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Gipfelauftakt im Zeichen von Spannungen mit den USA
Es gab auch friedliche Demonstrationen gegen die G7. Aktivisten von Oxfam mit Masken der G7-Gipfel Teilnehmer.

Gipfelauftakt im Zeichen von Spannungen mit den USA

Foto: dpa
Es gab auch friedliche Demonstrationen gegen die G7. Aktivisten von Oxfam mit Masken der G7-Gipfel Teilnehmer.
International 3 Min. 08.06.2018

Gipfelauftakt im Zeichen von Spannungen mit den USA

In La Malbaie empfängt Kanadas Premierminister Trudeau G7-Regierungschefs - Handel, Wirtschaftswachstum und Sicherheitspolitik zum Auftakt

Von Gerd Braune (Québec)

Im Zeichen deutlicher Spannungen mit den USA beginnt am Freitag in der kanadischen Kleinstadt La Malbaie am St. Lorenz-Strom das Treffen der Staats- und Regierungschefs der G7-Staaten und der EU-Spitze. Die Vertreter der sieben Staaten und der Europäischen Union werden an den zwei Gipfeltagen über die durch US-Präsident Donald Trump belasteten Handelsbeziehungen, Wirtschaftswachstum und Sicherheitspolitik sprechen.

Noch nie in seiner mehr als 40-jährigen Geschichte war der G7-Gipfel im Vorfeld von so starken Konfrontationen geprägt wie der Gipfel 2018 in der kanadischen Charlevoix-Region, trotz deutlicher Meinungsverschiedenheiten in Zeiten der Administration von George W. Bush. Bei diesem G7 „wird es einige sehr direkte Gespräche über Themen geben, bei denen Meinungsverschiedenheiten bestehen. Dabei denkt man natürlich an die Zölle“, sagte der Gastgeber, Kanadas Premierminister Justin Trudeau, am Mittwoch in Ottawa. Kanada und die EU haben auf die Entscheidung der USA, Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte zu verhängen, ihrerseits mit der Ankündigung von Strafzöllen auf US-Produkte und Klagen bei der WTO reagiert. Alles sei für den Gipfel in La Malbaie vorbereitet, „außer Harmonie“, formulierte der kanadische Rundfunk am Donnerstag.

Brennpunkt internationaler Handel

Trudeau versicherte sich unmittelbar vor dem Treffen der Unterstützung durch wichtige Verbündete in der G7. Wie das Büro des kanadischen Premierministers Justin Trudeau berichtete, hatte Trudeau unmittelbar vor dem Gipfel noch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel telefoniert. Dabei hätten beide Politiker ihr Festhalten an einem „offenen, auf Regeln basierenden internationalen Handel“ bekräftigt. Dies ist als erneute Absage an Abschottung und Strafzölle zu verstehen, wie sie unter Präsident Donald Trump von den USA betrieben werden.

Kanzlerin Merkel wird erst am Freitagmorgen von Berlin abfliegen und gegen 9:20 Uhr Ortszeit auf dem Flughafen Saguenay-Bagotville, rund 150 Kilometer nördlich von La Malbaie, eintreffen. Gegen Mittag wird sie im Tagungshotel Fairmont Le Manoir Richelieu in La Malbaie, das 150 Kilometer von der Stadt Quebec entfernt ist, von Trudeau und dessen Frau Sophie Grégoire begrüßt werden.


ARCHIV - Kombo - 06.06.2018, Berlin: Bundeskanzlerin Angela Merkel (l, Archivfoto vom 24.05.2018), Theresa May, Premierministerin von Großbritannien (obere Reihe l-r, Archivfoto vom 19.04.2018 ), Emmanuel Macron , Präsident von Frankreich (Archivfoto vom 19.04.2018),  Justin Trudeau, kanadischer Premierminister (Archivfoto vom 31.05.2018), Donald Trump, Präsident der USA (untere Reihe l-r,Archivfoto vom 09.05.2018), Shinzo Abe, Ministerpräsident von Japan (Archivfoto vom 02.05.2018) und Giuseppe Conti, italienischen Ministerpräsidenten (Archivfoto vom 27.03.2018) sind die die Staats- und Regierungschefs der sieben großen westlichen Industriestaaten (G7).
(zu dpa "Sieben mächtige Männer und Frauen" vom 07.06.2018) Foto: Michael Kappeler,Kay Nietfeld,PA/Wire,dpa,Canadian Press,AP,EPA POOL/AP +++ dpa-Bildfunk +++
Sieben mächtige Männer und Frauen
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Am Donnerstagmorgen hatte Trudeau zudem in Ottawa den französischen Präsidenten Emmanuel Macron begrüßt und wollte am Donnerstagabend am Gipfelort La Malbaie bereits mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Donald Tusk, Präsident des Europäischen Rats, zusammentreffen. Trudeau sieht Merkel und Macron und die EU als enge Partner beim Erreichen der von ihm angestrebten Gipfelziele.

Mit einem „Arbeitsmittagessen“ sollen am Freitag die Sachgespräche des Gipfels beginnen. Wirtschaftswachstum, die „Arbeitsplätze der Zukunft“ und Handel werden den ersten Tag dominieren. Der Gipfel werde die Möglichkeit bieten, „kürzliche einseitige Handelsentscheidungen der USA zu diskutieren“, stellt die EU in einem Hintergrundpapier fest. Dabei wird sich zeigen, ob sich die klaren Frontlinien zwischen den USA und seinen anderen G7-Partnern verfestigen, die bereits beim Treffen der G7-Finanzminister am vergangenen Wochenende deutlich wurden, als nicht mehr von einer „G7“ , sondern einer „G6 plus 1“ die Rede war. Kanada legt besonderen Wert auf „Wachstum für alle“, um weitere Spaltungen der Gesellschaft zu verhindern, und eine Stärkung der Entwicklungshilfe. Eine „Charlevoix-Verpflichtung zu innovativer Finanzierung von Entwicklung“ mit dem Ziel, die Entwicklungsziele der UN zu erreichen, soll verabschiedet werden.

Dramatische Verschmutzung am Strand von Mumbai. Beim G7 soll ein „Charlevoix-Plans über gesunde Ozeane“ einschließlich einer „Charta“ über den Schutz der Ozeane vor der Verschmutzung mit Plastikmüll verabschiedet werden.
Dramatische Verschmutzung am Strand von Mumbai. Beim G7 soll ein „Charlevoix-Plans über gesunde Ozeane“ einschließlich einer „Charta“ über den Schutz der Ozeane vor der Verschmutzung mit Plastikmüll verabschiedet werden.
Foto: AFP


Am zweiten Gipfeltag stehen die vom Gastgeber Kanada in den Fokus gerückten Themen auf der Tagesordnung, wie die Gleichberechtigung von Frauen und der Klima- und Ozeanschutz. Eine Erklärung zur „Qualitätsausbildung für Mädchen und Frauen in Entwicklungsländern“ soll beschlossen werden. Für Samstag wurden zum Gipfel Regierungschefs und Repräsentanten von 16 Staaten und Organisationen eingeladen, darunter Argentinien, Bangladesh, Südafrika und die Seychellen, der IWF und die Weltbank, um vor allem über den Schutz der Ozeane zu sprechen. Erwartet wird die Verabschiedung eines „Charlevoix-Plans über gesunde Ozeane“ einschließlich einer „Charta“ über den Schutz der Ozeane vor der Verschmutzung mit Plastikmüll.


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