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Gedenkstätte Auschwitz appelliert: Nicht auf Gleisen balancieren
Die Bahngleise vor dem historischen Tor gelten als bilderstarkes Symbol für den Holocaust.

Gedenkstätte Auschwitz appelliert: Nicht auf Gleisen balancieren

Foto: Monika Skolimowska/ZB/dpa
Die Bahngleise vor dem historischen Tor gelten als bilderstarkes Symbol für den Holocaust.
International 21.03.2019

Gedenkstätte Auschwitz appelliert: Nicht auf Gleisen balancieren

Auschwitz ist das zentrale Symbol für die Schrecken des Holocaust. Junge Touristen, die das ehemalige Nazi-Vernichtungslager in Polen besuchen, sind sich dessen aber offensichtlich nicht immer bewusst. Jetzt hat die Gedenkstätte Klartext gesprochen.

(dpa/tom) - Die Gedenkstätte Auschwitz hat Besucher zu einem respektvollen Verhalten aufgefordert und an sie appelliert, nicht auf den Gleisen zu balancieren und Fotos davon zu machen. „Denken Sie daran, dass Sie sich an dem Ort befinden, an dem mehr als eine Million Menschen getötet wurden“, teilte die Gedenkstätte per Twitter mit und rief dazu auf, der Holocaust-Opfer respektvoll zu gedenken.


„Es gibt bessere Orte, um das Laufen auf einem Schwebebalken zu lernen als den Ort, der die Deportation von Hunderttausenden Menschen in den Tod symbolisiert“, hieß es in dem Post, dem Bilder von Besuchern angefügt worden waren, die sich beim Balancieren auf den Gleisen des Todeslagers hatten fotografieren lassen. Das Fotografieren auf dem Gelände werde nicht verboten. „Wir bitten Besucher jedoch, sich auch beim Fotografieren respektvoll zu verhalten.“  

Auschwitz-Birkenau war das größte der deutschen Todeslager im besetzten Polen. Unter den mindestens 1,1 Millionen Opfern waren etwa eine Million jüdische Häftlinge. Nach Angaben der Gedenkstätte wird Auschwitz jedes Jahr von Hunderttausenden Menschen besucht.

Berlin: Comedian zog Selfie-Fotografen am Mahnmal zur Verantwortung

Vor zwei Jahren hatte der israelischstämmige Berliner Satiriker Shahak Shapira mit einer provokanten Aktion in ähnlicher Sache Aufmerksamkeit erregt: Er hatte Selfies im Netz gesammelt, die Touristen vor dem Holocaust-Mahnmal in Berlin geschossen hatten.  


24 solcher Betonstelen hat die Künstlergruppe in Björn Höckes Wohnort aufgestellt.
Politische Aktionskunst: Ein Mahnmal für Björn Höcke
Das politische Künstlerkollektiv "Zentrum für politische Schönheit" hat direkt neben dem Wohnhaus des Rechtsaußen-Politikers Björn Höcke (AfD) eine Replik des Berliner Holocaust-Mahnmals aufgestellt. Grund war eine Äußerung Höckes im Januar.

Den Bildern von grinsenden jungen Leuten, die zum Teil mit geschmacklosen Bildzeilen versehen waren, gab Shapira per Fotoshop neue Hintergründe. Die beiden Männer, die von einer Stele des Mahnmals zur anderen hüpften und ihrem Werk den komplett respektlosen Titel "jumping on dead jews" gegeben hatten, springen in Shapiras Montage nun tatsächlich über einen Leichenberg ausgemergelter KZ-Insassen. Das Projekt nannte Shapira, dessen Großvater den Holocaust überlebt hat, #Yolocaust - eine ätzende Anspielung auf den populären Hashtag #YOLO ("you only live once"). 

Weil sich die auf der Seite abgebildeten Menschen ausnahmslos bei ihm meldeten, sich entschuldigten und um Löschung der Bilder baten, nahm Shapira die Fotos schon nach kurzer Zeit wieder aus dem Netz.


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