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Getrennt vereint: Schulterschluss der Nationalisten in Koblenz
Für Geert Wilders, Frauke Petry und Marine Le Pen ist Populismus kein Schimpfwort.

Getrennt vereint: Schulterschluss der Nationalisten in Koblenz

AFP
Für Geert Wilders, Frauke Petry und Marine Le Pen ist Populismus kein Schimpfwort.
International 3 Min. 21.01.2017

Getrennt vereint: Schulterschluss der Nationalisten in Koblenz

Beim ihrem Treffen in Koblenz fühlen die europäischen Rechtspopulisten den Rückenwind durch den Sieg von Donald Trump. Vor der Wahlveranstaltung protestierten Tausende, darunter auch Außenminister Asselborn.

(dpa) - Es beginnt pompös. Blaue Lichtblitze zucken über die Bühne der Koblenzer Rhein-Mosel-Halle, während die Spitzenpolitiker der europäischen Rechtspopulisten zu Klassik-Pop-Klängen an den Stuhlreihen vorbeischreiten. Ganz vorne: die französische Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen und die AfD-Vorsitzende Frauke Petry.

Der Kongress der EU-Parlamentsfraktion „Europa der Nationen und der Freiheit“ (ENF) ist ein Treffen voller Symbolik. Wer ist drinnen, wer ist draußen? Einige Journalisten waren explizit ausgeladen worden. In der Halle klopfen sich die Rechtsausleger gegenseitig auf die Schultern. Draußen rufen 5.000 Demonstranten und Politiker der etablierten Parteien ihre Wut über das Treffen am Deutschen Eck in die kalte Winterluft, radikale Linke ebenso wie Kirchenvertreter und CDU-Lokalpolitiker.

Witze über Demonstranten

Dem FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky gefällt, wie das Drinnen und Draußen verteilt ist, dass die Demonstranten und mit ihnen protestierenden Politiker zwischen den Absperrgittern der Polizei stehen, während er oben auf der Bühne eine Rede hält. Der Österreicher genießt den Moment. Er reißt Witzchen, sagt, es sei „ein schönes Bild“ diese Menschen „hinter Gittern“ zu sehen. Und: „Ich bin aus Tierschutzgründen gegen die Käfighaltung.“ Gelächter. So funktioniert wohl das, was Politologen „Populismus“ nennen. Der Begriff ist für einige der Teilnehmer dieses Kongresses kein Schimpfwort, sondern ein Gütesiegel.

Der Wahlsieg des US-Präsidenten Donald Trump hat den europäischen Rechtspopulisten Mut gemacht. Er beflügelt sie geradezu. „Gestern ein neues Amerika, heute ein neues Koblenz und morgen ein neues Europa“, jubelt der Niederländer Geert Wilders. 

Die Organisatoren haben die Nationalflaggen der EU-Mitgliedstaaten in dem bläulich beleuchteten Saal aufgehängt. Die britische Flagge ist auch dabei. Und auch das schweizerische weiße Kreuz auf rotem Grund. Fast könnte man meinen, dies hier sei eine ganz normale europäische Veranstaltung. Wenn nur nicht die eine Flagge fehlen würde, die blaue mit den gelben Sternen.

Bild eines hinterhältigen Staats

Le Pen wird vom Moderator der Veranstaltung, einem AfD-Mann, als „Frau mit dem schönsten Lächeln Frankreichs“ angekündigt. Le Pen und Petry: FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky nennt sie „unsere beiden Powerfrauen“. Jeden, der sich mit beiden anlegen will, warnt er in bester Macho-Rhetorik, dass „mit uns nicht gut Kirschen essen ist“.

Petry, die dieses Jahr ihr fünftes Kind erwartet, ist die letzte Rednerin, die vor der Mittagspause die Bühne betritt. Sie zitiert Friedrich Nietzsche, verzichtet auf Stammtisch-Parolen und gibt sich betont seriös. Die Botschaft, die sie mitgebracht hat, ist dennoch brisant. Petry, die in der DDR geboren ist, zeichnet das Bild eines Staates, der hinter seiner liberalen Fassade versucht, die Bürger mit hinterhältigen Strategien aus der Verhaltensforschung umzuerziehen. 

Petrys Ehemann, der nordrhein-westfälische AfD-Vorsitzende Marcus Pretzell, ist der erste Redner bei dieser Veranstaltung. Er bezeichnet Israel als Vorbild für Europa, „in der Form, wie man mit dem Islam umgeht“. Warum er das tut? Vor Beginn des ENF-Kongresses hatten Holocaust-Überlebende mit Blick auf die von ihm organisierte Veranstaltung vor einer Rückkehr des Faschismus gewarnt.

"Für ein offenes und soziales Europa"

Gegen den Kongress protestierten auch Spitzenpolitiker der Bundestagsparteien, darunter neben Gabriel die Grünen-Vorsitzende Simone Peter. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) forderte die Teilnehmer der Kundgebung zu Widerspruch gegen rechte Thesen auf: „Es ist Zeit, dass keiner mehr zuhause bleibt.“ Die Menschen sollten aufstehen für ein freiheitliches und friedfertiges Europa. Vor der Kongress-Halle sangen die Demonstranten die Europahymne „Ode an die Freude“, begleitet von Mitgliedern der Rheinischen Philharmonie.

Der Luxemburger Außenminister Jean Asselborn sagte, er wende sich gegen ein „braunes Europa“. „Wir stehen hier für ein buntes, für ein offenes und für ein soziales Europa des 21. Jahrhunderts.“ Minderheiten seien eine Bereicherung für die Gesellschaft und keine Last.