Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Großbritannien: 39 Leichen in Lastwagen gefunden
International 2 Min. 24.10.2019

Großbritannien: 39 Leichen in Lastwagen gefunden

Polizisten arbeiten im Waterglade Industrial Park, nachdem 39 Leichen in einem Lastwagen-Sattelauflieger im Industriegebiet gefunden wurden.

Großbritannien: 39 Leichen in Lastwagen gefunden

Polizisten arbeiten im Waterglade Industrial Park, nachdem 39 Leichen in einem Lastwagen-Sattelauflieger im Industriegebiet gefunden wurden.
Stefan Rousseau/PA Wire/dpa
International 2 Min. 24.10.2019

Großbritannien: 39 Leichen in Lastwagen gefunden

Mehrere Dutzend Leichen sind in einem Lkw-Sattelauflieger in England gefunden worden. Das Fahrzeug soll aus Bulgarien kommen.

(dpa/TJ) - Grausiger Fund: Britische Rettungskräfte haben 39 Leichen in einem Lastwagen-Sattelauflieger entdeckt. Bei den Toten handelt es sich der Polizei zufolge um 38 Erwachsene und einen Teenager. Die Leichen lagen in einem großen, weißen Sattelauflieger in einem Industriegebiet in Grays östlich von London. Zunächst hatte die Polizei von einem Container gesprochen. 

Die Polizei nahm einen 25 Jahre alten Mann aus dem britischen Nordirland fest. Er steht unter Mordverdacht. „Wir glauben, dass der Lastwagen aus Bulgarien kommt“, teilte ein Polizist am Mittwoch mit. Die Leichen werden obduziert. „Ich vermute, das könnte ein langwieriger Prozess werden.“ Ob es sich bei den Opfern um ins Land geschleuste Migranten handelt, wurde zunächst nicht offiziell bestätigt. Doch deuten viele Umstände darauf hin.


(FILES) In this file photo taken on August 11, 2019, a crew member of the 'Ocean Viking' rescue ship, operated by French NGOs SOS Mediterranee and Medecins sans Frontieres (MSF), stands ready on board of a "rib", an inflatable dinghy, as they approach another inflatable boat carrying some 81 migrants, during a rescue operation in the Mediterranean Sea. - EU powers France, Germany and Italy, along with smaller member Malta, will on October 8, 2019 seek to rally the rest of the European bloc to a joint scheme they have come up with to distribute migrants saved at sea. (Photo by Anne CHAON / AFP)
80.000 Menschen über Mittelmeer nach Europa gekommen
Wie das UN-Flüchtlingshilfswerk berichtet, sind zwischen Januar und September 2019 mehr als 80.000 Menschen über das Mittelmeer nach Europa gekommen.

Jedes Jahr werden Tausende von Migranten illegal nach Großbritannien gebracht, vor allem in Lastwagen oder mit Schiffen und Booten. Vor 19 Jahren fand die Polizei 58 tote Chinesen in einem Lastwagen-Anhänger im englischen Hafen von Dover am Ärmelkanal.

Die Sanitäter hatten die Polizei gegen 2.40 Uhr (MESZ) in der Nacht zum Mittwoch informiert. Sie konnten aber niemandem mehr helfen. Die Polizei sprach von einer „Tragödie“. Wer die Rettungskräfte alarmiert hatte, war zunächst nicht bekannt.

Ein Polizeiauto eskortiert den Lastwagen mit Sattelauflieger, in dem 39 Leichen entdeckt wurden.
Ein Polizeiauto eskortiert den Lastwagen mit Sattelauflieger, in dem 39 Leichen entdeckt wurden.
Foto: AFP/Ben Stansall

Das Fahrzeug sei per Schiff von Belgien ins englische Purfleet gekommen, wie die Polizei am Nachmittag mitteilte. Purfleet liegt nahe des Fundorts. Zunächst gingen die Ermittler davon aus, dass der Lkw über Irland in den britischen Landesteil Wales kam.

Gemeldet war der Lkw seit 2007 in der bulgarischen Hafenstadt Warna am Schwarzen Meer, wie Bulgariens Ministerpräsident Boiko Borissow dem Sender BTV sagte. Seitdem sei das Fahrzeug nicht mehr im Land gewesen. Nach Angaben eines bulgarischen Frachtverbandes ist dies aus Steuergründen nicht unüblich.

Premier Boris Johnson schrieb auf Twitter, er sei „entsetzt“. Innenministerin Priti Patel teilte mit: „Ich bin geschockt und traurig über diesen äußerst tragischen Vorfall in Grays.“    

Der Fund erinnert an andere grausige Fälle von Schlepperkriminalität mit dem Ziel Europa: Im Februar 2017 waren 69 Migranten in Libyen vier Tage lang in einem Container eingepfercht. 13 von ihnen kamen ums Leben, unter ihnen ein 13 Jahre altes Mädchen und ein 14-jähriger Junge. Für internationales Aufsehen sorgte auch ein Fall im August 2015 in Österreich. 71 tote Flüchtlinge, darunter vier Kinder, wurden in einem Kühllaster aus Ungarn südlich von Wien gefunden.


71 Tote im Kühllaster: Lebenslänglich für Fahrer und Komplizen
Juristischer Schlusspunkt in einem grausigen Fall von Schlepperkriminalität: 71 Menschen mussten im August 2015 qualvoll sterben, weil den Schleusern ihr Leben nicht viel wert war.

Sprunghaft gestiegen ist die Zahl der Migranten, die versuchen, in Schiffen oder kleinen Booten über den Ärmelkanal nach Großbritannien zu gelangen. Im Jahr 2018 haben dem Innenministerium zufolge weit über 500 Menschen probiert, die Meeresenge illegal zu überqueren. Von November bis Sommer 2019 waren es schon über 1000. Ein Mann hatte sogar versucht, den Ärmelkanal mit Taucherflossen zu durchschwimmen.

Die Meeresenge ist einer der weltweit befahrensten Seewege und daher besonders gefährlich. Angeblich werden viele Migranten von Schleppern unter Druck gesetzt, die Überfahrt noch vor dem Brexit zu machen. Danach, so die Ansage, würden die Kontrollen weiter verschärft. Aber auch das milde Wetter gilt als Grund für eine Häufung der Fälle.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Schwere Unruhen im Flüchtlingslager Moria
Experten warnten seit Wochen vor einer solchen Entwicklung, jetzt ist sie eingetreten: Im überfüllten Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos kam es am Sonntagabend zu schweren Ausschreitungen. Die Lage bleibt explosiv.
TOPSHOT - A man holds a boy during clashes with police outside the refugee camp of Moria on the Greek island of Lesbos, on September 29, 2019. - At least one migrant died on September 29, 2019, after a fire broke out in Moria, the over-crowded refugee camp on the Greek island of Lesbos, Greece's Health Ministry said. Police were firing tear gas to control crowds who started rioting after the fire ignited inside the camp, according to an AFP correspondent. (Photo by ANGELOS TZORTZINIS / AFP)
Lust auf noch mehr Wort?
Lust auf noch mehr Wort?
7 Tage gratis testen
E-Mail-Adresse eingeben und alle Inhalte auf wort.lu lesen.
Fast fertig...
Um die Anmeldung abzuschließen, klicken Sie bitte auf den Link in der E-Mail, die wir Ihnen gerade gesendet haben.