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Hunderte Urlauber hängen vor Ceuta fest
International 2 Min. 24.03.2020

Hunderte Urlauber hängen vor Ceuta fest

Zahlreiche Touristen kommen nicht nach Ceuta, von wo sie in Richtung Iberische Halbinsel aufbrechen könnten.

Hunderte Urlauber hängen vor Ceuta fest

Zahlreiche Touristen kommen nicht nach Ceuta, von wo sie in Richtung Iberische Halbinsel aufbrechen könnten.
Foto: Antonio Sempera/Europa Press/dpa
International 2 Min. 24.03.2020

Hunderte Urlauber hängen vor Ceuta fest

Hunderte europäische Touristen sitzen vor der spanischen Exklave Ceuta in Marokko fest.

 Von LW-Korrespondent Martin Dahms (Madrid)

„Wir versuchen alle, weiterhin die Ruhe zu bewahren“, schreibt Naemi Limprecht per Mail, das sei „unter diesen Umständen“ aber gerade ziemlich anstrengend. Die 23-Jährige aus dem deutschen Freudenstadt hängt am Montagnachmittag gemeinsam mit ihrem Vater in einer Schlange mit Hunderten Wohnmobilen in Marokko vor dem Grenzposten nach Ceuta fest. 

Keine Ausnahmen

Die Versorgungslage sei „katastrophal“ schreiben Betroffene in einem „Hilferuf“, den sie über die sozialen Netzwerke veröffentlichten. Dort werden auch beeindruckende Fotos dicht an dicht stehender Wohnmobile geteilt, die offensichtlich am Montag in der Nähe des Grenzübergangs gemacht wurden.

Touristen warten in Ceuta darauf, an Bord der von den Behörden zur Verfügung gestellten Schiffe zu gehen, die sie auf die Iberische Halbinsel zurückbringen sollen.
Touristen warten in Ceuta darauf, an Bord der von den Behörden zur Verfügung gestellten Schiffe zu gehen, die sie auf die Iberische Halbinsel zurückbringen sollen.
Foto: dpa

Nach Ausrufung des Alarmzustands in der Nacht zum Sonntag vergangener Woche hatte die spanische Regierung in der Nacht auf Dienstag zunächst die Landgrenzen nach Frankreich und Portugal geschlossen, außer für EU-Bürger auf dem Rückweg nach Hause. In der Nacht zu vergangenem Montag trat auch ein Verbot der Einreise über Häfen und Flughäfen in Kraft, wieder mit Ausnahme der Rückkehr von EU-Bürgern „auf direktem Wege“ zum Wohnort. In der am Sonntag veröffentlichten Mitteilung gibt das spanische Innenministerium allerdings auch die „vorübergehende“ Schließung der Grenzübergänge der Nordafrika-Exklaven Ceuta und Melilla bekannt – ohne Ausnahmen.

In letzter Minute

Ein Sprecher des Regierungspräsidiums in Ceuta erklärte am Montag, dass in den Tagen zuvor noch täglich rund 500 Wohnmobile von Marokko nach Ceuta eingelassen worden seien, die sich dann per Fähre nach Algeciras aufs spanische Festland begaben. 


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Eine Berliner Touristin, Monika Rosenberg, berichtete am Montag, dass sie es mit einer Gruppe von Mitreisenden vor ein paar Tagen „gerade noch rechtzeitig“ nach Ceuta geschafft habe. Marokko hatte schon am Donnerstag vorvergangener Woche die Schließung der Fährhäfen, Flugverbindungen und Landgrenzen angekündigt. Für die Touristen, die über Ceuta ausreisen wollten, machte das Land allerdings eine Ausnahme – bis Spanien die Grenze um Mitternacht zum Montag schloss.

„Distanziert freundlich“  

In ihrem „Hilferuf“ schreiben die vor Ceuta Festhängenden, dass sie sich auf „schriftliche Empfehlung des deutschen Honorarkonsuls in Rabat“ auf den Weg nach Ceuta gemacht hätten. In Rabat befindet sich die deutsche Botschaft für Marokko, Honorarkonsuln gibt es in Agadir und Casablanca.


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Naemi Limprecht berichtet in ihrer Mail, dass sie am Samstagnachmittag an die Grenze nach Ceuta gekommen sei. Am Abend seien „dreißig bis vierzig“ Wagen durchgelassen worden, seitdem bewege sich nichts mehr. Unter den Urlaubern – offenbar vor allem Franzosen aber auch einer Reihe von Deutschen – gebe es Kinder und „viele über 60“. Die marokkanischen Beamten seien „distanziert freundlich“.

Am Montagabend war noch unklar, wie sich die missliche Lage der Urlauber auflösen würde.

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