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Harris vs. Biden: US-Demokraten liefern sich spannungsreiche Debatte
International 1 4 Min. 28.06.2019 Aus unserem online-Archiv

Harris vs. Biden: US-Demokraten liefern sich spannungsreiche Debatte

Die kalifornische Senatorin Kamala Harris und der frühere Vize-Päsident unter Barack Obama lieferten sich am Donnerstagabend einen Schlagabtausch.

Harris vs. Biden: US-Demokraten liefern sich spannungsreiche Debatte

Die kalifornische Senatorin Kamala Harris und der frühere Vize-Päsident unter Barack Obama lieferten sich am Donnerstagabend einen Schlagabtausch.
Fotos: AFP (links) / ALEX WONG, Getty Images (rechts)
International 1 4 Min. 28.06.2019 Aus unserem online-Archiv

Harris vs. Biden: US-Demokraten liefern sich spannungsreiche Debatte

Dieser Auftritt hatte es in sich: In der zweiten Runde der TV-Debatte bei den Demokraten zeigen sich die Teilnehmer meinungsstark und streitlustig.

(dpa/SC) - In der zweiten TV-Debatte der demokratischen Präsidentschaftsbewerber für die Wahl 2020 haben sich die Kandidaten hitzige und emotionale Auseinandersetzungen geliefert. Den stärksten Moment der Diskussion am Donnerstagabend in Miami konnte die Senatorin Kamala Harris für sich verbuchen, als sie den Ex-Vizepräsidenten und Spitzenreiter Joe Biden scharf für Positionen bei der Integration von Schwarzen angriff.


White House Weiße Haus Weisse Haus Washington
Der Gegner heißt vorerst nicht Trump
Insgesamt 24 demokratische Bewerber drängen ins Weiße Haus. Nun treffen sie bei einer TV-Debatte erstmals aufeinander.

Insgesamt hatte diese zweite Runde der TV-Debatte mehr Feuer als die erste am Mittwoch: Die Kandidaten gerieten öfters aneinander und auch die Attacken auf den republikanischen Amtsinhaber Donald Trump waren schärfer als am Vortag.

Die zwei Runden waren notwendig geworden, weil das Feld bei den Demokraten so groß ist. Insgesamt 25 Bewerber schicken sich an, Trump bei der eigentlichen Wahl im November 2020 als Kandidat oder Kandidatin herauszufordern.

Mehr Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur hatte die Partei in dem Vorwahlprozess noch nie und die TV-Debatten sind eine Gelegenheit, sich einem nationalen Publikum unter Beweis zu stellen. Zehn Kandidaten hatten dazu am Mittwoch die Gelegenheit, zehn weitere am Donnerstag. Die übrigen fünf hatten sich nicht qualifiziert. In der ersten Debatte am Mittwoch traten Cory Booker, Elizabeth Warren, Beto O’Rourke, Amy Klobuchar, John Delaney, Tulsi Gabbard, Julián Castro, Tim Ryan, Jay Inslee und der Bürgermeister New Yorks, Bill de Blasio, gegeneinander an.

(V.l.n.r.): Bei der zweiten Runde der demokratischen Präsidentschaftsdebatte waren Andrew Yang, Pete Buttigieg, Joe Biden, Sen. Bernie Sanders, Sen. Kamala Harris und Sen. Kirsten Gillibrand vertreten.
(V.l.n.r.): Bei der zweiten Runde der demokratischen Präsidentschaftsdebatte waren Andrew Yang, Pete Buttigieg, Joe Biden, Sen. Bernie Sanders, Sen. Kamala Harris und Sen. Kirsten Gillibrand vertreten.
Foto: AFP

Bei der zweiten Runde in Miami trafen die Schwergewichte des Feldes aufeinander. Mit Joe Biden (76), dem linken Senator Bernie Sanders (77), Senatorin Kamala Harris (56) und dem Bürgermeister der Stadt South Bend in Indiana, Pete Buttigieg (37), standen vier der fünf Kandidaten auf der Bühne, die in Umfragen vorne liegen.


US President Donald Trump speaks to the media prior to departing on Marine One from the South Lawn of the White House in Washington, DC, June 22, 2019, as he travels to Camp David, Maryland. - Trump said Iran was ìvery wise ì not to shoot down the manned plane when it downed the drone and ìwe appreciate ì that move. (Photo by SAUL LOEB / AFP)
Trumps zweite Staffel
Über Trumps Bewerbung um den Wiedereinzug ins Weiße Haus.

Mit Spannung war erwartet worden, ob die anderen Bewerber sich auf Biden einschießen würden, um dem Spitzenreiter zu schaden. Denn der Vize liegt in Umfragen deutlich vorne. Zu Beginn der Debatte bestanden die schärfsten Angriffe aber zunächst aus Attacken auf Donald Trump. So bezeichnete Sanders den Republikaner als „pathologischen Lügner“ und „Rassisten“.

Eine frühe Auseinandersetzung lieferten sich die Kandidaten beim Thema Gesundheitssystem. Sanders verteidigte lautstark seine Idee von „Medicare for All“, also einem Ausbau der staatlichen Krankenversicherung für alle. Biden und andere Vertreter des moderaten Flügels machten sich dagegen für eine Verbesserung des bestehenden Systems stark.

An dieser Stelle offenbarte die Debatte die tiefen Gegensätze zwischen dem linken Flügel mit Sanders als lautestem Vertreter und dem moderaten Teil, zu dem Biden zählt. Manche Beobachter hatten erwartet, dass die Debatte vor allem ein Duell zwischen den beiden werden könnte. Aber Kamala Harris stahl Sanders die Show.

