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Helfer: Humanitäre Lage im Nordosten Syriens dramatisch
International 2 Min. 20.10.2019

Helfer: Humanitäre Lage im Nordosten Syriens dramatisch

Mindestens 165.000 Menschen sollen durch die Kämpfe vertrieben worden sein, darunter schätzungsweise 70.000 Kinder.

Helfer: Humanitäre Lage im Nordosten Syriens dramatisch

Mindestens 165.000 Menschen sollen durch die Kämpfe vertrieben worden sein, darunter schätzungsweise 70.000 Kinder.
Foto: AFP
International 2 Min. 20.10.2019

Helfer: Humanitäre Lage im Nordosten Syriens dramatisch

Mehr als 100.000 Vertriebene lebten schon vor den türkischen Angriffen in Nordsyrien. Viele ergreifen nun erneut die Flucht. Die Türkei begründet ihren Einmarsch mit Selbstverteidigung - Kritiker sprechen von einem Verstoß gegen das Völkerrecht.

(dpa) - Anderthalb Wochen nach dem türkischen Einmarsch in Nordsyrien zeichnen humanitäre Helfer ein dramatisches Bild von der Lage der betroffenen Menschen in der Region. „Die vergangene Woche war ein totales Chaos für Hunderttausende Syrer“, sagte Karl Schembri, Sprecher vom Norwegischen Flüchtlingsrat (NRC), dem TV-Sender CNN International. „Sie leben in Angst und Unsicherheit, ohne zu wissen, wo die nächste Bombe explodieren wird“, sagte Schembri.

In gut einer Woche sind nach jüngsten Angaben des UN-Nothilfebüros Ocha mindestens 165.000 Menschen durch die Kämpfe vertrieben worden, darunter schätzungsweise 70.000 Kinder. „Mehr und mehr von ihnen werden in den benachbarten Irak und in andere Gegenden flüchten, die nicht darauf vorbereitet sind, vertriebene Familien aufzunehmen“, sagte Schembri. Etwa 2.400 Menschen hätten bereits die Grenze zum Irak überquert. Die Situation in syrischen Lagern sei dabei „extrem besorgniserregend“, hatte Ocha am Freitag mitgeteilt.

Helfer mussten ebenfalls flüchten

Vor Beginn der türkischen Angriffe hätten bereits mehr als 100.000 Vertriebene in Lagern in der Region gelebt, sagte Schembri. Mit der Unterstützung humanitärer Helfer hätten sie überlebt. „All das wurde im Lauf der vergangenen Woche gefährdet, weil die meisten Helfer selbst flüchten mussten.“ Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (ICRC) twitterte am Sonntag, eine der letzten noch verbleibenden internationalen Hilfsorganisationen in Nordsyrien zu sein.


TOPSHOT - Mourners attend the funeral of civilians and fighters, who died during attacks by Turkish-led forces on the border town of Ras al-Ain, in a cemetary in Tal Tamr, near the Syrian Kurdish town of Ras al-Ain, October 19, 2019. - Turkish and Kurdish leaders accused each other of violating a US-brokered truce in northeastern Syria even as it appeared to be taking hold on its second day Saturday. (Photo by Delil SOULEIMAN / AFP)
Schuldpoker wegen Verstößen gegen Waffenruhe in Syrien
In den syrischen Grenzstädten gab es Tote und Verletzte nur wenige Stunden nach der vorläufigen Waffenruhe. Dafür geben sich nun das türkische Militär und die kurdischen Milizen gegenseitig die Schuld.

Die Türkei hatte am 9. Oktober im Norden Syriens eine Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG gestartet, die von ihr als Terrororganisation angesehen wird. Die Türkei wurde dabei weder von der syrischen Regierung um Hilfe gebeten noch erteilte der UN-Sicherheitsrat ein entsprechendes Mandat. Ankara begründet deshalb den Einmarsch mit dem Recht auf Selbstverteidigung.

Der wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages kommt aber zu dem Schluss, dass der Einmarsch im Widerspruch zum Völkerrecht stehe. In dem Gutachten, das der dpa vorliegt, heißt es zudem, dass „selbst bei großzügiger Auslegung“ kein Recht auf Selbstverteidigung zu erkennen sei.

Waffenruhe gebrochen

Nach einer am Donnerstag verkündeten Waffenruhe hatten sich die Kurdenmilizen und die Türkei gegenseitig einen Bruch der Vereinbarung vorgeworfen. Aktivisten meldeten danach vereinzelte Kämpfe. Nach Angaben des Kurdischen Roten Halbmonds kamen seit Verkündung der Waffenruhe mindestens 20 Zivilisten ums Leben. Unklar blieb, ob diese bei Gefechten seit Beginn der Waffenruhe getötet wurden oder Verletzungen erlagen, die sie vorher erlitten hatten.


This picture taken on October 18, 2019 from the Turkish side of the border in Ceylanpinar shows smoke rising from the Syrian town of Ras al-Ain on the first week of Turkey's military operation against Kurdish forces. - Sporadic clashes between Turkish forces and Kurdish groups were ongoing in a battleground Syrian border town on October 18, a monitor said, despite Ankara's announcement of a five-day truce. (Photo by Ozan KOSE / AFP)
Beschuss trotz Waffenruhe: Erdogan erwartet vollständigen Kurden-Rückzug
Präsident Erdogan erwartet den Rückzug der kurdischen Kämpfer entlang der kompletten syrisch-türkischen Grenze - doch trotz Waffenruhe scheinen die Angriffe auf das Kurdengebiet nicht aufgehört zu haben.

Nach Angaben aus Ankara wurde trotz der Waffenruhe auch ein türkischer Soldat durch Beschuss der Kurdenmiliz YPG getötet. Ein weiterer sei bei dem Angriff in der Region um Tall Abjad verletzt worden, teilte das Verteidigungsministerium am Sonntag mit. Die Soldaten seien bei einer „Aufklärungs- und Überwachungsmission“ unter anderem mit Panzerabwehrwaffen beschossen worden.

Die Türkei wies den Vorwurf der Menschenrechtsorganisation Amnesty International zurück, bei dem Angriff Kriegsverbrechen begangen zu haben. Es handele sich um „gegenstandslose Behauptungen“, die Teil einer Diffamierungskampagne gegen den türkischen Anti-Terror Kampf seien, teilte das türkische Außenministerium mit. Amnesty hatte der türkischen Armee und deren verbündeten Rebellen „rücksichtslose Angriffe auf Wohngebiete“ vorgeworfen, bei denen Zivilisten getötet und verletzt würden. Pro-türkische Rebellen sollen zudem eine syrisch-kurdische Politikerin geschlagen und erschossen haben.  


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