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Halle: Zwei Menschen vor Synagoge erschossen
International 5 Min. 09.10.2019

Halle: Zwei Menschen vor Synagoge erschossen

Polizisten sichern die Umgebung. Bei Schüssen sind nach ersten Erkenntnissen zwei Menschen getötet worden.

Halle: Zwei Menschen vor Synagoge erschossen

Polizisten sichern die Umgebung. Bei Schüssen sind nach ersten Erkenntnissen zwei Menschen getötet worden.
Sebastian Willnow/dpa-Zentralbil
International 5 Min. 09.10.2019

Halle: Zwei Menschen vor Synagoge erschossen

Unbekannte erschießen mitten in Halle zwei Menschen und flüchten. Ein Opfer liegt vor einer Synagoge, zudem wurde ein Döner-Imbiss angegriffen.

(dpa) -  Schwer bewaffnete Täter haben mitten in Halle/Saale zwei Menschen erschossen und die Flucht ergriffen. Die Stadt Halle sprach am Mittwoch von einer „Amoklage“.

Ein Todesopfer lag gegenüber einer Synagoge, über das zweite gab es noch keine gesicherten Informationen. Ein Täter soll aber in einen nahe gelegenen Döner-Imbiss geschossen haben, wie mehrere Augenzeugen berichteten. Die Gegend um das Lokal - etwa 600 Meter entfernt von der Synagoge - war abgesperrt.

Ein schwer bewaffneter Täter hat nach Angaben des Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Halle, Max Privorozki, die Synagoge direkt angegriffen. „Wir haben über die Kamera unserer Synagoge gesehen, dass ein schwer bewaffneter Täter mit Stahlhelm und Gewehr versucht hat, unsere Türen aufzuschießen“, sagte Privorozki der „Stuttgarter Zeitung“ und den „Stuttgarter Nachrichten“. „Aber unsere Türen haben gehalten.“

Blick auf den Friedhof und die Synagoge der Jüdischen Gemeinde in Halle/Saale.
Blick auf den Friedhof und die Synagoge der Jüdischen Gemeinde in Halle/Saale.
Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Außerdem hätten der oder die Täter versucht, das Tor des benachbarten jüdischen Friedhofs aufzuschießen, sagte Privorozki. In der Synagoge habe die Gemeinde den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur gefeiert. Der „Tag der Sühne“ steht ganz im Zeichen von Umkehr und Versöhnung und  beginnt traditionell mit einem gemeinsamen Gebet in der Synagoge.  

Die Menschen seien geschockt gewesen. Vor der Tür habe ein Todesopfer des Angreifers gelegen. „Wir haben die Türen von innen verbarrikadiert und auf die Polizei gewartet.“

Zunächst meldete die Polizei am Mittwoch, mehrere bewaffnete Täter seien mit einem Auto auf der Flucht.  

Die Stadt rief die Menschen überall in Halle dazu auf, in Sicherheit in Gebäuden zu bleiben. Um kurz nach 18 Uhr kam dann über Twitter vorerst eine Entwarnung, die Polizei schätze die Gefährdungslage für die Bevölkerung mittlerweile nicht mehr als akut ein. 

Die Polizei in Bayern bereitet sich darauf vor, dass ein bewaffneter Gewalttäter von Halle auf seiner Flucht auch in den Freistaat kommen könnte. „Wir stellen uns auf einen bewaffneten Täter ein“, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken am Mittwoch auf dpa-Anfrage. Über die Art und den Umfang der Vorbereitungen wollte er keine Angaben machen.

Zuvor hatte es Berichte gegeben, wonach ein bewaffneter Täter aus Halle in Sachsen-Anhalt mit dem Auto auf der Flucht in Richtung Süden unterwegs sei. Der Polizeisprecher bestätigte aber nicht, dass es Hinweise auf eine Flucht nach Bayern gebe. Die bayerische Polizei treffe die gleichen Vorbereitungen wie auch Kollegen etwa in Hessen und Thüringen - es handele sich um ein standardisiertes Prozedere.  

Ein bewaffneter Angreifer geht durch die Straßen von Halle/Saale.
Ein bewaffneter Angreifer geht durch die Straßen von Halle/Saale.
Foto: Andreas Splett / ATV-Studio Halle / AFP

Am frühen Nachmittag meldete die Polizei die Festnahme einer Person, ohne Details zu nennen.  

Laut Spiegel Online sei einer der Verdächtigen im Taxi geflohen und dann von der Polizei auf der Autobahn gestoppt worden. „Bleiben Sie trotzdem weiterhin wachsam“, twitterte die Polizei. Die Gegend im Paulusviertel in Halle wurde großräumig abgesperrt. Über der Stadt kreiste ein Polizeihubschrauber.    

Ein Polizeisprecher sagte dem „Spiegel“, ein Mann sei in einem Imbiss getötet worden. Das andere Opfer in der Nähe der Synagoge sei eine Frau. Auf dpa-Anfrage wollte die Polizei zu den Opfern zunächst nichts offiziell sagen, weder zum Geschlecht, noch wo sie gefunden wurden.  

Auf ihrer Flucht hätten die Täter laut Medienberichten versucht, einen Sprengsatz in einen Dönerladen zu werfen. Ein Augenzeuge sagte, der Sprengsatz sei am Türrahmen abgeprallt.  