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Die Senatorin aus Kalifornien attackierte Biden in der zweiten Hälfte der Debatte für dessen Bemerkungen über zwei Senatoren, die Anhänger der Trennung zwischen Schwarzen und Weißen waren, sowie seine frühere Position bei der Integration afroamerikanischer Schüler.

Biden hatte sich vor Kurzem bei einer Spendengala dazu geäußert, wie er zu Beginn seiner Karriere im Senat mit zwei Abgeordneten, die Befürworter der Rassentrennung waren, zusammengearbeitet habe, obwohl er mit ihnen nicht übereingestimmt habe. Biden führte dies als Beispiel dafür an, warum überparteiliche Zusammenarbeit wichtig sei, um Probleme zu lösen. Er erntete dafür scharfe Kritik. Harris nannte die Aussagen am Donnerstag „verletzend“.

Die Senatorin kritisierte den früheren Vize zudem dafür, dass er in den 1970ern die Praxis des „busing“ abgelehnt habe - bei dem Kinder zu Schulen in anderen Bezirken gefahren wurden, um die Integration vor allem schwarzer Schüler zu ermöglichen und die Trennung zwischen Schwarzen und Weißen aufzuheben. Harris verknüpfte dies mit ihrer eigenen Biografie: Sie selbst habe als kleines Mädchen in einem solchen Bus gesessen, erklärte sie.

Die demokratischen Präsidentschaftskandidaten, der ehemalige Vizepräsident Joe Biden (l) und Senatorin Kamala Harris, debattieren während der Sendung von NBC News mit der zweiten Debatte zur Auswahl des demokratischen Kandidaten für die US-Präsidentschaftswahl 2020 im Adrienne Arsht Center for the Performing Arts, während Kandidat Senator Bernie Sanders zuhört.
Die demokratischen Präsidentschaftskandidaten, der ehemalige Vizepräsident Joe Biden (l) und Senatorin Kamala Harris, debattieren während der Sendung von NBC News mit der zweiten Debatte zur Auswahl des demokratischen Kandidaten für die US-Präsidentschaftswahl 2020 im Adrienne Arsht Center for the Performing Arts, während Kandidat Senator Bernie Sanders zuhört.
Foto: Al Diaz/TNS via ZUMA Wire/dpa

Biden wies die Kritik zurück und warf Harris vor, seine Positionen falsch dargestellt zu haben. Der Sender NBC News zeigte die Szene als dramatischen „Split Screen“-Moment, also in einem geteilten Bildschirm: links Biden, rechts Harris.


(FILES) In this file photo taken on November 7, 2013, a banner with the logo of Twitter is set on the front of the New York Stock Exchange in New York. - Twitter said on June 27, 2019, it would label and deprioritize tweets from politicians that break its rules -- in a move that could affect the prodigious output of US President Donald Trump. "In the past, we've allowed certain tweets that violated our rules to remain on Twitter because they were in the public's interest, but it wasn't clear when and how we made those determinations," the company said in a blog post. (Photo by Emmanuel DUNAND / AFP)
Twitter führt Kennzeichnung für regelwidrige Politiker-Tweets ein
Twitter ist eines der beliebtesten Werkzeuge von US-Präsident Donald Trump - nun führt der Kurznachrichtendienst eine Kennzeichnung für regelwidrige Politiker-Tweets ein.

Ohnehin hatte Harris mehrere starke Momente - etwa als sie sich beim Thema Einwanderung geschickt von den massenhaften Abschiebungen unter dem demokratischen Präsidenten Barack Obama abgrenzte - und damit auch von Biden, der die Politik Obamas als dessen Vize mitgetragen hatte.

Einen weiterer Höhepunkt lieferte die Debatte, als die Moderatorin Savannah Guthrie von den Teilnehmern wissen wollte, ob ihre Pläne für die Krankenversicherung Einwanderer ohne Papiere einschließen würden. Alle zehn hoben daraufhin ihre Hände.

Trump schlachtete dies sogleich auf Twitter aus. „Alle Demokraten haben gerade ihre Hände dafür gehoben, Millionen illegalen Ausländern unbegrenzte medizinische Versorgung zu geben. Wie wäre es damit, zuerst einmal für amerikanische Staatsbürger zu sorgen!?“, schrieb er. Bei einem bilateralen Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am Rande des G20-Gipfels in Japan sagte der Präsident, er freue sich darüber, Zeit mit Merkel zu verbringen, statt die TV-Debatte schauen zu müssen.

Trump hatte seinen Wahlkampf für eine Wiederwahl 2020 offiziell in der vergangenen Woche eröffnet - ebenfalls in Florida.

Die Vorwahlen, bei denen der Kandidat oder die Kandidatin der Demokraten gegen Trump für die eigentliche Wahl am 3. November 2020 bestimmt wird, beginnen erst im Februar im Bundesstaat Iowa. Bei den Republikanern gibt es außer Trump bislang nur einen weiteren Kandidaten, der für die Partei in die Wahl ziehen will. Dabei handelt es sich um den früheren Gouverneur des US-Bundesstaats Massachusetts, Bill Weld. Ihm werden aber keine nennenswerten Chancen eingeräumt, Trump die Kandidatur der Republikaner streitig zu machen.


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Eigentlich wollte Russland-Sonderermittler Robert Mueller nicht mehr öffentlich über seine Untersuchung sprechen, nun aber erklärt er sich zu einer Befragung bereit - sehr zum Missfallen von Donald Trump.
(FILES) In this file photo taken on May 29, 2019 Special Counsel Robert Mueller leaves after speaking on the investigation into Russian interference in the 2016 Presidential election, at the US Justice Department in Washington, DC. - US Special Counsel Robert Mueller has agreed to testify on July 17 on his report into Russian interference in the 2016 presidential election, the House Judiciary and Intelligence Committees said late June 25, 2019. (Photo by MANDEL NGAN / AFP)