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Gipfelporträt: Macrons Mann in Brüssel
International 1 3 Min. 12.12.2019

Gipfelporträt: Macrons Mann in Brüssel

Brüder im Geiste: Der französische Präsident Emmanuel Macron empfing den neuen EU-Ratspräsidenten Charles Michel diese Woche im Élysée-Palast.

Gipfelporträt: Macrons Mann in Brüssel

Brüder im Geiste: Der französische Präsident Emmanuel Macron empfing den neuen EU-Ratspräsidenten Charles Michel diese Woche im Élysée-Palast.
Foto: AFP/Ludovic Marin
International 1 3 Min. 12.12.2019

Gipfelporträt: Macrons Mann in Brüssel

Jörg TSCHÜRTZ
Jörg TSCHÜRTZ
Der neue EU-Ratspräsident Charles Michel absolviert beim EU-Gipfel seinen ersten großen Auftritt. In Belgien gilt der 43-jährige Liberale als geschickter Konsensfinder - kann er auch in der hohen Europapolitik bestehen?

Smart, jung, liberal: Der 43-jährige Belgier Charles Michel zählt wie Xavier Bettel (46) und Emmanuel Macron (41) zur neuen Politiker-Generation in Europa. Seit wenigen Tagen trägt der frühere belgische Regierungschef nun den schweren Umhang des EU-Ratspräsidenten über dem Slim-Fit-Anzug. Beim EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag erfolgt für Michel die Feuerprobe. 


Luxembourg's Prime Minister Xavier Bettel arrives for a European Union Summit at the Europa building in Brussels on December 12, 2019. - European Union leaders meet without Britain on December 12, but their departing neighbour's absence will not make agreeing a budget any easier. Inside the chamber, the clash over climate take Brexit's place as the dominant theme of the summit, the first to be chaired by incoming EU Council president Charles Michel. (Photo by Kenzo TRIBOUILLARD / AFP)
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In seiner neuen Rolle als „Chef der Chefs” könnte der politische Senkrechtstarter – Michel kam schon im Alter von 24 Jahren zu Ministerweihen – endgültig aus dem Schatten seines Vaters Louis, ehemals belgischer Außenminister und EU-Kommissar, heraustreten.

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In Belgien stand Charles Michel gut vier Jahre lang einer Mitte-Rechts-Koalition zwischen seinen französischsprachigen Liberalen des Mouvement Réformateur und drei flämischen Parteien vor. Dem geschickten Konsensfinder gelang es entgegen aller Erwartungen, das fragile Bündnis über die Sprachgrenze hinweg zusammenzuhalten. Im Dezember 2018 fiel das Kabinett Michel dann doch auseinander, nachdem die nationalistische N-VA sich geweigert hatte, den UN-Migrationspakt mitzutragen. 

Der erste Staats- und Regierungschef, der mich gefragt hat, ob ich Interesse an dem Amt hätte, war nicht Macron, sondern Angela Merkel.

Charles Michel

Während die Belgier seit den Parlamentswahlen im Mai auf eine neue Regierung warten, zieht es ihren Ex-Regierungschef nun vom “Mini-Europa” Belgien in die hohe Europapolitik. „Der erste Staats- und Regierungschef, der mich gefragt hat, ob ich Interesse an dem Amt hätte, war nicht Macron, sondern Angela Merkel”, erklärte Michel kürzlich in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung”. Die Aussage kann als Versuch gewertet werden, sein Image als „Macrons Mann in Brüssel” zurechtzurücken. Mit seinem liberalen Verbündeten im Élyséepalast führt der schlanke Hüne, ebenso wie mit dem Luxemburger Xavier Bettel, schon seit längerem eine instagram-taugliche Bromance. 

Auf Instagram inszeniert sich Michel als braver Diener des Volkes - und als Vorzeigepapa:

Allgemein ist Michel ein gekonnter Kommunikant: Auf den sozialen Netzwerken setzt sich der Liberale als fleißiger Diener des Volkes in Szene. Auf dem internationalen Parkett fehlt es dem neuen ranghöchsten Europäer, der in der Vergangenheit oft zu Phrasendrescherei neigte, noch an Profil. Doch auch seinen Amtsvorgängern Donald Tusk und dem anfangs als "blassen Belgier" abgekanzelten Herman van Rompuy gelang es erst mit Fortdauer ihrer Amtszeit, ihre Autorität im Kreis der EU-Staats- und Regierungschefs zu steigern. Michel muss nun auch beweisen, dass er mehr kann als Social Media. 


Xavier Bettel bei seinem Treffen mit Emmanuel Macron im Elysée-Palast.
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An Kaltschnäuzigkeit soll es dem sonst so freundlich auftretenden 43-Jährigen nicht fehlen. Michel habe im Laufe seiner politischen Karriere “die Flinkheit eines Raubtiers gezeigt, das weiß, wie man eine Beute erlegt”, beschrieb ihn sein erbitterter Rivale Olivier Maingain, Politiker der belgischen liberalen Partei DéFI, in einem Zeitungsinterview.

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