.

Ein Sprecher des nationalen Krisenzentrums sagte im Radio: „Die Empfehlungen an die Bevölkerung sind sehr einfach: Wir bitten darum, Plätze mit vielen Menschen in der Hauptstadtregion Brüssel zu vermeiden, also Konzerte, Großereignisse, Bahnhöfe, Flughäfen und den öffentlichen Personennahverkehr.

Julia Kirch, die in Brüssel studiert, schreibt uns per E-Mail, wie sie Brüssel in den vergangenen Tagen erlebt hat:

"Mir Studenten kennen eis neit zweet dohem nemei rem, fiert keen Tram metro mei fir op Platzen zekomen, mir mussen Taxien unruffen fir an Schoul zekommen. Eis soireen gin oofgesood well ed einfach ze gefeierlech as. Ech leien owes am Bett an mengem Apartement an heieren Non-Stop Police Serenen an dann denkt een sech einfach : bitte ed soll einfach neicht gescheien, hoffentlech sin dei aner all dohem unkom. Du kuks Leid op den Stroosen un an du wees ned wiensde firun der stoen hues. Geschter am metro sin mer bemol gestopt gin mir misten all aus dem Metro klammen stungen zu 100 op engem Arret an dad eischt wad mir an den Kapp komm as; "ogott ech well fort vun hei wann lo hei eppes geschitt du wees ned wouhin!" ed fillt en sech nemei secher an awer probeiert Famille eeen ze motiveieren vun dohem aus, an Proffen probeieren och Rou an dei ganz situatioun zekreien. Mir machen dad bescht draus an probeieren Studentliewen weiderzeliewen sou wei mer ed des Joer ugefang hun:) obwuel ed schweier an gefeierlech as."

Auch den sozialen Medien zeigen sich die Bürger zutiefst erschrocken:




Sicherheitshinweise ausgegeben

Das deutsche Auswärtige Amt hat einen Sicherheitshinweis an die Bevölkerung herausgegeben. Es empfiehlt Reisenden, größere Menschenansammlungen in der Region zu meiden. Dazu werden Konzerte, Großveranstaltungen, Bahnhöfe, Flughäfen, öffentlichen Personennahverkehr und Einkaufszentren gezählt. Es werde auch erhöhte Wachsamkeit empfohlen sowie Weisungen der belgischen Sicherheitskräfte zu befolgen.

Das luxemburgische Außenministerium verzichtet bisher auf einen solchen Hinweis. Es werde davon ausgegangen, dass Reisende über die Medien auf dem Laufenden seien, sagte eine Ministeriumssprecher auf Anfrage. Zudem verweist das Außenministerium auf seiner Internetseite auf Sicherheitshinweise der Nachbarländer.


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