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Hochzeitsgast Putin
Eine Hochzeit als Politikum - Österreich diskutiert über den hohen Gast bei der Hochzeit von Außenministerin Kneissl.

Hochzeitsgast Putin

Roland Schlager/APA/dpa
Eine Hochzeit als Politikum - Österreich diskutiert über den hohen Gast bei der Hochzeit von Außenministerin Kneissl.
International 2 Min. 16.08.2018

Hochzeitsgast Putin

Darüber staunt Österreich: Außenministerin Karin Kneissl, bis vor einem Jahr noch selbst ernannte Außenpolitik-Expertin und freischaffende Publizistin, heiratet. Am Samstag in der schönen Steiermark. Und Russlands mächtiger Präsident Wladimir Putin schaut vorbei, um zu gratulieren.

Von LW-Korrespondent Andreas Schwarz aus Wien

Die Bestätigung einer Zeitungsmeldung, die niemand glauben wollte, kam am Mittwoch direkt aus dem Kreml: Wladimir Putin plane einen kurzfristigen Österreich-Besuch, nur wenige Monate nach seinem Staatsbesuch im Juni. Er wolle der Hochzeit der Außenministerin mit dem Unternehmer und Energie-Experten Wolfgang Meilinger beiwohnen, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow, ehe Putin am Abend die deutsche Kanzlerin Angela Merkel im Schloss Meseberg nördlich von Berlin trifft. Das Hallo wird daher kurz sein. „Wir werden vorbei schauen und gratulieren“, sagte Kremlberater Juri Uschakow, aber immerhin.

Die 53-jährige Ministerin, die auf einem Ticket der rechtspopulistischen FPÖ in die Regierung kam, scheidet die Geister, selbst innerhalb der Regierung. Sie ist der Bevölkerung von früheren Fernsehauftritten als Nahost- und Außenpolitik-Expertin bekannt, spricht nach eigenem Bekunden sieben Sprachen und hat hohe Beliebtheitswerte – „endlich eine, die etwas von der Materie versteht“, ist der verbreitete Tenor.

An Karin Kneissl scheiden sich derzeit die Geister. In der Bevölkerung wird sie durchaus als kompetent wahrgenommen. Die Medien aber sind anderer Meinung.
An Karin Kneissl scheiden sich derzeit die Geister. In der Bevölkerung wird sie durchaus als kompetent wahrgenommen. Die Medien aber sind anderer Meinung.
Harald Tittel/dpa

In den Medien ist der Ruf der Ministerin, die so gerne über sich und ihre Kompetenzen spricht, etwas ambivalenter. Die ehemalige Außenamtsmitarbeiterin, die in frühen Jahren aus dem Dienst schied und Publizistin wurde, ist für einen ruppigen Ton bekannt – angeblich auch gegenüber Mitarbeitern, jedenfalls gegenüber Journalisten. Fragen beantwortet sie gerne mit dem Verweis auf Bücher, die sie geschrieben hat oder mit Hinweisen auf ihre Erfahrung – wenn überhaupt. Meistens kanzelt sie Journalisten ob ihrer dummen Fragen ab.

Zuletzt tat sie das auch schriftlich: In einem Interview für die „Presse“ kündigte sie an, keine „großen Journalistendelegationen“ mehr auf Reisen mitzunehmen, weil es seitens der Medien ja „keine interessante Fragen“ gebe. Lieber wolle sie künftig Gastkommentare schreiben. Eine Moskau-Reise im April sei ihr da eine Lehre gewesen, sagte die Ministerin, die früher schließlich selbst als Journalistin tätig gewesen sei.

Missglückter Vorstoß

Bei besagter Moskau-Reise hatte Kneissl die Erwartungen geschürt, dass Österreich Austragungsort oder Vermittler für allfällige Syrien-Gespräche sein könnte. Russlands Außenminister Sergej Lawrow ließ die Ministerin aber abblitzen. Die mitgereisten Journalisten, von Kneissl zwei Tage lang völlig ignoriert, berichteten. Kneissl war sauer und stellte sich am Ende der Reise in einer Art Briefing vor die Medien: „Die Gespräche waren sehr erfolgreich, Sie waren ja nicht dabei. Und jetzt muss ich internationale Telefonate führen.“

Möglich, dass sie schon in Moskau den hohen Hochzeitsbesuch entrierte. Der Ministerin kommt zupass, dass die FPÖ traditionell allerbeste Beziehungen zu Wladimir Putin hat. Parteichef Heinz-Christian Strache und Klubobmann Johann Gudenus statten Moskau regelmäßig Besuche ab, sprechen sich für ein Ende der Sanktionen gegen Russland aus, und die FPÖ hat mit der Putin-Partei „Einiges Russland“ einen Freundschaftsvertrag geschlossen. „Putin-Versteher“ der ersten Stunde also.

Wladimir Putin wird nur kurz in der schönen Steiermark verweilen. Er muss noch am gleichen Abend nach Deutschland zu Angela Merkel.
Wladimir Putin wird nur kurz in der schönen Steiermark verweilen. Er muss noch am gleichen Abend nach Deutschland zu Angela Merkel.

Wenn Wladimir Putin am Samstag dann tatsächlich bei der Hochzeit der „Ich“-Ministerin auftauchen sollte, ist das eine Art Freundschaftsdienst in die andere Richtung. Und eine Genugtuung für die Ministerin gegenüber den bösen Medien. Politische Stimmen, die die Kosten für den Sicherheitsaufwand für den „privaten“ Hochzeitsgast aus Moskau hinterfragen oder gar den Rücktritt Kneissls fordern, lassen sie sowieso kalt. Dass das EU-Vorsitzland Österreich mit soviel Putin-Nähe nicht unbedingt als objektiver Makler gehandelt wird, offenbar auch.

Aber einen Keil in die EU zu treiben, das zählt ja zur Putin-Strategie. Und erklärt vielleicht auch ein bisschen den Abstecher des russischen Präsidenten zu einer sonst eher bedeutungslosen Hochzeit in die Steiermark.