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Gefangen auf Bauernhof: Polizei weitet Untersuchung aus
International 2 Min. 16.10.2019

Gefangen auf Bauernhof: Polizei weitet Untersuchung aus

Der Hof liegt versteckt hinter Bäumen und etwa 200 Meter vom Rande des niederländischen Dorfes Ruinerwold entfernt.

Gefangen auf Bauernhof: Polizei weitet Untersuchung aus

Der Hof liegt versteckt hinter Bäumen und etwa 200 Meter vom Rande des niederländischen Dorfes Ruinerwold entfernt.
Foto: AFP/Wilbert Bijzitter
International 2 Min. 16.10.2019

Gefangen auf Bauernhof: Polizei weitet Untersuchung aus

Eine Familie soll neun Jahre lang in einem isolierten Raum auf einem Bauernhof in den Niederlanden gehaust haben. Der Fall stellt die Polizei vor viele ungelöste Fragen.

(dpa/jt) - Nach der Entdeckung einer seit Jahren isoliert lebenden Familie im Osten der Niederlande laufen die Ermittlungen der Polizei auf Hochtouren. Eine Sondergruppe von 25 Beamten untersuche den Fall, teilte die Polizei in der Provinz Drenthe am Mittwochmorgen mit. Viele Fragen seien offen. 

Auf einem abgelegenen Bauernhof im Dorf Ruinerwold, etwa 30 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, hatten Beamte eine Familie entdeckt, die dort seit 2010 in einem isolierten Raum gehaust haben soll.

Dies betreffe fünf jetzt erwachsene Kinder und auch deren Vater, teilte die Polizei mit - das hätten die Personen selbst ausgesagt. Zuvor war unklar gewesen, ob auch der Vater der Familie in dem isolierten Raum gelebt hat.

Festgenommen wurde der 58 Jahre alte Österreicher Josef B. Er war nach Angaben der Polizei Mieter des Bauernhofes und soll dort regelmäßig Reparaturen ausgeführt haben, aber dort nicht gewohnt haben. Die Familie war dem Einwohnermeldeamt nicht bekannt.

Warten auf das Ende der Welt

In welcher Beziehung der Österreicher zu der Familie stand und ob er sie auf dem Bauernhof festhielt, ist weiter unklar. Niederländische Medien berichten, dass sie auf das „Ende der Zeiten“ gewartet hätten. Die Polizei hat dies vorerst nicht bestätigt.

Polizisten stehen außerhalb des Bauernhofs in Ruinerwold.
Polizisten stehen außerhalb des Bauernhofs in Ruinerwold.
Foto: Wilbert Bijzitter/ANP/dpa

Der Wirt der Dorfkneipe in Ruinerwold hatte die Polizei am Montag alarmiert. Bei ihm war ein fremder junger Mann im Lokal aufgetaucht. Er war total verwirrt, wie der Wirt dem TV-Sender RTV Drenthe sagte. „Er sagte, dass er weggelaufen war und Hilfe brauchte.“ 

Der 25-Jährige, der sich mit dem Namen "Jan" vorstellte, habe auch geschildert, dass er neun Jahre lang nicht draußen gewesen sei. Sein äußeres Erscheinungsbild – lange Haare, schmutziger Bart, alte Kleidung – kam dem Gastwirten verdächtig vor. Er rief daraufhin die Polizei. 

Dubiose Social-Media-Accounts

Die Beamten fuhren auf den Bauernhof der Familie. „Da trafen wir sechs Menschen an in einem abschließbaren kleinen Raum in der Wohnung, es war kein Keller“, präzisierte die Polizei. „Es ist undeutlich, ob sie dort freiwillig waren.“ Zuvor war berichtet worden, dass die Familie in einem Kellerraum gelebt habe.

Der älteste Sohn der Familie, der am Montag die Dorfkneipe aufgesucht hatte, soll seit Anfang des Jahres in den sozialen Medien sehr aktiv gewesen sein. Er verfügt demnach über Accounts auf Facebook, Twitter, Instagram und Linkedin. Besonders die Themen Biodiversität sowie Natur- und Artenschutz scheinen ihn beschäftigt zu haben. Der 25-Jährige teilte auch ein Video, in dem Greta Thunberg vor dem US-Kongress spricht. Auf Facebook veröffentlichte der Mann nächtliche Fotoaufnahmen aus dem Dorf, in dem die Familie lebte. Seinem Profil auf dem sozialen Netzwerk zufolge arbeitete der 25-Jährige als "Online Store Manager" für eine Firma, die laut niederländischen Medienberichten Josef B. gehören soll.  


An aerial picture taken on October 15, 2019 shows a view of the farm where a father and six children had been living in the cellar, In Ruinerwold, northern Netherlands. - The family lived in the cellar for years and where waiting for 'the end of time'. (Photo by Wilbert Bijzitter / ANP / AFP) / Netherlands OUT
Warten auf den Weltuntergang? Gruppe lebt jahrelang im Keller
Ein verwirrter Mann bittet in einer niederländischen Kneipe um Hilfe. Er habe neun Jahre im Keller gelebt. Die Polizei entdeckt sechs verwirrte Menschen auf einem isolierten Bauernhof. Der älteste ist Österreicher.

Indes weckt der Fall in Österreich - wenn auch eigentlich anders gelagert - Erinnerungen an den Fall Josef Fritzl, der vor elf Jahren aufflog. Der Mann hatte 24 Jahre lang seine Tochter in einen Keller im Bundesland Niederösterreich gesperrt und mit ihr sieben Kinder gezeugt. Er wurde zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt und in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen.  


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