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Getötete Journalistin: "Neue IRA" bekennt sich, Frau festgenommen
Eine Splittergruppe der IRA, die die irische Insel während Jahrzehnten in Angst und Schrecken versetzte, hat sich zu den tödlichen Schüssen auf eine Journalistin bekannt.

Getötete Journalistin: "Neue IRA" bekennt sich, Frau festgenommen

Foto: Paul FAITH / AFP
Eine Splittergruppe der IRA, die die irische Insel während Jahrzehnten in Angst und Schrecken versetzte, hat sich zu den tödlichen Schüssen auf eine Journalistin bekannt.
International 23.04.2019

Getötete Journalistin: "Neue IRA" bekennt sich, Frau festgenommen

Nach dem Tod einer jungen Journalistin im nordirischen Londonderry bekannte sich die "Neue IRA" zu der Tat.

(dpa/SC) - Laut der Zeitung "The Irish News" erklärte die "Neue IRA", die 2012 gegründet wurde, die 29-jährige Lyra McKee sei am Donnerstagabend "tragischerweise getötet" worden, als sie an der Seite "feindlicher Kräfte" stand. Mit letzteren meinte die Splittergruppe der paramilitärischen Terroristen-Organisation "IRA" die Polizei.


A handout picture released by Jess Lowe Photography on April 19, 2019 and taken on May 19, 2017 shows journalist and author Lyra McKee posing for a photograph in Belfast. - Journalist Lyra McKee was shot dead overnight during riots in the Creggan area of Derry, Northern Ireland, in what police on April 19, 2019 were treating as a terrorist incident following the latest upsurge in violence to shake the troubled region. (Photo by Jess LOWE / JESS LOWE PHOTOGRAPHY / AFP) / RESTRICTED TO EDITORIAL USE - MANDATORY CREDIT "AFP PHOTO / JESS LOWE PHOTOGRAPHY " - NO MARKETING NO ADVERTISING CAMPAIGNS - DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS
Nordirland: Journalistin bei "terroristischem Vorfall" erschossen
Die 29-jährige Lyra McKee wurde von Kollegen als "eine der vielversprechendsten Nachwuchstalente" bezeichnet.

Der Tod der jungen Journalistin sei nicht beabsichtigt gewesen und die Organisation bat die Angehörigen McKees in einem Statement "aufrichtig um Entschuldigung".

Der Todesschütze hätte es eigentlich auf die Beamten abgesehen, so die "Neue IRA" in ihrer Erklärung am Montagabend. In dieser kritisierten sie vor allem die Polizei, die ihnen zufolge die Ausschreitungen in Derry am Donnerstagabend provoziert hätten. Daraufhin hätten sie ihre "Freiwilligen" eingesetzt und sie zum Widerstand aufgerufen. 

Die "Neue IRA" bat die Angehörigen Lyra McKees um Entschuldigung. Ob Angehörige, wie McKees Partnerin Sara Canning, dies annehmen werden, ist fraglich.
Die "Neue IRA" bat die Angehörigen Lyra McKees um Entschuldigung. Ob Angehörige, wie McKees Partnerin Sara Canning, dies annehmen werden, ist fraglich.
Foto: Paul FAITH / AFP

Sie hätten ihre Mitglieder nach dem tragischen Tod der Journalistin allerdings ermahnt, in Zukunft "größte Sorgfalt" in Auseinandersetzungen mit Polizeikräften walten zu lassen. Die Stellungnahme der "Neuen IRA" war mit dem Namen "T O'Neill" unterzeichnet. 


19.04.2019, Großbritannien, Londonderry: Eine Polizistin legt Blumen an den Tatort, wo eine 29-jährige Journalistin bei gewaltsamen Ausschreitungen mit einem Kopfschuss getötet wurde. Am späten Donnerstagabend wurden mehr als 50 Brandsätze auf Polizisten geschleudert. Ein Unbekannter soll Schüsse abgefeuert haben, von denen Augenzeugen zufolge einer die Journalistin traf. Der Tod der 29-Jährigen im Wohngebiet Creggan am Stadtrand sei wohl ein «terroristischer Vorfall», teilte die Polizei am 19.04.2019 mit. Foto: Brian Lawless/PA Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Zwei Männer nach Mord an nordirischer Journalistin festgenommen
Der tödliche Schuss auf eine nordirische Journalistin schockiert nicht nur die Briten und Iren. Auch die EU ist besorgt. Die Polizei ermittelt unter Hochdruck und meldet erste Festnahmen.

Am Dienstag wurde eine 57 Jahre alte Frau im Zusammenhang mit der Tat festgenommen, wie die Polizei in Nordirland mitteilte. Zwei am Wochenende nach der Tat festgenommene junge Männer waren zuvor wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Anschuldigungen gegen sie seien nicht erhoben worden, teilte die Polizei mit.

Die „Neue IRA“ hatte sich im März auch zu Briefbomben bekannt, die in London und Glasgow aufgetaucht waren. Sie lehnt das friedensstiftende Karfreitagsabkommen von 1998 ab und strebt mit gewaltsamen Mitteln eine Vereinigung mit der Republik Irland im Süden der Insel an.

Am Rande von Londonderry waren am Donnerstag in Tatortnähe mehr als 50 Brandsätze auf Polizisten geschleudert worden. Fahrzeuge brannten. Zuvor hatten Polizisten in dem Wohnviertel nach Waffen gesucht. Auslöser für die Krawalle war der Jahrestag des Osteraufstands, bei dem irisch-katholische Nationalisten im Jahr 1916 vergeblich versuchten, die britische Herrschaft in Irland zu beenden.

In Londonderry wurden alle Osterfeierlichkeiten, die ursprünglich für Montag geplant waren, abgesagt. Stattdessen fand im Gedenken an die erschossene Journalistin an dem Tag eine Kranzniederlegung im Stadtfriedhof statt.


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