Hohe Beteiligung bei Präsidentenwahl

Iran vor Öffnung oder Abschottung

Wahlbüro in der heiligen Stadt Qom, 130 Kilometer südlich der Hauptstadt Teheran.
AFP

(dpa) - Öffnung oder Abschottung: Mit Spannung wird der Ausgang der Präsidentenwahl im Iran erwartet, die entscheidend für den künftigen Kurs des Landes ist.

Am Freitag bildeten sich nach Berichten von Augenzeugen vor vielen Wahllokalen in der Hauptstadt Teheran lange Schlangen. Auch in den Provinzen war die Beteiligung nach Medienangaben lebhaft. Deswegen verschob das Innenministerium die ursprünglich für 15.30 Uhr (MESZ) geplante Schließung der Wahllokale um mehrere Stunden.

Erste Meldungen sprechen von einer hohen Wahlbeteiligung bei der Präsidentschaftswahl im Iran.
AFP

Mehr als 56 Millionen Iraner waren aufgerufen zu bestimmen, ob sie dem moderaten Präsidenten Hassan Ruhani eine zweite Amtszeit geben oder einen politischen Wechsel wollen. Ruhanis Hauptrivale war Ebrahim Raeissi, der Spitzenkandidat des erzkonservativen Klerus. Die anderen beiden Kandidaten galten als chancenlos.

Die Wahl wurde als eine Art Referendum angesehen: Ruhanis Politik der Öffnung steht gegen Raeissis Abschottungspolitik. Das Wahlergebnis wird zeigen, welchen Kurs die Iraner bevorzugen. Ruhani ist zwar Favorit, aber Raeissi genießt die Unterstützung des Klerus sowie der staatlichen Medien.

„Heute ist ein wichtiger Tag, da die Iraner ihr Schicksal und das ihrer Kinder selbst in der Hand haben“, sagte Ruhani nach seiner Stimmabgabe in der Hosseinieh-Erschad-Moschee in Teheran. Die Wähler sollten außerdem nicht vergessen, dass das Wahlergebnis auch außenpolitisch für das Land enorm wichtig sei, so der Präsident.

Erste Prognosen soll es schon Samstagmorgen geben. Nach Angaben von Innenminister Abdulresa Rahman Fasli werden die Endergebnisse am Samstagabend oder spätestens am Sonntag bekanntgeben.

Ein Ministeriumssprecher sagte dem staatlichen Fernsehen, dass die Wahllokale voraussichtlich am Freitag bis 2300 oder gar Mitternacht Ortszeit (2030/2130 MESZ) geöffnet sein sollten. Sofort nach dem Ende der Wahlen sollten dann die Stimmen gezählt werden. Nur die Angaben des Innenministeriums seien amtlich. Medienberichte, besonders auf den sozialen Netzwerken, sollten ignoriert werden, so der Sprecher.