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Giftgasangriff tötet Dutzende in Syrien
International 2 Min. 04.04.2017 Aus unserem online-Archiv
Empörung in vielen westlichen Ländern

Giftgasangriff tötet Dutzende in Syrien

Die Attacke tötete Dutzende von Menschen und hinterließ viele Familien obdachlos.
Empörung in vielen westlichen Ländern

Giftgasangriff tötet Dutzende in Syrien

Die Attacke tötete Dutzende von Menschen und hinterließ viele Familien obdachlos.
Foto: AFP
International 2 Min. 04.04.2017 Aus unserem online-Archiv
Empörung in vielen westlichen Ländern

Giftgasangriff tötet Dutzende in Syrien

Volker BINGENHEIMER
Volker BINGENHEIMER
Immer wieder kommt es im syrischen Bürgerkrieg zum Einsatz von Giftgas. Die UN machten dafür vor kurzem Syriens Regierungskräfte verantwortlich. Die weisen beim neuen Angriff jede Schuld von sich.

(dpa) - Bei einem der schwersten Angriffe mit Giftgas im syrischen Bürgerkrieg sind Aktivisten zufolge mindestens 58 Menschen getötet worden, darunter elf Kinder. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete am Dienstag aus der von Rebellen kontrollierten Stadt Chan Scheichun im Nordwesten des Landes zudem Dutzende Verletzte. Die Rettungshelfer der Organisation Weißhelme berichteten sogar von 240 Verletzten.

Die Vereinten Nationen verurteilten den Angriff scharf und kündigten eine Untersuchung an. Frankreich und Großbritannien forderten eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats. Die Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) zeigte sich zutiefst besorgt. Experten der OPCW sammelten und analysierten zur Zeit alle verfügbaren Informationen, teilte die Organisation in Den Haag mit.

Der britische Außenminister Boris Johnson vermutet die syrische Regierung hinter dem Giftgaseinsatz. „Das trägt alle Anzeichen eines Angriffs durch das Regime, das wiederholt chemische Waffen eingesetzt hat“, sagte Johnson in London. Auch Aktivisten machten für den Angriff Jets der syrischen Luftwaffe verantwortlich. Diese wies den Vorwurf zurück. Ein syrischer General, der ungenannt bleiben wollte, erklärte, die syrische Armee habe in Chan Scheichun kein Giftgas eingesetzt.

Schaum vor dem Mund

Die Menschenrechtsbeobachter erklärten, Jets hätten am Morgen mehrere Angriffe geflogen. Menschen seien in Ohnmacht gefallen, hätten sich erbrochen und Schaum vor dem Mund gehabt. Der Zustand vieler Verletzter sei ernst. Bilder im Internet zeigten zahlreiche Leichen und Opfer, die mit Sauerstoff behandelt wurden.

Ein Arzt aus der Stadt Idlib berichtete in einer Audio-Nachricht, das Krankenhaus sei überfüllt. Es gebe zu wenig Sauerstoffgeräte, um die Patienten zu behandeln. Unter den Opfern seien viele Kinder.

Später am Tag hätten Jets Chan Scheichun erneut angegriffen, meldeten die Menschenrechtler. Andere Aktivisten erklärten, bombardiert worden sei eine Klinik, in der Verletzte behandelt worden seien. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen. Die Menschenrechtler sitzen in England, stützen sich aber auf ein Netzwerk von Informanten in Syrien. Ihre Angaben haben sich als zuverlässig erwiesen.

"Kriegsverbrechen"

Die Syrien-Ermittler des UN-Menschenrechtsrates untersuchten den Vorfall, teilten sie in Genf mit. „Sowohl der Einsatz von chemischen Waffen als auch der bewusste Angriff auf medizinische Einrichtungen würden ein Kriegsverbrechen und eine weitreichende Verletzung der Menschenrechte bedeuten“, hieß es in einer Stellungnahme.

Chan Scheichun liegt im Süden der Provinz Idlib, die von unterschiedlichen Rebellengruppen kontrolliert wird. Eigentlich gilt in dem Bürgerkriegsland seit Ende des vergangenen Jahres eine von Russland und der Türkei ausgehandelte Waffenruhe. Diese ist jedoch brüchig. Ausgenommen von der Waffenruhe sind die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und die Al-Kaida-nahe Organisation Tahrir al-Scham. Diese ist besonders in der Provinz Idlib stark.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu schrieb über Twitter: „Die schrecklichen Bilder aus Syrien müssen jeden Menschen erschüttern.“ Israel rufe die internationale Gemeinschaft dazu auf, „entsprechend der Zusage von 2013 alle Chemiewaffen aus Syrien zu entfernen“. Israelische Experten für Massenvernichtungswaffen vermuten, dass bei dem jüngsten Angriff das Nervengas Sarin eingesetzt wurde.


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