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Griechenland: Hunderte Flüchtlinge reißen aus Hotspot aus
International 2 Min. 01.04.2016 Aus unserem online-Archiv

Griechenland: Hunderte Flüchtlinge reißen aus Hotspot aus

Die Registrierzentren, hier auf der griechischen Insel Lesbos, sind umzäunt.

Griechenland: Hunderte Flüchtlinge reißen aus Hotspot aus

Die Registrierzentren, hier auf der griechischen Insel Lesbos, sind umzäunt.
Reuters
International 2 Min. 01.04.2016 Aus unserem online-Archiv

Griechenland: Hunderte Flüchtlinge reißen aus Hotspot aus

Kerstin SMIRR
Kerstin SMIRR
Die Lage in Griechenland ist angespannt. Auf der Insel Chios haben Hunderte Flüchtlinge den Maschendrahtzaun eines Registrierzentrums durchbrochen, nachdem es dort zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen war.

(dpa) - Wenige Tage vor Beginn der geplanten Flüchtlingsrückführung in die Türkei sind in Griechenland Hunderte Migranten aus einem Auffanglager ausgebrochen. Wie die Zeitung „Ta Nea“ auf ihrer Internetseite berichtete, durchschnitten sie am Freitag den Maschendrahtzaun um das Lager auf der Insel Chios und machten sich auf den Weg Richtung Inselhafen. Ihr Leben sei in dem „Hotspot“ nicht mehr sicher, sagten sie.

In der Nacht waren dort nach blutigen Auseinandersetzungen zwischen Syrern und Afghanen zwei Männer mit Stichverletzungen ins Krankenhaus gekommen. Die Hilfsorganisation Ärzte der Welt zog ihr Team zunächst aus dem Lager ab. Bei den Krawallen war auch das Zelt zur medizinischen Versorgung der Flüchtlinge zerstört worden.

Nach einer Vereinbarung der EU mit der Türkei sollen - nach der Zustimmung des Parlaments in Athen - ab dem 4. April Flüchtlinge von Griechenland in die Türkei zurückgebracht werden. Für jeden Syrer, den die EU abschiebt, soll ein anderer Syrer auf legalem Wege in die EU kommen - die Union rechnet mit bis zu 72.000 Personen.

Das Lager auf Chios ist für 1200 Menschen ausgelegt, Berichten zufolge waren es zuletzt 1500. Dumpfe Schläge und laute Rufe ertönten nachts aus dem „Hotspot“, bis die Polizei anrückte. Die Behörden auf Chios forderten von Athen Bereitschaftspolizisten zur Verstärkung, weil es mittlerweile fast jeden Tag zu Ausschreitungen kommt.

Flüchtlinge in Registrierzentren quasi inhaftiert

Journalisten haben keinen Zutritt mehr zu den Registrierungszentren - schon gar nicht auf den Inseln, wo die Migranten seit Inkrafttreten des Flüchtlingspakts am 20. März quasi inhaftiert werden.

Eine Familie in Idomeni wärmt sich am Feuer.
Eine Familie in Idomeni wärmt sich am Feuer.
REUTERS

Auch im Lager von Idomeni im Norden des Landes reicht nach Einschätzung griechischer Medien „ein Funke“, um die explosive Lage zu entzünden. Dabei zeigt sich die griechische Polizei hier wie andernorts extrem zurückhaltend, selbst wenn sie von den Menschen attackiert wird. „Die Polizei hat den Befehl, so wenig wie möglich einzugreifen“, sagte der stellvertretende Verteidigungsminister Dimitris Vitsas dem Sender Skai. „Unsere erste Aufgabe ist es, die Familien und Kinder zu schützen.“

Im Hafen von Piräus, wo derzeit rund 5600 Flüchtlinge und Migranten wild campieren und in den Wartehallen schlafen, drohte die Lage ebenfalls zu eskalieren. Auch dort griff die Polizei kaum ein, als afghanische und syrische Männer sich mit Steinen bewarfen, Mülltonnen umkippten und sich gegenseitig verletzten. Das Hafengelände soll jetzt nach und nach geräumt werden. Die Menschen am Hafen von Piräus sind nicht von der Rückführung betroffen, weil sie vor dem 20. März in Griechenland ankamen.

52.000 Menschen sitzen in Griechenland fest

Allerdings fühlen sie sich ähnlich wie Flüchtlinge in Idomeni in Griechenland gefangen, seit die mazedonische Grenze geschlossen und damit der Weg nach Norden und Deutschland blockiert ist. Mehr als 52.000 Flüchtlinge haben sich seither nach Angaben des griechischen Flüchtlings-Krisenstabes im Land angesammelt - gut zwei Drittel von ihnen gaben jüngst in einer Umfrage an, nach Deutschland zu wollen.

Menschenrechtsorganisationen sehen die Vereinbarung zwischen der Türkei und den EU-Staaten äußerst kritisch. Nach einem Bericht von Amnesty International soll die Türkei in den vergangenen Wochen massenhaft Flüchtlinge aus Syrien in das Bürgerkriegsland abgeschoben haben. Berlin und Brüssel wollen die Vorwürfe prüfen. „Wir nehmen die Anschuldigungen ernst“, sagte eine Sprecherin der EU-Kommission.

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