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Getötete Journalistin: Das Rätsel der "Nautilus"
International 2 Min. 25.08.2017 Aus unserem online-Archiv

Getötete Journalistin: Das Rätsel der "Nautilus"

Die "UC3 Nautilus" auf dem Weg ins Hafenbecken von Kopenhagen am 12. August 2017.

Getötete Journalistin: Das Rätsel der "Nautilus"

Die "UC3 Nautilus" auf dem Weg ins Hafenbecken von Kopenhagen am 12. August 2017.
AFP
International 2 Min. 25.08.2017 Aus unserem online-Archiv

Getötete Journalistin: Das Rätsel der "Nautilus"

Eine schwedische Journalistin will eine Reportage über einen dänischen U-Boot-Bauer schreiben. Das U-Boot sinkt und die Frau ist verschwunden. Elf Tage später wird ihre Leiche gefunden. Zerstückelt. Was genau geschehen ist, ist bislang ein Rätsel.

(dpa) - Was in den Gewässern vor Kopenhagen wie ein harmloser Schiffsunfall begann, hat sich zu einem gruseligen Kriminalfall entwickelt. Die schwedische Journalistin Kim Wall, die eine Reportage über einen dänischen U-Boot-Bauer schreiben wollte, ist tot. Ihre Leiche ist grausig zerstückelt worden. Der Torso ist eindeutig identifiziert. 

Die Polizei geht anhand von Blutspuren davon aus, dass Kim Wall an Bord des Privat-U-Bootes „Nautilus“ starb. Das hat der Bootsbesitzer und Tatverdächtige Peter Madsen auch nach seiner Festnahme zugegeben. Es sei aber ein Unfall gewesen, so seine Darstellung. Die „Nautilus“ ist vor Kopenhagen gesunken - angeblich wegen technischer Probleme. Was genau geschah, bleibt ein Rätsel.

Peter Madsen ist in Dänemark als schillernde Persönlichkeit bekannt. Er hat zusammen mit Mitstreitern drei U-Boote gebaut. Die „Nautilus“ ist seiner Homepage zufolge mit knapp 18 Metern eines der größten selbstgebauten U-Boote der Welt. Madsens anderes Steckenpferd ist die Raumfahrt. Seit Jahren arbeitet er an der Entwicklung von Raketen. Er hat eine Menge Unterstützer und Sponsoren.  

Dass der 46-Jährige die Reporterin absichtlich getötet haben könnte, glaubte zunächst selbst der Haftrichter nicht. Als das Gericht nach dem Verschwinden von Wall am 12. August verfügte, dass Madsen 24 Tage in Untersuchungshaft genommen wird, sprach der Richter vom Verdacht auf fahrlässige Tötung. Zuvor hatte Madsen zugegeben, dass es an Bord zu einem Unglück gekommen war, bei dem Kim Wall starb. Ihre Leiche habe er im Wasser „bestattet“. Alles andere blieb der Öffentlichkeit verborgen. Der Fall wurde hinter verschlossenen Türen behandelt - aus Rücksicht auf die Familie der Journalistin, lautete die Begründung.

Tagelang suchte man mit Tauchern und Helikoptern in den Gewässern vor Kopenhagen nach Kim Wall. Die dänischen und schwedischen Seefahrtsbehörden versuchten, die Route der „Nautilus“ nachzuvollziehen. Andere Skipper wurden aufgefordert, die Augen offen zu halten. „Wir suchten nach einer Leiche“, sagte der stellvertretende Polizeiinspektor Jens Møller Jensen am Mittwoch. Dass man nur einen Torso finden würde, überraschte sogar die Ermittler. 

Die Polizei hatte den U-Boot-Bauer am Mittwoch noch nicht mit den neuesten Erkenntnissen konfrontiert. Madsens Anwältin sagte der Nachrichtenagentur Ritzau, ihr Mandant sei froh darüber, dass der Torso identifiziert sei. „Er hat keinen anderen Wunsch, als dass der Fall aufgeklärt und völlig durchleuchtet wird“, sagte Betina Hald Engmark. Der Fund der Leiche stehe nicht im Widerspruch zu seiner Aussage, dass Kim Wall durch einen Unfall ums Leben gekommen sei. Am Donnerstag verschärfte die Staatsanwaltschaft dann die Anklage auf Mord und Leichenschändung. Madsen bestreitet beides. 


Die Polizei teilte weiter mit, dass die aktive Suche nach weiteren Leichenteilen am Freitag nicht fortgesetzt werde. Bei einem Gegenstand, der am Donnerstagabend an der schwedischen Küste gefunden wurde, handelte es sich nach Angaben der schwedischen Polizei nicht um menschliche Überreste. Bislang seien 656 Tipps aus Bevölkerung bei der Kopenhagener Polizei eingegangen.    


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