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Geldsegen für Notre-Dame macht Denkmalpfleger eifersüchtig
International 3 Min. 16.04.2020 Aus unserem online-Archiv

Geldsegen für Notre-Dame macht Denkmalpfleger eifersüchtig

Notre Dame ein Jahr nach dem verheerenden Brand - die Wunder werden wohl noch über Jahre sichtbar sein.

Geldsegen für Notre-Dame macht Denkmalpfleger eifersüchtig

Notre Dame ein Jahr nach dem verheerenden Brand - die Wunder werden wohl noch über Jahre sichtbar sein.
Foto: AFP
International 3 Min. 16.04.2020 Aus unserem online-Archiv

Geldsegen für Notre-Dame macht Denkmalpfleger eifersüchtig

Ganz Frankreich und die Welt öffneten ihr Portemonnaie nach dem Brand der Pariser Kathedrale Notre-Dame. Doch was ist mit all den Klöstern, mit ächzenden Pfarr- und Dorfkirchen aus dem Mittelalter?

(KNA) - Die Flammen über der Pariser Kathedrale Notre-Dame vor einem Jahr waren auch ein Fanal für die anderen Bischofskirchen Frankreichs. 87 von ihnen sind seit der Französischen Revolution durch Enteignung der Kirche im Besitz des Staates. Der trägt seither auch die Baulast, sprich die enormen Instandhaltungs- und Renovierungskosten - und ist für den Brandschutz verantwortlich.

Seit der verheerende Brand in Notre-Dame am 16. April 2019 gelöscht wurde, hat bei Frankreichs Denkmalverantwortlichen ein regelrechter Run auf den Brandschutz eingesetzt, wie die Zeitung "La Croix" (Donnerstag) berichtet. Das Kulturministerium legte nach der Katastrophe einen mit zwei Millionen Euro dotierten Plan auf, zusätzlich zu den 40 Millionen Euro jährlich zu Gunsten der Kathedralen.

Die Kathedrale ist weiträumig abgeriegelt.
Die Kathedrale ist weiträumig abgeriegelt.
Foto: DPA

Sechs Kathedralen mit Defiziten

Inzwischen haben laut der Zeitung 81 Kathedralen eine grüne Ampel der Brandschutzkommission erhalten. Sechs weitere weisen Defizite auf: Evreux, Bourges, Tulle, Saint-Brieuc, Grenoble und Sees. Die vier ersteren sollen 2020 folgen. Verzögerungen gebe es derzeit noch bei den Evakuierungsplänen für den Katastrophenfall. Nach Ministeriumsangaben sind bislang nur etwa 20 Pläne ohne Beanstandungen.


A firefighter uses a hose to douse flames billowing from the roof at Notre-Dame Cathedral in Paris on April 15, 2019. - Pope Francis stands with France and is praying for Roman Catholics and Parisians alike after a devastating fire raged through the iconic Notre-Dame cathedral in the heart of the city," the Vatican said on April 16. (Photo by THOMAS SAMSON / AFP)
Dossier: Die Tragödie von Notre-Dame
Am 15. April kommt es in der berühmten Kathedrale Notre-Dame de Paris zu einem Großbrand. Der Schaden ist immens. Unsere Artikel zum Thema.

Beim Brand sind Schulung und Koordination der verschiedenen Akteure wesentlich. "Kathedralen sind komplexe Denkmäler, anders als etwa Theater oder ein Kino. Um sie zu überwachen, muss man sie genau kennen", sagt Henry Masson, Präsident des Kollegiums historischer Denkmäler. Alle Systeme, wie hoch entwickelt auch immer, kämen bei jemandem zu Hause an. "Jeder sollte wissen, welche Rolle er spielt, wenn der Alarm ertönt", so Masson.

Zeitverlust

In Notre-Dame ging wertvolle Zeit zwischen dem ersten Alarm um 18.18 Uhr und dem Notruf bei der Feuerwehr um 18.51 Uhr verloren. Es gebe keine Kathedrale, in der vor Ort eine Person für Tag- und Nachtüberwachung tätig ist, heißt es aus dem Ministerium - und es gebe auch keine Pläne, in allen einen Aufseher zu beschäftigen.

