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Getöteter CDU-Politiker: Sanitäter soll Tatort verändert haben
International 3 Min. 05.06.2019

Getöteter CDU-Politiker: Sanitäter soll Tatort verändert haben

Absperrband mit der Aufschrift "Polizeiabsperrung" ist vor dem Haus des verstorbenen Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) zu sehen.

Getöteter CDU-Politiker: Sanitäter soll Tatort verändert haben

Absperrband mit der Aufschrift "Polizeiabsperrung" ist vor dem Haus des verstorbenen Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) zu sehen.
Swen Pförtner/dpa
International 3 Min. 05.06.2019

Getöteter CDU-Politiker: Sanitäter soll Tatort verändert haben

Sarah CAMES
Sarah CAMES
Laut "Spiegel" könnten am Tatort im Falle Lübcke Spuren verwischt worden sein. Ein Rettungssanitäter und Bekannter der Familie nahm die Veränderungen offenbar vor, so das Blatt.

Die Ermittlungen der 20-köpfigen Sonderkommission zum mutmaßlichen Mordfall Walter Lübcke im nordhessischen Ort Istha laufen auf Hochtouren. Ermittler schließen einen Suizid aus. Nach wie vor konnte jedoch kein Täter ermittelt werden. 


03.06.2019, Hessen, Wolfhagen: Absperrband mit der Aufschrift "Polizeiabsperrung" ist vor dem Haus des verstorbenen Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) zu sehen. Lübcke ist in der Nacht zum Sonntag unerwartet im Alter von 65 Jahren gestorben. Foto: Swen Pförtner/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
CDU-Politiker wurde in den Kopf geschossen
Der 65-jährige hessische CDU-Politiker Walter Lübcke ist tot. Seine Leiche weist eine Schussverletzung auf, eine Waffe wurde nicht gefunden.

Der Regierungspräsident von Kassel war in der Nacht zum Sonntag gegen 0.35 Uhr von Angehörigen auf der Terrasse seines Anwesens gefunden worden. Der CDU-Politiker wies eine Kopfschussverletzung, vermutlich durch eine Kleinkaliberwaffe, auf. Reanimierungsversuche waren erfolglos, zwei Stunden nach dem Fund konnte im Krankenhaus nur noch sein Tod festgestellt werden.

Wie die "Bild" berichtete, bemerkten Ermittler bei ihren Untersuchungen vor Ort bereits "Manipulationen" des Tatorts. Spiegel-Informationen ergänzen nun das Bild: Ein Sanitäter habe die Fundstelle verändert, berichtet das Nachichtenmagazin. Der Sanitäter sei ein Bekannter des 65-Jährigen.

Genauere Informationen darüber, wie er den Tatort verändert hätte, liegen derzeit allerdings nicht vor. Der "Spiegel" mutmaßt, der Verdacht liege nahe, dass der Sanitäter "einige Bereiche gesäubert" habe, um den Angehörigen den "schrecklichen Anblick" zu ersparen.  

Walter Lübcke ist im Alter von 65 Jahren in der Nacht zum Sonntag mit einer tödlichen Schussverletzung aufgefunden worden.
Walter Lübcke ist im Alter von 65 Jahren in der Nacht zum Sonntag mit einer tödlichen Schussverletzung aufgefunden worden.
Foto: Uwe Zucchi/dpa

Eine offizielle Bestätigung dieser Informationen von Seiten der Staatsanwaltschaft gibt es derzeit allerdings nicht.

Laut "Spiegel"-Informationen  könnten die Ermittlungen zusätzlich dadurch erschwert werden, dass zwischen Donnerstag und Sonntag nur wenige Meter von Lübckes Haus entfernt eine Kirmes in dem 650-Seelen-Dorf stattfand.

Üblicherweise nutzen Fahnder Mobilfunk-Daten, um zu sehen, wer sich zur Tatzeit am Ort des Verbrechens aufgehalten hat. Dadurch, dass sich zu dieser Zeit aber überdurchschnittlich viele Menschen in unmittelbarer Nähe des Tatorts aufgehalten haben, wird sich diese Art der Ermittlung allerdings sehr schwierig gestalten.

Der Veranstalter der Kirmes sprach von etwa 2.000 Besuchern am Abend der Tat.

Rechtsextremer Hohn nach gewaltsamem Tod von Kasseler Regierungspräsidenten

Über ein Motiv für die Tat kann nach wie vor nur spekuliert werden. Es ist allerdings gewusst, dass Walter Lübcke in der rechten Szene seit einer Äußerung bei einer Bürgerversammlung zu einem Erstaufnahmezentrum für Flüchtlinge im Jahre 2015 äußerst unbeliebt war.

Auf der Versammlung in der Nähe von Kassel hatte er damals ein paar Störenfrieden aus dem rechten Lager in der ersten Reihe der Veranstaltung mit der Aussage gekontert, Hilfe für Menschen in Not basiere auf Christlichen Werten: "Wer diese Werte nicht vertritt, kann dieses Land jederzeit verlassen, wenn er nicht einverstanden ist. Das ist die Freiheit eines jeden Deutschen."


In diesem Haus in Nordbayern eröffnete der „Reichsbürger” das Feuer auf die Polizisten.
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Seine Aussage wurde auf "Pediga"-Märschen aufgegriffen und der Politiker stand zeitweilig sogar wegen Morddrohungen unter Personenschutz. Der stellvertretende Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber erklärte dem Hessischen Rundfunk, Lübcke sei auch in den vergangenen Jahren immer wieder von "bestimmten Gruppen" bedroht worden. Eine dieser Gruppierungen seien die sogenannten "Reichsbürger", einer rechten Bewegung, die die Existenz der Bundesrepublik und deren Gesetze ablehnen.

Nach dem gewaltsamen Tod des CDU-Politikers wird Lübcke nun in den sozialen Medien von Rechtsextremen verhöhnt. Ob ein politisches Motiv hinter der Tat stecken könnte, wird von Seiten der Ermittler und der Staatsanwaltschaft noch nicht kommentiert.

Auch die AfD äußerte sich zu dem gewaltsamen Tod ihres Kollegen. Auf der Facebook-Seite der "AfD Kreis Dithmarschen" fand sich wenige Stunden, nachdem die Nachricht von Lübckes Tod publik gemacht wurde, folgender Beitrag: "Mord???? Er wollte nicht mit dem Fallschirm springen..."

Der mittlerweile gelöschte Beitrag nimmt Bezug auf den Tod des ehemaligen FDP-Bildungsministers Jürgen Möllemann, der im Jahr 2003 bei einem Fallschirmsprung verstarb. Die Staatsanwaltschaft Essen konnte damals nicht abschließend klären, ob es sich bei dem Vorfall um einen Unfall oder Suizid handelte.

Der Urheber des Betrags, der AfD-Kreisvorsitzende von Dithmarschen Mario Reschke, ruderte kurze Zeit später zurück und schrieb, der "bedauere" den "Halbsatz".



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