Auch ein Dönerladen wurde offenbar Ziel des Anschlags.
Auch ein Dönerladen wurde offenbar Ziel des Anschlags.
Sebastian Willnow/dpa-Zentralbil

Nach den Schüssen von Halle/Saale haben Medien Bilder des angeblichen Täters veröffentlicht. Die in Halle erscheinende „Mitteldeutsche Zeitung“ zeigte am Mittwoch ein Foto, auf dem ein dunkel gekleideter Mann mit Helm und Stiefeln zu sehen ist, der ein Gewehr im Anschlag hat.

Der Mitteldeutsche Rundfunk zeigte ein Video, auf dem womöglich derselbe Mann aus einem Auto aussteigt und mehrfach seine Waffe abfeuert.  

Die Stadt teilte am frühen Nachmittag mit: „Im Zusammenhang mit einer Amoklage hat Oberbürgermeister Dr. Bernd Wiegand den Stab für Außergewöhnliche Ereignisse einberufen.“ Alle Rettungskräfte der Feuerwehr seien in Alarmbereitschaft versetzt worden. Die Polizei zog seit den Mittagsstunden alle verfügbaren Kräfte in Sachsen-Anhalt ab und verlegte sie nach Halle.  

Auch in Landsberg, rund 15 Kilometer von Halle entfernt, gab es Schüsse, bestätigte eine Polizeisprecherin in Halle. Zu den näheren Umständen des Vorfalls in dem Ort wollte sie zunächst nichts sagen. Die Zufahrt zu dem Ortsteil Wiedersdorf war am Mittwoch abgesperrt. 

Mehrere Mannschaftswagen der Polizei, darunter auch Fahrzeuge aus Sachsen, waren vor Ort. Auch zwei Krankenwagen waren zu sehen. Am Mittwochnachmittag gegen 16.00 Uhr landetet auf einem Feld bei Wiedersdorf nach Angaben eines dpa-Reporters zudem ein Hubschrauber der Bundespolizei. Angaben zu den Hintergründen machte die Polizei nicht. Sie verwies auf die Zuständigkeit der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe, die die Ermittlungen übernommen hat.

Polizisten sichern die Umgebung von Wiedersdorf/Landsberg. Neben den Schüssen in Halle hat es auch Schüsse im rund 15 Kilometer entfernten Landsberg (Saalekreis) gegeben.
Polizisten sichern die Umgebung von Wiedersdorf/Landsberg. Neben den Schüssen in Halle hat es auch Schüsse im rund 15 Kilometer entfernten Landsberg (Saalekreis) gegeben.
Foto: Jan Woitas/dpa

Der Generalbundesanwalt zog die Ermittlungen an sich. Auch ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte in Berlin, die Hintergründe der Tat seien noch nicht bekannt. Die Polizei warnte vor Spekulationen.    

Der Bahnhof von Halle wurde wegen polizeilicher Ermittlungen gesperrt. Das teilte das Unternehmen über Twitter mit. Es komme zu Verspätungen.

Auch andernorts verstärkt die Polizei derzeit ihre Präsenz vor kirchlichen Einrichtungen. So hat die Leipziger Polizei ihre Kräfte vor der Synagoge der benachbarten Stadt verschärft. Einer dpa-Reporterin zufolge stehen etwa fünf Polizisten vor dem Gebäude in der Innenstadt, davon sind mit Maschinenpistolen bewaffnet.

Polizisten stehen mit automatischen Waffen vor der Synagoge in Dresden.
Polizisten stehen mit automatischen Waffen vor der Synagoge in Dresden.
Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/d

 Weitere Maßnahmen seien bislang noch nicht getroffen worden, so ein Sprecher. Man wolle das weitere Geschehen abwarten und dann entscheiden. Das für Mittwochabend vorgesehene Lichterfest anlässlich des 30. Jahrestages der friedlichen Revolution in Leipzig finde wie geplant statt.

Auch vor der Synagoge in Dresden wurde nach Angaben der Polizei der Polizeischutz erhöht.

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte in Berlin, die Bundesregierung hoffe, dass der Täter oder die Täter schnell gefasst würden. Die Gedanken gingen „an die Freunde und die Familien der Todesopfer“, sagte er. 

Im Europaparlament wurde am Mittwochnachmittag mit einer Schweigeminute der Opfer gedacht. In Gedanken sei man bei Deutschland, der deutschen Polizei und bei der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland, sagte Parlamentspräsident David Sassoli.

Halle: Absperrband der Polizei ist in einer Hauptstraße vor Einsatzfahrzeugen zu sehen.
Halle: Absperrband der Polizei ist in einer Hauptstraße vor Einsatzfahrzeugen zu sehen.
Foto: Swen Pförtner/dpa

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff hat derweil einen Besuch bei der EU in Brüssel abgebrochen. Der CDU-Politiker verkürze seinen Aufenthalt und komme eher nach Sachsen-Anhalt zurück, sagte ein Regierungssprecher am Mittwoch. 

Haseloff hatte eigentlich mit Vertretern anderer Kohleregionen aus ganz Europa und EU-Vertretern über den Strukturwandel sprechen wollen. Landesinnenminister Holger Stahlknecht (CDU) unterbricht wegen der Tat in Halle seinen Urlaub und kehrt nach Magdeburg zurück, wie ein Ministeriumssprecher sagte. 


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