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Hoffen auf die blaue Welle
Donald Trump will nicht der Präsident aller Amerikaner sein.

Hoffen auf die blaue Welle

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Donald Trump will nicht der Präsident aller Amerikaner sein.
Leitartikel International 2 Min. 16.08.2018

Hoffen auf die blaue Welle

Françoise HANFF
Françoise HANFF
Die USA sind weiterhin ein gespaltenes Land. Um im November die Macht im Kongress zu übernehmen, müssen die Demokraten einen Zahn zulegen.

Heather Heyer erlebte ihren 33. Geburtstag nicht mehr. Die junge Frau starb vor einem Jahr bei Ausschreitungen zwischen Rechtsradikalen und Gegendemonstranten, als in dem beschaulichen US-Städtchen Charlottesville ein Neonazi sein Auto vorsätzlich in eine Menschenmenge steuerte. Der Mann wurde wegen Hassverbrechen angeklagt, aber das macht Heather nicht wieder lebendig.

Nicht nur die 32-Jährige sowie zwei Polizeibeamte, die an dem Tag durch einen Hubschrauberabsturz am Rande der Kundgebung ums Leben kamen, wurden Opfer jenes unrühmlichen 12. August 2017. Auch die Wahrheit und die Moral mussten Federn lassen – wieder einmal.

Donald Trump, der offensichtlich nicht über einen ethischen Kompass verfügt, ließ sich damals zu der Aussage hinreißen: „Ich denke, dass die Schuld auf beiden Seiten liegt“. Auf beiden Seiten habe es auch „sehr gute Menschen“ gegeben. Der vorläufige Tiefpunkt seiner Amtszeit – wie viele glauben –, neben der Trennung von Einwandererfamilien und seiner Charmeoffensive gegenüber Wladimir Putin in Helsinki.

Verhärtete Fronten

Vor der zweiten Auflage des Aufmarsches „Vereint die Rechte“ am vergangenen Sonntag in Washington, unweit des Weißen Hauses, hatte der US-Präsident Kreide gefressen. Via Twitter hieß es, er verurteile „alle Formen von Rassismus und Gewalt“. Auch seine Tochter Ivanka meldete sich zu dem Thema zu Wort.

Nur ein Häuflein Rassisten, Neonazis und Nationalisten versammelte sich am Stichtag in der amerikanischen Hauptstadt – unter dem Hohn und Spott Tausender Gegendemonstranten, die größtenteils friedlich für mehr Toleranz auf die Straße gingen.

Die USA sind weiterhin tief gespalten. Die Fronten sind dermaßen verhärtet, dass ein vernünftiger Dialog nicht mehr möglich ist. Politik ist zur Glaubensfrage geworden. Trump hat von Anfang seiner Amtszeit an klargemacht, dass er nicht der Präsident aller Amerikaner sein möchte. Seine Stärke besteht darin, dass er sich bemüht, die Wahlversprechen an seine diversen Wählergruppen ohne Rücksicht auf Verluste umzusetzen. Seine Wähler geben sich damit zufrieden und sehen ihm seine Fehltritte nach.

Mit dieser Strategie könnte Trump sogar Erfolg haben – kurzfristig zumindest. Zwar sind seine Umfragewerte alles andere als berauschend. Bis zur Präsidentschaftswahl 2020 ist es jedoch noch lang. Für eine Wiederwahl könnte es durchaus reichen, wenn es dem Geschäftsmann im Weißen Haus gelingt, die US-Wirtschaft am Laufen zu halten.

Abstiegsängste abbauen

Ein erster Test sind nun die Kongresswahlen im November. Die Demokraten hoffen auf eine „blaue Welle“ – in Anlehnung an die Farbe ihrer Partei – und die Eroberung der Mehrheit im Kongress. Dies dürfte Trump das Regieren erheblich erschweren. Zurzeit ist es unmöglich vorauszusagen, in welche Richtung das Pendel ausschlagen wird.

Eines ist jedoch sicher: Es fehlt den Demokraten einerseits an einem Hoffnungsträger an der Parteispitze und andererseits an einem geeigneten Programm. Einzig und allein gegen Trump zu sein wird nicht ausreichen, um dem Albtraum ein Ende zu bereiten. Wie die etablierten Parteien in Europa auch, müssen die Demokraten die Alltagsprobleme der Menschen lösen und ihnen gleichzeitig Zukunftsvisionen präsentieren, um ihnen ihre Verlust- und Abstiegsängste zu nehmen. Wenn das nicht gelingt, haben die Populisten weiterhin ein leichtes Spiel.


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