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Großbritannien verhandelt doch über Handelsabkommen
International 2 Min. 21.10.2020

Großbritannien verhandelt doch über Handelsabkommen

Michel Barnier gibt die Hoffnung auf ein Abkommen nicht auf.

Großbritannien verhandelt doch über Handelsabkommen

Michel Barnier gibt die Hoffnung auf ein Abkommen nicht auf.
Foto: AFP
International 2 Min. 21.10.2020

Großbritannien verhandelt doch über Handelsabkommen

Am Freitag noch hatte die britische Regierung die Verhandlungen mit Brüssel über ein Handelsabkommen für beendet erklärt. Jetzt gehen sie doch weiter .

(dpa) - Großbritannien will die gestoppten Gespräche über einen Brexit-Handelsvertrag mit der Europäischen Union nun doch fortsetzen. Dies teilte die britische Regierung am Mittwochnachmittag in London mit. Damit wächst die Chance wieder, dass ein harter wirtschaftlicher Bruch mit Zöllen und Handelshemmnissen zum Jahreswechsel vermieden werden kann.

Nach monatelangem Streit hatte der britische Premierminister Boris Johnson der EU am Freitag vorgeworfen, sie wolle gar kein Abkommen. Deshalb erwarte er einen Bruch ohne Vertrag - es sei denn, die EU ändere ihre Haltung fundamental.

David Frost hatte am Mittwoch eine Unterredung mit Michel Barnier.
David Frost hatte am Mittwoch eine Unterredung mit Michel Barnier.
Foto: AFP

Die Rückkehr an den Verhandlungstisch begründete die britische Regierung jetzt mit einer Rede des EU-Unterhändlers Michel Barnier am Mittwochvormittag. Barnier habe für Großbritannien wichtige Punkte anerkannt, unter anderem den Respekt für die Souveränität Großbritanniens. Darüber hätten Barnier und der britische Unterhändler David Frost am Mittwochnachmittag gesprochen. „Auf der Grundlage dieses Gesprächs sind wir bereit, das EU-Team in London zu empfangen, um die Verhandlungen im Laufe der Woche fortzusetzen“, hieß es in der Mitteilung der britischen Regierung.

Barnier hatte London am Morgen bei einer Rede im Europaparlament erneut intensive Verhandlungen angeboten und erklärt: „Ich denke, ein Abkommen ist in Reichweite, wenn wir von beiden Seiten bereit sind, konstruktiv und im Geist des Kompromisses zu arbeiten.“ Und er fügte hinzu: „Unsere Tür bleibt offen bis zum letzten Tag, bis zum letzten Tag, an dem es noch etwas nützt.“

Die Zeit drängt

Aus EU-Sicht bleiben nur noch zwei bis drei Wochen, weil ein Vertrag danach noch ratifiziert werden müsste. Auch die britische Seite signalisiert Interesse an einer schnellen Einigung, denn die Wirtschaft auf beiden Seiten wird nervös. Befürchtet werden ein Rückgang des Handels, eine Unterbrechung von Lieferketten und der Verlust Zehntausender Jobs durch Zölle und Verzögerungen an den Grenzen


Britain's Prime Minister Boris Johnson leaves 10 Downing Street to attend the weekly cabinet meeting in London on October 13, 2020 held at the Foreign, Commonwealth and Development Office. - The British government faced renewed pressure on October 13 over its latest coronavirus strategy, after England's chief medical officer said he was "not confident" it could reverse a sustained surge in cases. (Photo by Daniel LEAL-OLIVAS / AFP)
Johnson: Briten müssen sich auf "harten" Brexit einstellen
Der britische Premier scheint aufs Ganze gehen zu wollen. Doch es bleibt eine Hintertür.

EU-Ratschef Charles Michel sagte ebenfalls im EU-Parlament: „Brexit heißt Brexit, (...) aber Brexit heißt auch, sich zu entscheiden.“ Die EU wolle eine Einigung, aber nicht um jeden Preis. Sie biete Zugang zu ihrem Binnenmarkt, bestehe aber auf fairem Wettbewerb. „Wir brauchen Lösungen, die mit unseren Prinzipien in Einklang zu bringen sind“, sagte Michel.

Die britischen Wähler hatten 2016 mit knapper Mehrheit für den EU-Austritt gestimmt. Großbritannien hatte die EU dann Ende Januar 2020 verlassen, ist aber während einer Übergangszeit bis zum Jahresende noch Mitglied im EU-Binnenmarkt und in der Zollunion. Erst dann kommt der wirtschaftliche Bruch.     

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