Schmerz und Schock über den Teilverlust von Notre-Dame haben dafür gesorgt, dass landesweit und weltweit viele Portemonnaies aufgingen. Zwischen 780 Millionen und knapp einer Milliarde Euro wurden für den Wiederaufbau zugesagt. Schwindel erregende Zahlen - die bei anderen Denkmalfreunden aber auch Zähneknirschen auslösen.

Nachwehen der Revolution

Die Französische Revolution und ihre Folgen haben unzählige Bauten des Ancien Regime verwüstet und dem Verfall preisgegeben: Kirchen und Klöster wurden in Steinbrüche verwandelt oder zu Viehställen, Munitionsdepots und Fabriken degradiert; Schlösser, Paläste und Adelssitze wurden geplündert, angezündet, verwohnt. Auch nach den Wiederherstellungen des 19. Jahrhunderts brauchen sie weiter Pflege.


Erstmals seit Brand wieder Messe in Notre-Dame geplant
Zwei Monate nach dem verheerenden Brand in Notre-Dame soll am kommenden Wochenende in der Pariser Kathedrale erstmals wieder eine Messe gefeiert werden.

Und: In Frankreich gibt es keine Kirchensteuer; Spenden sind die Haupteinnahmequelle. Die Baulast für historische Kirchengebäude liegt wie gesagt beim Staat - der seiner Verpflichtung jedoch oft nicht voll nachkommt. Immerhin gibt es seit 2017 unter der Schirmherrschaft von Staatspräsident Emmanuel Macron eine Kulturerbe-Lotterie, von der auch einzelne Klöster und Kirchen im Mutterland und in den Überseegebieten profitieren.

Unter dem Titel "Wenn die Bürger ihre Kirchen retten" stellt das Magazin "Le Pelerin" (Der Pilger) in seiner aktuellen Ausgabe Beispiele für denkmalpflegerisches Engagement vor. "Das Schicksal vieler Dorfkirchen in schlechtem Zustand hängt ganz vom Erhaltungswillen der dortigen Gemeinschaft ab", wird Benoit de Sagazan zitiert, Chefredakteur des Onlinemediums "Patrimoine-en-blog".

500 bedrohte Bauten


This picture taken on April 14, 2020 shows the Paris' Cathedral Notre Dame at the sunrise on the eve of the first anniversary of the violent fire who destroyed a large part of the monument, on the twenty-nineth day of a lockdown in France to stop the spread of the  COVID-19, (the novel coronavirus). - One year ago, on April 15, 2019, a fire erupted in Notre-Dame Cathedral in Paris, partly destroying the nearly millenium old building and its precious artworks visited by millions of people a year. (Photo by THOMAS COEX / AFP)
Organist von Notre-Dame glaubt an eine Wiedereröffnung 2024
"Es war seltsam, in der Kathedrale zu stehen und den Himmel über sich zu sehen", erzählt Yves Castagnet. Der Organist von Notre-Dame will in vier Jahren wieder dort spielen.

Er beziffert die Zahl der vom totalen Verfall bedrohten Gotteshäuser auf landesweit rund 500; allerdings bedürften Hunderte weitere dringender baulicher Maßnahmen. Während viele Kommunen und Kirchengemeinden seit vielen Jahren auf teils wenige tausend Euro sparen und hoffen, sprudeln für Notre-Dame Hunderte Millionen. Sehr zum Ärger mancher Bürgermeister.

Für die renovierungsbedürftige Bischofskirche von Rodez, so berichtet der "Pelerin", lehnte der Regionalrat Okzitanien einen Antrag auf 1,8 Millionen Euro Unterstützung mit der Begründung ab, das Bauwerk gehöre wie alle Kathedralen dem französischen Staat. Fast zeitgleich habe er aber 1,5 Millionen Nothilfe freigegeben - für Notre-Dame in Paris.    

Frankreichs Präsident Macron hatte eine komplette Restaurierung für das Jahr 2024 in Aussicht gestellt.
Frankreichs Präsident Macron hatte eine komplette Restaurierung für das Jahr 2024 in Aussicht gestellt.
Foto: AFP


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