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Gegen Wegwerfmode, für fair produzierte Kleidung
International 3 Min. 23.04.2021

Gegen Wegwerfmode, für fair produzierte Kleidung

Die Kampagne "Rethink your clothes" fordert den Verbraucher auf, anders Kleider zu konsumieren.

Gegen Wegwerfmode, für fair produzierte Kleidung

Die Kampagne "Rethink your clothes" fordert den Verbraucher auf, anders Kleider zu konsumieren.
Foto: Chris Karaba
International 3 Min. 23.04.2021

Gegen Wegwerfmode, für fair produzierte Kleidung

Françoise HANFF
Françoise HANFF
Mit der Kampagne „Rethink your clothes“ möchten Fairtrade und Caritas dem Konsumenten einen Denkanstoß geben.

Vor acht Jahren sorgte der Einsturz des Gebäudes Rana Plaza in Bangladesch international für Schlagzeilen, gewährte er doch einen Einblick in eine Branche, deren menschenunwürdige Arbeitsbedingungen bis dahin kaum zur Kenntnis genommen wurden. Unter den 1.134 Toten und 2.500 Verletzten waren vor allem Frauen – Textilarbeiterinnen, die für westliche Marken schufteten.

Mit einem Tanz machte der Künstler Edsun am Donnerstag von der Pressekonferenz auf den Überkonsum von Kleidung aufmerksam.
Mit einem Tanz machte der Künstler Edsun am Donnerstag von der Pressekonferenz auf den Überkonsum von Kleidung aufmerksam.
Foto: Chris Karaba

Nach dem Aufschrei und einigen lobenswerten Initiativen hat sich jedoch grundlegend nicht viel für die Angestellten der Textilindustrie geändert. Fast Fashion, also die Herstellung von Wegwerfkleidung, bleibt das dominierende Geschäftsmodell. Seit März 2020 hat die Corona-Krise dazu beigetragen, die Lage der Menschen vor Ort noch zu verschärfen. Zahlreiche Einzelhändler annullierten ihre Bestellungen und weigerten sich sogar, die Produktionen zu bezahlen, sodass die betroffenen Fabriken ihre Türen schließen mussten. Allein in Bangladesch haben von den vier Millionen Textilarbeitern 2,27 Millionen ihren Job verloren.

Fast Fashion bedeutet Ausbeutung

Um die Luxemburger Konsumenten diesbezüglich zu sensibilisieren, haben das Ministerium für Kooperation und das Außenministerium die Nichtregierungsorganisationen Fairtrade Lëtzebuerg und Caritas Luxembourg mit der zweiten Auflage der Kampagne „Rethink your clothes“ beauftragt. 

Es handelt sich um die zweite Auflage der Kampagne, die von Fairtrade Lëtzebuerg und Caritas Luxembourg mit der Unterstützung der Regierung durchgeführt wird.
Es handelt sich um die zweite Auflage der Kampagne, die von Fairtrade Lëtzebuerg und Caritas Luxembourg mit der Unterstützung der Regierung durchgeführt wird.
Foto: Chris Karaba

Bei einer Pressekonferenz im Forum Campus Geesseknäppchen in Luxemburg wies Kooperationsminister Franz Fayot am Donnerstag darauf hin, dass die Kleiderherstellung für 20 Prozent der Wasserverschmutzung weltweit verantwortlich sei – wegen des intensiven Baumwollanbaus, der eingesetzten Chemikalien und des Mikroplastiks, der durch synthetische Kleidung entstehe.

„Fast Fashion beutet auch Produzenten und Arbeiter aus, vor allem Frauen, mit niedrigsten Gehältern, einem unhaltbarem Arbeitsrhythmus und natürlich ohne soziale Absicherung.“ Auch auf wirtschaftlicher Ebene sei die schnelle Mode eine Katastrophe. Sie bestehe zu 97 Prozent aus Rohstoffen, die später zu 73 Prozent auf der Müllhalde landeten oder verbrannt würden. Weltweit würde lediglich ein Prozent der Kleider in einem Kreislaufwirtschaftsmodell recycliert. „Es ist das Beispiel eines nicht nachhaltigen Wirtschaftsmodells, von dem wir uns schnell verabschieden sollten“, so Fayot.

Immer schneller für einen Hungerlohn

Die „Rethink your clothes“-Kampagne zeige, dass ein verantwortungsvoller und bewusster Konsum möglich sei. Ziel der Initiative sei es, der hiesigen Öffentlichkeit die Sozialkosten und Umweltprobleme der Textilindustrie bewusst zu machen und einen nachhaltigen und ethischen Textilsektor im Land zu entwickeln.

In Bangladesch liegt der Mindestlohn bei 87 Euro pro Monat. Wie würden wir wohl damit klarkommen?

Marie-Josée Jacobs, Präsidentin von Caritas Luxembourg

Wegwerfartikel Mode
Die ökologische und soziale Belastung des Kleiderkonsums.

Unter internationalem Druck sei das Abkommen von Bangladesch zustande gekommen, das Sicherheitsstandards für Gebäude vorsehe, erklärte Caritas-Präsidentin Marie-Josée Jacobs. Doch die Textilarbeiter stünden unter Druck, immer mehr und schneller für einen Hungerlohn zu produzieren. „In Bangladesch liegt der Mindestlohn bei 87 Euro pro Monat. Wie würden wir wohl damit klarkommen?“ 

Durch die Pandemie riskierten die kleinen Fortschritte seit Rana Plaza wieder verloren zu gehen. Die Ex-Ministerin forderte die Bürger dazu auf, sich in einer Zeit, in der es weniger Ablenkung gebe als sonst, mit solch ernsten Themen zu beschäftigen und sich für jene Menschen einzusetzen, die unser Glück nicht teilten.

Wie eine Karawane

Auf der Suche nach den billigsten Näherinnen ziehe die Textilindustrie wie eine Karawane von Land zu Land, so Fairtrade-Präsident Jean-Louis Zeien. „Wenn in einem Land die Löhne riskieren, minimal zu steigen, oder Geld in die Verbesserung der Arbeitsbedingungen investiert werden muss, dann zieht die Karawane eben weiter.“ 


„Fair Fashion“ statt „Fast Fashion“
Der Einsturz des Gebäudes von „Rana Plaza“ in Bangladesch im April 2013 kostete mehr als Tausend Textilarbeiter das Leben. Aber bis heute hat sich die Situation vor Ort nicht wesentlich gebessert. Für Veränderung ist auch Umdenken seitens der Konsumenten gefragt.

In der Textilproduktion reiche freiwillige Verpflichtung nicht aus, und es müsse mit Zertifizierung gearbeitet werden, forderte Zeien. Aber auch der Kunde müsse seinen Beitrag leisten und von einem Fast-Fashion- zu einem Fair-Fashion-Konsumenten werden.

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